KLINGELNDE VEREINSKASSE

Begegnung mit Spaß: Kroaten besuchen Jugendfeuerwehr

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Gruppenbild zum Abschied: Zehn Mädchen und drei Jungen der Jugendfeuerwehr im kroatischen Senkovec waren zu Gast in Heusenstamm.

Auch die Jugendfeuerwehr der Schlossstadt hat sich für die Klingelnde Vereinskasse des Obertshausener Unternehmens Holzland Becker beworben. Wir stellen deren Projekt vor.

Heusenstamm – „Alles!“ Den zehn Mädchen und drei Jungen von der Jugendfeuerwehr im kroatischen Senkovec hat einfach alles gefallen, was die Heusenstammer Kameraden für ihren zweiwöchigen Aufenthalt vorbereitet hatten. Ganz klar oben auf der Hitliste steht allerdings der Ausflug in den Freizeitpark Movie World in Bottrop-Kirchhellen. Von den Fahrgeschäften und Shows im Gewand bekannter Kinofilme werden sie daheim lange erzählen.

Viele der neun- bis 15-jährigen Schüler waren zum ersten Mal in Deutschland. Ihr 3000-Seelen-Dorf liegt im Dreieck mit den Grenzen zu Ungarn und Slawonien. Der Kontakt zwischen den Wehren aus Senkovec und Heusenstamm geht auf das Jahr 1987 zurück, als Brandschützer aus dem Kreis Offenbach die Universale bei der Berufsfeuerwehr Zagreb besucht haben. Der frühere Stadtbrandinspektor Gerhard Henderkes und Frank Herdt waren dabei und knüpften freundschaftliche Bande.

Diese überstanden auch den Krieg in Kroatien, die Hessen brachten ältere Feuerwehrautos und -geräte und boten Ausbildung an. Nach der Jahrtausendwende führten die Leiter die Jugendwehren zusammen. Norbert Herdt war seitdem „gefühlt hundertmal da“, auch der aktuelle Jugendleiter Denis Schmidt lobt die südländische Gastfreundschaft, mit der sie stets in Senkovec aufgenommen werden.

Mit Interesse lernten die jeweiligen Gäste hüben oder drüben die „völlig andere Organisationsstruktur“ kennen. In Kroatien seien beispielsweise Einsatzabteilung und Verein nicht getrennt. „Und die Bahn dort ist viel pünktlicher“, resümiert Wehrführer Norbert Herdt. Die Gruppe um seinen Kollegen Antonio Radanovic, Jugendleiter Ivan Kafadar und Vereinsvorsitzenden Danijel Breskic staunt über die Dimensionen der Heusenstammer Wehr.

Sie habe mehr Mitglieder, mehr Räume – und mehr Jungs. In ihrer Heimat spielen die Buben lieber Fußball, erklärt eines der Mädchen. Bislang zähle nur eine Frau zu den Aktiven, informiert Radanovic, der auch Kreisbrandinspektor ist. Aber die jungen Damen erklären unisono, bei der Wehr bleiben zu wollen. Sie waren im Schulungsraum der Wehr an der Rembrücker Straße untergebracht, während die jungen Männer in einem ehemaligen Büro schliefen.

Bei ihren Aktivitäten begleiteten die Kroaten Mitglieder der örtlichen Jugendwehr. Es ging ins Feuerwehrmuseum nach Fulda und zur Rodelbahn auf die Wasserkuppe. Der Nachwuchs fuhr Schiff auf dem Main und ging Bummeln in Frankfurt, spielte und besuchte den Zoo. In der Wache 1 der Frankfurter Berufsfeuerwehr lernten sie das größte Trainingszentrum für die Retter kennen, auf dem Fluss das Löschboot. Pflicht war der Besuch des Senckenberg-Museums und der Commerzbank-Arena.

Zum Entspannen spazierten sie noch durch den Palmengarten, bevor es am Donnerstagabend Abschied nehmen hieß. Die Gastgeber hatten die Grills angeworfen. Gestern in der Frühe traten die Kroaten ihre zwölfstündige Heimreise an. Mit dem Geld aus der „Klingelnden Vereinskasse“ möchte die Feuerwehr diesen Austausch fortführen, sagt Schmidt.

VON MICHAEL PROCHNOW

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