Klimatest des ADFC

Nur diese Rennstrecke...

+
Radweg entlang der Frankfurter Straße.

Heusenstamm - Unter den Städten der Republik mit weniger als 100.000 Einwohnern liegt Heusenstamm in Sachen Radler-Freundlichkeit auf dem stolzen Rang 54. In Hessen ist es der achte Platz, im Kreis Offenbach der zweite - hinter Mühlheim.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hatte im vergangenen Jahr die Kommunen einem „Klimatest“ in Sachen Zweirad-Tauglichkeit unterzogen, Einwohner per Internet befragt. Aber was sagt einer, der die Qualitäten aus einer professionellen Perspektive kennt?.

Der Schönheitsfehler an der ADFC-Erhebung ist, dass sich auch in der Schlossstadt nur wenige Dutzend Radfreunde beteiligt hatten. Michael Ott vom gleichnamigen Fahrradgeschäft an der Frankfurter Straße ist seit 23 Jahren im Familienbetrieb, der nächstes Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Der 41-Jährige fährt gerne Mountainbike, wozu er in der Hochsaison aber meist nur am Wochenende Zeit findet. Die Fahrradwege in der Umgebung kennt er wie seine Westentasche. „Die sind gut ausgeschildert“, lobt er die grün-weißen Schilder vom ADFC, aber auch die roten Routen vom Regionalpark Rhein-Main. Besonders gern radelt er gen Odenwald, über Nieder-Roden, Babenhausen und entlang der Mümling. „Das geht komplett auf dem seperaten Radfernweg“. In Groß-Umstadt stößt er auf den Drei-Länder-Weg Richtung Hirschorn am Neckar, strampelt bis Erbach.

Auch innerhalb seiner Heimatstadt schätzt er die Verbindungen. Die Lieblingsstrecken seiner Kunden führen nach Jügesheim und Seligenstadt zum Eisessen. „Das sind so typische Ausflugsstrecken für Heusenstammer“, weiß der künftige Geschäftsinhaber. Die Allee vom Schloss zur Alten Linde bereite natürlich keine Probleme, sie ist breit genug für Radler und Spaziergänger. Vor seinem Schaufenster sieht’s dagegen nicht so rosig aus. „Tempo 30 wird von den Autofahrern oft missachtet“, beobachtet er, das sei riskant für seine Kunden. Regelrecht gefährlich aber lebten jene, die per Pedale nach Neu-Isenburg und Dreieich wollen. Der Seitenstreifen der schnurgeraden Straße sei eine Rennstrecke, Kfz-Lenker rasten mit 100 und mehr Sachen vorbei. Ein besseres Beispiel gebe da der Radweg entlang der Landesstraße nach Obertshausen ab.

Fahrräder werden leistungsfähiger, hochwertige Komponenten sind günstiger als früher. Michael Ott weiß, wo er anfassen muss.

Wer nicht vor Ort starten will, könne den Drahtesel mit in die S-Bahn nehmen. Rennradfahrer wählten den Taunus für sportliche Varianten, Mountainbiker den Spessart. Sie legen ihr Gefährt ins Auto und parken am Fuße des Hahnenkamm. „Der eignet sich gut fürs Querfeldein-Fahren“. Und womit bewegen sich die Heusenstammer? „Das E-Bike ist ein ganz großer Trend“, betont Ott, und das nicht nur bei Rentnern. Jüngere, die in Frankfurt arbeiten, wählen die Elektro-Unterstützung, um nicht verschwitzt ins Büro zu kommen. Sie legen Strecken von 20, 25 Kilometern zum Arbeitsplatz zurück und bevorzugen Geräte, die bis zu 45 Sachen schaffen. „Das bedeutet allerdings Helmpflicht, Rückspiegel, Moped-Kennzeichen, außerdem ist das Fahren im Wald nicht erlaubt“, schränkt der Fachhändler ein. „Das sind Modelle für Leute, die Gas geben wollen“. Wer’s gemütlicher mag, wähle ein Pedelec, das nur bis Tempo 25 unterstützt.

Angesagt seien nach wie vor alle Versionen des Stahlrosses, vom Renn- bis zum Cityrad, querbeet. „Ausflügler, die Mehrtagestouren unternehmen, sollten schon 800 Euro ins Rad investieren“, lautet der Tipp des Experten. In dieser Preisklasse seien die Präzision der Schaltung und die Federung über Gabeln und Sattelstützen besser. Trotz Bike-Supermärkten und Internet schätzten die Schlossstädter die Beratung. Michael Ott nimmt Schrittlänge und Oberkörper, um die Sitzposition zu ermitteln. Gefragt seien auch hochwertiges Zubehör wie Taschen, Schlösser, Sättel. Ein großes Thema sei die Reparatur, da sei es teurer, wenn ein günstig im Internet erworbenes Rad vom Fachhändler montiert werden soll.

M.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare