Streit um Beitragsanhebung

Neuwahlen in Heusenstamm gescheitert: Gärtnerverein muss ohne Führung auskommen

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Das Gelände des Obst- und Gartenbauvereins rund um die Schlossallee: Bislang ist es nicht gelungen, einen neuen Vorstand zu wählen. Foto: Häsler

Ohne Führung bleibt vorerst der Obst- und Gartenbauverein in Heusenstamm. Während der Mitgliederversammlung am Mittwochabend ist es nicht gelungen, einen neuen Vorstand zu wählen. 

Nun soll es in vier oder fünf Wochen eine außerordentliche Versammlung geben, Der Termin steht noch nicht fest.

Gescheitert ist die Wahl des Gremiums vor allem an fehlenden Kandidaten. Niemand erklärte sich bereit, die ehrenamtliche Verantwortung für den 122 Jahre alten Verein zu übernehmen. Der bisherige Vorstand mit Pia Kemmerer an der Spitze hatte bereits vor einem Jahr angekündigt, nicht mehr anzutreten. Im Mai war dies allen Mitgliedern per Rundbrief mitgeteilt worden.

Entsprechend turbulent ging es zu im Pfarrheim Maria Himmelskron, in dem 103 stimmberechtigte Mitglieder zusammengekommen waren. Zumal die Besetzung der insgesamt sieben Vorstandsämter nicht der einzige Diskussionsstoff war. Es ging auch um die vor Jahresfrist gescheiterte Anhebung der Mitgliedsbeiträge für die Bestandsgärtner.

Zur Erinnerung: Seit 2016 bezahlen – nach einer Satzungsänderung – neue Gartenpächter inklusive Beitrag eine jährliche Pauschale in Höhe von 250 Euro. Der Jahresbeitrag der Altgärtner liegt bei 15 Euro, allerdings in den vergangenen Jahren verbunden mit einer Sonderleistung zur Tilgung des Kredits, der zur Ausstattung des neuen Vereinsheims hatte aufgenommen werden müssen.

Der Vorstand hatte im vergangenen Jahr vorgeschlagen, künftig eine einheitliche Pauschale in Höhe von 210 Euro pro Jahr festzulegen. Zumal Rücklagen gebildet werden müssen, da der Verein Altgärtnern bei Rückgabe ihrer Parzelle einen in den 1970er Jahren gewährten Kredit ausbezahlen muss. Auf etwa 270 000 Euro schätzt Pia Kemmerer den Betrag, der in den nächsten Jahren auf diese Weise fließen muss.

Doch der entsprechende Antrag des Vorstands zur Beitragsangleichung wurde damals abgelehnt. „Mit drei Stimmen Mehrheit“, wie die bisherige Vorsitzende in ihrem Rechenschaftsbericht betonte. Der Vorstand werte dies als persönliches Misstrauensvotum gegen seine Arbeit, ergänzte Kemmerer.

Zu Beginn der Zusammenkunft am Mittwoch wurde auf Antrag eines Mitglieds erneut über jenes Ansinnen abgestimmt. Ganze 35 Ja-Stimmen konnten gezählt werden. Damit war die Beitragsanhebung erneut gescheitert.

Nicht ohne Diskussion freilich, in der zum Teil heftig gestritten wurde. So schimpfte etwa der frühere Vorsitzende Werner Meier, 15 Euro Jahresbeitrag seien doch lachhaft: „Der Beitrag muss erhöht werden, damit wieder Geld in die Kasse kommt.“ Andere beklagten, sie hätten zwei Gärten, müssten dann also fast 500 Euro im Jahr bezahlen.

Nach den Berichten des Führungsgremiums beantragte Kassenprüfer Benjamin Lamm, der Finanzvorstand Matthias Stübner zuvor eine gute Kassenführung attestiert hatte, die Entlastung Stübners sowie des gesamten Vorstands. Diese wurde auch erteilt, bei vier Enthaltungen und 13 Gegenstimmen.

Lamm übernahm dann auch die Aufgabe des Wahlleiters. Die Frage nach einem Kandidaten oder einer Kandidatin für das Amt des Vorsitzenden blieb indes unbeantwortet. An Aufforderungen an Anwesende, sich aufstellen zu lassen, mangelte es allerdings nicht. Stets jedoch mit einem mehr oder weniger heftigen „Nein“ beantwortet.

Zu jenen, die zur Kandidatur aufgefordert wurden, zählte auch Wolfgang Saile, der seit 2012 zweiter Vorsitzender war. Wenn die Beitragsfrage geklärt sei, könne er doch noch einmal antreten, hieß es. Die Sache mit den Beiträgen sei nicht der Grund für seine Entscheidung, nicht mehr anzutreten, sagte Saile. Vielmehr gehe es um die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit, um vereinbarte Treffen mit Mitgliedern zu Gemeinschaftsarbeiten, zu denen dann niemand erscheint und er allein dasteht. „Und das reicht mir, deshalb höre ich auf.“

Von Claudia Bechthold

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