Kunst und Kultur

Graf war ein „wichtiger Mensch“: Heimat- und Geschichtsverein eröffnet Ausstellung über den Torbau

Zum Tag des offenen Denkmals eröffnete der Heimat- und Geschichtsverein eine Ausstellung über den Torbau.
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Zum Tag des offenen Denkmals eröffnete der Heimat- und Geschichtsverein eine Ausstellung über den Torbau.

Es gibt keine Unterlagen über den Torbau. Man weiß nicht genau, wann er gebaut wurde, und nicht, wer der Architekt war. Und auch über die Kosten der Errichtung gibt es keine Kenntnis. Rudolf Fauerbach, Kurator der laufenden Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte, Eckgasse 3a, kann also nicht auf viele Quellen zurückgreifen. Und doch lohnt sich der Besuch der Schau des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV), die noch am morgigen Mittwoch von 17 bis 19 Uhr und am Sonntag von 14 bis 17 Uhr zu sehen ist.

Heusenstamm – So sind zum Beispiel Fotos und Zeichnungen des einzigartigen Gebäudes am Eingang zum Alten Ort zu sehen. Pläne, zu verschiedenen Zeiten entstanden, zeigen, wie das Tor im Innern genutzt wurde. Und die Inschrift sowie die verschiedenen Wappen über dem Durchgang sind ausführlich erläutert. Bilder aus dem Inneren des Baus, der schon seit Jahren nicht mehr öffentlich zugänglich ist, ergänzen die Ausstellung.

„Für meine Vorstellung hat Graf Eugen Erwein von Schönborn das Tor bauen lassen, um Kaiser Franz zu zeigen, dass er ein wichtiger Mensch ist“, sagt Rudolf Fauerbach zur Eröffnung der Schau am Samstag. Er sei davon überzeugt, dass der Graf ein Bild von dem Gebäude habe malen lassen und dieses dem Kaiser nach Wien geschickt hat. Denn fest steht inzwischen, dass Kaiser Franz I., Herrscher über das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ im März 1764 bei seinem Besuch Heusenstamms nicht durch das Tor in das Dorf eingezogen sein kann.

Mit dem Tor macht Heusenstamm auch im Jahr 1961 Werbung für die Schlossstadt.

Zu verdanken ist diese Erkenntnis dem Bauforscher Jonas Gerhardinger, der das Gebäude für seine Masterarbeit akribisch untersucht und vermessen hat. Auch über die Ergebnisse seiner Arbeit wird berichtet, übrigens auch in einem Buch des HGV, das zum Preis von 19 Euro in der Ausstellung erworben werden kann. Gerhardinger hat Holzproben des Gebälks untersuchen lassen, die beweisen, dass die genutzten Bäume frühestens 1766 gefällt wurden, also zwei Jahre nach dem Aufenthalt des Kaisers.

Die Eröffnung der Ausstellung – musikalisch begleitet von Pianist Chris Horz – verknüpft der HGV mit dem „Tag des offenen Denkmals“, der in diesem Jahr unter dem Motto „Sein und Schein“ steht. Heusenstamm sei wesentlich geprägt von der Familie Schönborn, die nach eigenen Aufzeichnungen vom „Bauwurmb“ befallen sei, sagt HGV-Vorsitzender Roland Krebs. Die Familie habe ein großes Repräsentationsbedürfnis gehabt, das aber stets deren finanzielle Möglichkeiten überstiegen hat. So sei das von ihnen errichtete Schloss etwa als Vier-Flügel-Anlage geplant gewesen, gebaut wurde ein kompletter Flügel mit zwei kurzen Ansätzen für weitere. Und der barocke Schlossgarten sollte nach dem Vorbild von Versailles gestaltet werden. Der „Schein“ sei also größer als das „Sein“ gewesen.

Und dennoch, betont Roland Krebs, dürfe man, wenn auch mit viel Schein, Heusenstamm, den Schönborns sei Dank, in einer Reihe etwa mit Paris und Berlin aufzählen: „Wer hat schon einen Triumphbogen?“ (Von Claudia Bechthold)

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