Aufbau einer Kultur-Kirche

Im evangelischen Gemeindehaus stellen Hobby-Autoren ihre Werke vor

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„Haus der ausrangierten Kinder“ lautet der Titel der Geschichte aus der Feder von Lara Gelhausen.

Feuerzungen, Kreischen, glühende Augen – Elfen haben das evangelische Gemeindehaus an der Frankfurter Straße eingenommen. Stinkender Rauch zieht durchs „Haus der ausrangierten Kinder“, die keiner haben will oder deren Eltern verstorben sind.

Heusenstamm – Klara will weg von dort, nicht erst auf einen Traumprinzen warten. Und Kalli? „Keiner kommt hier weg“, behauptet der. „Doch“, entgegnet Klara.

Klara spielt die Hauptrolle in der Erzählung der 16-jährigen Lara Gelhausen, die etwas aus dem Rahmen dessen fällt, was sonst so im „Schreib- und Leseforum für Talente“ zu hören ist. Acht Hobby-Autoren aus Heusenstamm und den Nachbarstädten sind der Einladung des jungen Fördervereins Evangelische Kirchengemeinde gefolgt. Sophie Eckert vom Vorstand ist begeistert von der Vielfalt der Texte. „Wir wollen nicht nur das Familienzentrum unterstützen“, stellt die Organisatorin den Kreis vor. Die Gemeinschaft finanzierte bereits einen Tischkicker, Fahrtkosten für Freizeiten und Workshops. Ziel sei es, eine Kultur-Kirche aufzubauen. Einige Lesungen, eine Poetry-Veranstaltung und ein meditatives Treffen fanden bereits statt, erinnert sie. „Musik wird schon im katholischen Förderverein gepflegt, wir konzentrieren uns auf das geschriebene Wort“, erklärt die Initiatorin. Was nicht den Verzicht auf jegliche musikalische Beiträge bedeutet.

Dank Roland Schmachtl und seiner Ehefrau Manuela Baumgart werden die Vorträge durch Werke an der Konzertgitarre und auf der Veeh-Harfe bereichert. Edith Mandler spannt gleich zu Beginn einen weiten Bogen mit ernsten Gedanken und einer lustigen Geschichte. In Versform geht es um Hand, Kuss, Schmetterlinge und einen Abschied, in dem Prosawerk um Rudi Völlers entnervte Ansage an Journalisten: „Ich kann den Käse nicht mehr hören.“ Edith erging es so am Frühstückstisch, wo der Appenzeller sonst knarzende Geräusche von sich gibt und sich vor dem Käsehobel fürchtet. Auch Jutta Kreger schreibt und rezitiert seit Jahren. Die „geträumten Verse“, schickt sie voraus, „kamen zu mir, haben mit mir kommuniziert“. Also musste sie die Hausarbeit unterbrechen und sich an den PC setzen, um die „Fremden Wesen“ festzuhalten. Die Obertshausenerin Manuela Baumgart, die bereits mehrere Naturerzählungen für Kinder verfasst hat, präsentiert den „Engel meiner Kindheit“.

Claudia Bülow, Jutta Zeier und Heidi Pohl folgen mit einem „Glashaus“, dem „Mann, der aus dem Rahmen fiel“, der schmachtenden Schilderung „Wer die Sehnsucht kennt“ und „In der S-Bahn“.

Und das war erst ein Anfang, lässt Moderatorin Eckert erkennen. Am Samstag, 11. Mai, beginnt um 17 Uhr ein Brecht-Abend, den der Förderverein zusammen mit dem Geschichtsverein veranstaltet.  

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