Lärmminderung statt Verlagerung

„Flieger leiser machen“

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Stadtverordnetenvorsteher Gerd Hibbeler, Bürgermeister Halil Öztas, Rechtsanwalt Thomas Mehler und Professor Dr. Friedrich Thießen während der Bürgerversammlung in der TSV-Halle. 

Heusenstamm - Noch ist nichts beschlossen, das obliegt in letzter Instanz ohnehin Behörden und nicht der Politik. Aufregung aber gibt es schon jetzt zu den Vorschlägen, Flugrouten so zu verändern, dass auch Heusenstamm mehr Lärm abbekommt. Von Claudia Bechthold

Etwa 80 Bürger ließen sich am Donnerstagabend darüber informieren. Ein wenig enttäuscht zeigt sich Bürgermeister Halil Öztas zu Beginn: „Ich hatte viel mehr Leute erwartet.“ Auf Einladung von Gerd Hibbeler, Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung, sollten Bürgerinnen und Bürger über das Maßnahmenprogramm „Aktiver Schallschutz“ des „Forums Flughafen und Region“ informiert werden. Neben Öztas sprachen Rechtsanwalt Thomas Mehler und Professor Dr. Friedrich Thießen vom Verein Rhein-Main-Institut in Darmstadt.

Wie berichtet, sollen nach den Vorschlägen vor allem bei Ostwetterlagen täglich 20 schwere, alte Frachtflugzeuge beim Start künftig direkt über die Schlossstadt fliegen. Damit entlaste man Bürger in Offenbach und Frankfurt, heißt es in den Vorschlägen. „Das sind Lärmverlagerungen, die keinen Sinn ergeben“, kritisiert Öztas, der gleichzeitig betont: „Wir sind nicht gegen den Flughafen. Aber das Thema Fluglärm wird mit diesem Paket nicht an der Quelle angegangen, sondern einfach nur anders verteilt. Ich denke, die Menschen in Offenbach merken diese Entlastung um ein paar Flieger gar nicht.“

„Aus meiner Sicht werden die Menschen für blöd verkauft“, schimpfte Öztas. Das gelte auch für Vorschläge wie die vorgeschlagene höhere Spurtreue beim Anflug, die nur mit moderner Technik erreicht werden könne. Solche Technik hätten nur zehn bis fünfzehn Prozent der Flugzeuge überhaupt an Bord. Zudem müsse man damit rechnen, dass die zulässige Anzahl der Flüge noch nicht erreicht sei, und mit dem geplanten Terminal 3 Raum für mehr Billigflieger geschaffen werden könne.

Schließlich würden Maßnahmen von vor sieben oder acht Jahren aus der Mottenkiste geholt und jetzt als neu verkauft. Gemeint ist der sogenannte verschwenkte Anflug (Segmented Approach), bei dem die Flugzeuge bei Westwetter später als üblich auf die Landelinie über der Autobahn einbiegen. Öztas forderte, entsprechend der „Norah-Studie“ den Gesamtlärm zu betrachten, der krank mache, und nicht Autobahn, Eisenbahn und Flugzeug jeweils einzeln zu betrachten, wenn es um die Beurteilung der Lärmbelastung geht.

Bilder: Fluglärmgegner demonstrieren zum 250. Mal

Viele der Vorschläge aus dem Maßnahmenpaket seien erst in der Zukunft umsetzbar, weil die Technik noch nicht ausgereift sei, kritisierte auch Professor Thießen, der die Heusenstamm betreffenden Punkte näher erläuterte. Und Rechtsanwalt Mehler unterstrich, dass wirkliche Entlastung nur durch leiseres Fluggerät erreicht werde, dieses aber eine Menge Geld koste – im Gegensatz zur eher kostenfreien Routenverlagerung.

Schließlich erläuterten die Beteiligten den Zuhörern das sogenannte Konsultationsverfahren, das auch für Heusenstamm umgesetzt werden soll. Dazu werden auch zufällig ausgewählte Bürger um ihre Meinung gebeten. „Dabei ist wichtig, dass wir mit guten, sachlichen Argumenten arbeiten“, betonte der Bürgermeister mehrfach. Wer zur Konsultation aufgefordert werde, könne sich gern an ihn wenden, um ausführliche Informationen dazu zu erhalten.

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