Die Löffelmänner

Wie aus einem Kochkurs mit Ute Kinsky eine feste Institution entstanden ist

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Überbackene Nudeln mit Hackfleisch und Gemüse haben die Männer als Hauptgang gezaubert.

Manchmal ist der Ton ein wenig rau. Ute Kinsky will sich schließlich durchsetzen gegen dreizehn Männer. Da muss sie hin und wieder mal etwas lauter werden. Aber an Herzlichkeit untereinander fehlt es deshalb nicht.

Heusenstamm – Seit inzwischen 16 Jahren gibt es die Löffelmänner, eine Art Dauer-Kochkurs, der sich fast schon zu einem Club entwickelt hat. Seit ein paar Jahren machen sie sogar alle zusammen im Sommer eine Kurzreise. Diesmal ist Nürnberg ihr Ziel.

Ute Kinsky hatte schon längere Zeit Kochkurse gegeben, als man sie von der Volkshochschule aus gefragt hat, ob sie auch bereit sei, Männern das Zubereiten von Speisen beizubringen. „Warum nicht“, lautete ihre Antwort damals. Dass daraus eine Art Institution werden sollte, hätte sie allerdings nicht geglaubt.

Das Zuhause der Löffelmänner, wie sie sich irgendwann einmal selbst genannt haben, ist von Anfang an die Lehrküche der Adolf-Reichwein-Schule. Dort stehen ihnen nicht nur mehrere Kochplätze und die Ausrüstung einer Profiküche zur Verfügung, sondern auch ausreichend Raum, um das Zubereitete anschließend gemeinsam in fröhlicher Runde zu verzehren. Ein Glas Wein gehört immer dazu. Und es wird auch mal der eine oder andere Herren-Witz erzählt. Das stört Ute Kinsky allerdings nicht.

Mit vielen Nüssen ist der Obstsalat ergänzt, den die Löffelmänner an diesem Abend als Nachtisch erhalten.

Gekocht werden bei jedem Treffen drei Gänge. An diesem Abend sind dies eine Kokossuppe mit Glasnudeln, zweierlei Nudelgerichte und ein Obstsalat. Die Rezepte sucht Ute Kinsky aus. Zeitschriften und das Internet dienen der Recherche, aber auch die eigene Sammlung. Diese werden dann vervielfältigt, sodass jeder Teilnehmer je eines erhält. Als ausgebildete Gesundheitsberaterin achtet die 84-Jährige natürlich auf ausgewogene Ernährung. Allerdings erlaubt sie sich auch mal einen Spaß. „Einmal hatte ich ein Rezept für gekochtes Nilpferd dabei“, sagt sie lachend. Dieses stammt von Loriot.

Am Tag vor dem Kurs geht die Rembrückerin dann einkaufen. „Das mache ich besser allein“, betont sie. Aber die Einkäufe schleppen die Männer in den zweiten Stock der Adolf-Reichwein-Schule.

Zu Beginn der Treffen sprechen sie die Rezepte durch, dann werden Gruppen eingeteilt. Diesmal sind es vier, für jedes Gericht eine Gruppe.

Nun wird erst einmal geschnippelt. Die Zutaten werden für das eigentliche Kochen vorbereitet. Dass auch Zwiebeln und Knoblauch dazu gehören, stört die Herren wenig. Schließlich soll das Essen ja schmecken.

Ältester Löffelmann ist Günter Knöpfle. Vor wenigen Tagen hat er den 91. Geburtstag gefeiert. Kochen konnte er auch schon vor dem Kurs ein wenig. Aber seit dem Tod seiner Frau vor sechs Jahren versorgt er sich selbst. „Und so hab ich auch ein wenig Unterhaltung und Gesellschaft“, nennt er seine Gründe für den Besuch des Kurses.

Die Gemeinschaft ist auch für Bernd Mades ganz wichtig bei den Löffelmännern. Mehrere Schicksalsschläge haben den pensionierte Polizeibeamten getroffen. Sein Sohn ist vor vielen Jahren tödlich verunglückt, seine Frau ist schwer an Krebs erkrankt. Das Kochen hilft ihm auch im Haushalt, den er inzwischen weitgehend allein führt.

Es ist eine heterogene Gruppe, sagt Holger John, der seit sechs Jahren dabei ist. Airliner, Postmitarbeiter, Wirtschaftsprüfer und Marketingexperten zählen dazu.

Inzwischen steht die Kokossuppe mit Reisnudeln auf dem Tisch. „Ich hätte die Nudeln kleiner machen müssen, so ist es zu schwierig, die Suppe zu löffeln“, ärgert sich Wolfgang Kühnel ein wenig. Dennoch sind alle mit dem Ergebnis zufrieden. Und auch die beiden Nudelgerichte kommen bei allen Beteiligten an. Nur der Obstsalat hätte ein wenig Flüssigkeit verdient, aber „die Limonen sind in der Suppe“. Macht nichts, es schmeckt trotzdem. Und man freut sich schon auf das nächste Treffen.

Von Claudia Bechthold

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