„Agenda Ecclesiae Moguntinensis“

Geschichtsverein erwirbt alte Mainzer Kirchenordnung: Ein Zeugnis Sebastians

Das fast 470 Jahre alte Buch mit (von links) Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu, Holger Drewing, Peter Jakoby, Ralf Drewing, Dr. Erik von Knorre, Dr. Roland Krebs und Hans Scheuern. 
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Das fast 470 Jahre alte Buch mit (von links) Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu, Holger Drewing, Peter Jakoby, Ralf Drewing, Dr. Erik von Knorre, Dr. Roland Krebs und Hans Scheuern. 

Der Holzwurm hatte es sich in dem fast 470 Jahre alten Buch offensichtlich schon gemütlich gemacht. Unzählige kleine Löcher im Umschlag zeugten davon.

Heusenstamm – Inzwischen aber ist die „Agenda Ecclesiae Moguntinensis“ restauriert und im Besitz des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV). Das Besondere an dieser „Mainzer Kirchenordnung“: Sie wurde 1551 herausgegeben vom damaligen Erzbischof von Mainz und damit Reichskanzler des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, von Sebastian von Heusenstamm. Damit sei dieses Druckwerk das erste unmittelbare Zeugnis des größten Sohnes Heusenstamms, das der Verein hat, betont der Vorsitzende des HGV, Dr. Roland Krebs.

Gefunden hat das Buch Vorstandsmitglied Dr. Erik von Knorre, der im Internet immer mal wieder in den Katalogen von Antiquariaten stöbert. Im Auftrag des Vereins erwarb er das Werk, das in der Mainzer Druckerei Franz Behem entstanden ist. Es stammt aus dem Besitz des Klosters Roth bei Biberach in Schwaben. Allerdings sei das Buch „etwas schadhaft“ gewesen, berichtet Krebs. Also ging Erik von Knorre auf die Suche nach einer Möglichkeit, das Werk zu restaurieren. Bei Vera Gunder in Darmstadt wurde er fündig. Zugleich fand er mit Holger und Ralf Drewing von der Firma Herth + Buss jene Sponsoren, die zur Finanzierung der Buch-Restaurierung benötigt wurden. Insgesamt wurden 2300 Euro in das Projekt investiert.

Zwei ganzseitige Holzschnitte enthält die Kirchenordnung. Einer zeigt eine Kreuzigungsszene, der zweite das Wappen des Sebastian von Heusenstamm. Es ist eine sehr detaillierte und prunkvolle Darstellung des Wappens, auf der unter anderem der Kopf eines Jagdhundes im Profil zu sehen ist. Gerade dieser Hund habe einen engen Bezug zur Schlossstadt, erläutert Krebs. Der Hund, auf einem Ritterhelm sitzend, ist auch Teil des Wappens der Herren von Heusenstamm, aus deren Familie der Erzbischof stammte. Sebastian ist vor allem für den Augsburger Religionsfrieden von großer Bedeutung, weil er diesen maßgeblich vorbereitet hat.

Der Hundekopf im Wappen des Sebastian von Heusenstamm stammt aus dessen Familienwappen.

Leider könne das Buch vorerst nicht in die Dauerausstellung des Hauses der Stadtgeschichte aufgenommen werden, bedauert der Vereinsvorsitzende. Dafür fehlten eine geeignete Vitrine sowie eine sogenannte Buchwippe zur Präsentation in geöffneter Form. Zu besonderen Anlässen aber werde man eine Sonderregelung finden, „denn natürlich wollen wir dieses neue Schmuckstück unserer Sammlung interessierten Menschen zugänglich machen“.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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