Helden zum Anfassen

Feuerwehrtag bietet Einblicke in die spannende Arbeit der Brandschützer

+
Die „modernen Helden“ sind zum Greifen nahe: Bei einer Schauübung zeigt die Freiwillige Feuerwehr, worauf es bei der patientenorientierten Rettung ankommt.

Direkt vor dem Haus der Freiwilligen Feuerwehr Heusenstamm hat sich ein Unfall zwischen einem Radlader und einem Sprinter ereignet.

Heusenstamm –  Der Transporter ist zur Seite gekippt und die Gabeln des Radladers haben sich in die Frontscheibe des verunglückten Fahrzeuges gebohrt. Hinter dem Steuer wartet das Unfallopfer Jens Kallmeyer auf seine Rettung durch die Kameraden der Feuerwehr.

Obwohl es sich bei dem Spektakel auf der Frankfurter Straße nur um eine Schauübung der Einsatzabteilung handelt, stockt den Zuschauern der Atem. Die Absperrung des Unfallortes erfolgt durch die Kinderfeuerwehr, die sich mit einem Schlauch vor die Besuchermenge stellt, damit sie nicht dem ersten Einsatzfahrzeug im Weg steht. 

Wie im Ernstfall kommt dieses kurz darauf mit Blaulicht und Sirene angebraust, damit sich der Einsatzleiter ein Bild vom Unfallgeschehen machen kann. Die nächsten Arbeitsschritte erfolgen präzise, jeder Handgriff sitzt. Moderiert wird die Übung von Feuerwehrsprecher Steffen Ball. Er erläutert die einzelnen Schritte und benennt die Gerätschaften, die für die „patientenorientierte“ Rettung nötig sind. 

Heusenstamm: Feuerwehr zeigt Einblicke

Um Kallmeyer schonend aus der Fahrerkabine zu holen, wird ihm zunächst eine Nackenstütze angelegt und ein Feuerwehrhelm aufgesetzt. Außerdem ist ein Mundschutz nötig, denn die Frontscheibe muss zersägt werden. „Beim Schneiden des Verbundglases entsteht feiner Staub, wie Sie sehen können“, erläutert Ball, als eine kleine Wolke über dem Schneidgerät aufsteigt. Nach etwa einer halben Stunde wird das Unfallopfer schließlich auf der Liege festgezurrt dem Rettungsdienst übergeben. „Obwohl ich wusste, dass es nur eine Übung ist, ging mir der Puls ganz schön nach oben“, berichtet Kallmeyer im Nachhinein. Sekunden fühlten sich ewig an.

Doch sind es eben jene kurzen Zeitspannen, die über das Leben eines Menschen in Gefahr entscheiden können. Teilweise sind das Momente, in denen die Feuerwehrmänner und -frauen ihr eigenes aufs Spiel setzen. „Feuerwehrleute sind moderne Helden“, meint Landtagsabgeordneter Ismail Tipi über die älteste Bürgerinitiative Deutschlands. „Mit dem Feuerwehrtag wollen wir dieses ‚Heldentum‘ anfassbar machen“, sagt Ball. Einen Verkehrsunfall von so nah zu betrachten, kommt glücklicherweise selten vor. Doch nicht nur Kinderaugen verfolgen das Schauspiel mit Begeisterung. „Die Führungen durch das Feuerwehrhaus waren alle voll“, resümiert Ball. Das zeige das Interesse bei Klein und Groß.

Heusenstamm: Einsatzfahrzeuge mussten ausziehen

Für die Zeit des Festes mussten die Einsatzfahrzeuge jedoch aus dem Gerätehaus ausziehen, denn dieses bietet bunt geschmückt Besuchern die Gelegenheit, sich mit Gyros oder Kuchen den Magen zu füllen. Am Samstagabend lud die Cocktailbar des Fördervereins zum Verweilen ein, am Sonntag bot die Einsatzabteilung ein abwechslungsreiches Programm. Für große Augen sorgen Vorführungen, die veranschaulichen, weshalb es keine gute Idee ist, brennendes Fett mit Wasser zu löschen: Die daraus resultierende Explosion ist ein Bild, das sich buchstäblich ins Gedächtnis einbrennt. Für die Erwachsenen gibt es darüber hinaus Infos dazu, wie man einen Rauchmelder korrekt installiert oder einen Feuerlöscher richtig anwendet.

Die Feuerwehr nutzt den Tag, um sich und ihre Gerätschaften zu präsentieren, und die Bürger nutzen die Gelegenheit, um einmal „Danke“ zu sagen. Gabi Büttner und Kai-Uwe König haben vergangenes Jahr selbst erlebt, was es heißt, in Not zu geraten. „Es war zwar zum Glück kein Brand, aber auch bei einem Wasserschaden fühlt man sich erstmal hilflos“, berichtet sie. In einem Geschäft der beiden habe einige Zentimeter hoch das Wasser gestanden. „Ich weiß noch, dass wir am Sonntagmorgen am Frühstückstisch informiert worden sind“, erinnert sich König. Als das Paar zu seiner Immobilie kam, sei die Wehr schon vor Ort gewesen. „Die sind ja ebenso vom Frühstückstisch aufgesprungen“, erzählt er weiter, „das gesamte Engagement hat Hochachtung verdient“. Büttner schätzt außerdem die bekannten Gesichter unter den Feuerwehrhelmen. „Die ganze Situation war damit irgendwie schön, weil man die Menschen kennt und sich gleich gut aufgehoben fühlt“, sagt sie.

VON LISA SCHMEDEMANN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare