Vor 250 Jahren

Treffen mit dem Kaiser hat alle berührt

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Volker Schneider, Heinrich Rühl, Hartmut von Kienle und Roland Krebs vor dem Weißen Kreuz nahe Heusenstamm.

Heusenstamm - Vor 250 Jahren trafen der Kaiser und der Landgraf von Hessen-Darmstadt am Weißen Kreuz im Wald aufeinander. Der Heimat- und Geschichtsverein erinnert an den historischen Moment, über den auch Goethe schreibt. Von Claudia Bechthold 

Es soll eine berührende Szene gewesen sein, als sich Franz und Ludwig am 29. März 1764 im Wald nahe Heusenstamm am Kreuz getroffen haben. Franz war auf dem Weg von Heusenstamm nach Frankfurt, um seinen Sohn Joseph zum König krönen zu lassen. Und Ludwig wollte diese Chance nutzen, um den Kaiser, seinen Kaiser noch einmal zu sehen.

Ludwig VIII., Landgraf von Hessen-Darmstadt, schätzte Kaiser Franz I. sehr. Ihr Verhältnis zueinander sei sehr innig gewesen, schreibt der Wiener Historiker Dr. Bernhard Macek in seinem Buch „Die Krönung Josephs II. zum Römischen König in Frankfurt amMain“. Recht ausführlich geht Macek auf dieses Treffen jener beiden Männer ein. In der nächsten Woche wird der Österreicher in Heusenstamm über das Krönungsmahl referieren.

„Die Unterredung war sehr zärtlich“, zitiert Bernhard Macek aus dem Tagebuch der kaiserlichen Oberstkämmerers Johann Josef Khevenhüller-Metsch, „dass uns allen die Tränen in die Augen kamen“. Und fügt ein Zitat aus einem Brief des zu krönenden Joseph an dessen Mutter Maria Theresia hinzu: „Ich glaubte, er würde seine Majestät den Kaiser vor lauter Zärtlichkeit verschlingen.“

Kreuz steht nicht mehr an seiner ursprünglichen Stelle

Der hessische Landgraf war zu dieser Zeit fast 73 Jahre alt und offenbar gebrechlich. Er soll sich während des Treffens an einem Baum festgehalten haben. Auch der Kaiser war mit 55 Jahren nicht mehr der Jüngste. Im Siebenjährigen Krieg hatte Ludwig auf Seiten des Kaisers gekämpft. Vor allem aber war es wohl der Landgraf Ludwig, so berichtet es zumindest Goethe, der Franz im Jahr 1745 die Nachricht überbracht haben soll, dass dieser zum Kaiser gewählt worden sei.

Ein weißes Kreuz soll die Stelle markieren, an der dieses historisch bedeutende Treffen stattgefunden haben soll. Ein solches Kreuz gibt es noch, doch steht es längst nicht mehr an eben dieser Stelle. Nahe der Dietzenbacher Straße zwischen Autobahn und Offenbacher Stadtgrenze ist es am Waldrand zu sehen. Der Wald von 1764 hat der Autobahn weichen müssen. Das Kreuz wurde versetzt. Es ist auch nicht mehr jenes, das der Kaiser sah. Das haben „Frevler“ 1925 zerstört. Ein Jahr später wurde es wieder hergerichtet. Vermutlich haben Pilger es einst aufgestellt.

Schild weist nun auf das Zusammentreffen hin

Das Treffen war so bedeutend, dass sogar Goethe es in „Dichtung und Wahrheit“, seinen Lebenserinnerungen, beschreibt. Heusenstamms Heimat- und Geschichtsverein fand es deshalb wert, künftig auf die historische Zusammenkunft dieser beiden Männer hinzuweisen. So haben Vorsitzender Roland Krebs, sein Stellvertreter Volker Schneider und Hartmut von Kienle gemeinsam mit Heinrich Rühl vom Gesangverein Eintracht in Mühlheim, dessen Mitglieder das Kreuz regelmäßig reinigen, ein entsprechendes Schild angebracht.

Das Buch über das „logistische Meisterwerk, die zeremonielle Glanzleistung“ beim Kaiserbesuch von Bernhard Macek kann im Buchhandel erworben werden. Der Vortrag des Historikers am Dienstag, 15, April, um 19 Uhr ist schon ausverkauft. Macek spricht im Pfarrheim Maria Himmelskron, Marienstraße 16 a, nicht im Haus der Stadtgeschichte.

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