Lockere Sprüche mit Musik

So war die erste musikalische Stadtführung des TSV-Blasorchesters

Mit Dixieland-Musik begrüßte eine Gruppe des TSV-Orchesters die Gäste am Bahnhof. Fotos (3): WITTEKOPF

Diesmal hat alles gepasst, sogar die Sonne zeigt ihr schönstes Gesicht und taucht den Bahnhofsplatz in ein malerisches Licht.

Heusenstamm – Mehr als zehn Jahre lag die Idee der „Musikalischen Stadtführung“ in den Schubladen des Blasorchesters in der Turn- und Sportvereinigung (TSV). Jetzt, zur 110-Jahr-Feier, kann sie endlich verwirklicht werden.

Was das Blasorchester den mehr als 300 Teilnehmern bietet, ist musikalisch und organisatorisch vom Allerfeinsten. Bereits vor dem offiziellen Start am Bahnhofsplatz, spielt die Dixieland-Band unter Leitung von Thomas Hentschl bekannte Lieder der Goldenen Ära. Von den Klängen angelockt, füllt sich der Platz zusehends. Schließlich stehen viele Zuschauer um die stilecht gekleideten Musiker, tanzen, swingen und lauschen den Klängen.

„Wir sind überglücklich, dass so viele Menschen heute da sind und uns auf unserem Serenadenkonzert 2.0 begleiten“, sagt Abteilungsleiterin Gundi Wilz zur Begrüßung. „Ich freue mich ganz besonders auf unsere drei ‚Stadtführer’ Björn Uhl, Matthias Fisch und Roland Krebs, die sie heute durch die Altstadt leiten werden.“ Ihr ganz besonderer Dank für dessen Unterstützung geht an Krebs, den sie als Koryphäe der Heusenstammer Geschichte vorstellt.

Mit den Worten „Ich wünsche euch eine interessante und gute Stadtführung“ übergibt sie das Wort an Uhl. „Wir laufen in drei Gruppen“, erklärt dieser und fügt scherzhaft hinzu: „Es ist egal, mit welcher Gruppe sie laufen, sie kriegen überall denselben Unfug erzählt.“ Der Start ist also schon mal gelungen, denn die Laune der Teilnehmer ist bestens und Uhl erntet für seine lustig lockeren Sprüche viele Lacher.

Zum Abschluss der Serenade brachte das Blasorchester noch ein Ständchen am Vereinsheim des Obst- und Gartenbauvereins.

Auch die Geschichte, als 1898 Heusenstamm an die Eisenbahn angeschlossen wird, kommt gut an. „Seinerzeit ist ja nicht nur Heusenstamm angeschlossen worden, sondern auch die Dietzenbacher ‚Rucksäck’“, erzählt er. Und genau das war ein großes Problem für die damals mehrheitlich katholischen Heusenstammer und hatte sogar den damaligen Pfarrer Landvogt auf den Plan gerufen, der Mischehen mit den evangelischen Dietzenbachern befürchtete.

Nachdem sich die drei Gruppen gebildet haben, geht es zu der ersten Station, dem Haus der Stadtgeschichte. Dort werden die mehr als 120 Teilnehmer dieser Gruppe vom Klarinetten-Ensemble des TSV-Blasorchesters empfangen. Neben der Geschichte des Hauses, das mal als Schmiede, als Wäscherei und als Fabrik für Galanteriewaren diente, hören die Anwesenden Lieder wie „Habanera“ aus Carmen von Georges Bizet und das „Rondo Alla Turca“ von Mozart.

Auf dem Weg zur nächsten Station kommt es zum Zusammentreffen mit einer zweiten Gruppe, was auf dem kleinen Fußweg zu einigem Gelächter führt, denn wenn mehr als 100 Menschen gerade wegwollen und ebenso viele ankommen, dann dauert das eben ein wenig. Saxofonisten warten an der nächsten Station. Die Zuschauer erfahren Wissenswertes über das Schloss und die teils verschwenderische Lebensart der damaligen Herrschaften. Musikalisch verwöhnt werden sie mit Liedern wie „Don’t Stop Me Now“ und „Bohemian Rhapsody“ von Queen.

Im Garten am Haus der Stadtgeschichte war Klassisches vom Bizet und Mozart zu hören.

Der Weg führt nun zu St. Cäcilia, der Begräbniskirche der Grafen von Schönborn. Das dort wartende Barockorchester der TSV spielt zeitlich passende Lieder wie „Ich will den Namen des Gottes loben“ von Bach und „Flower Duett“ aus der Oper Lakmé von Léo Delibes.

„Wer jetzt gedacht hat, dass ich über die Kirche erzähle, liegt falsch“, meint Uhl. Stattdessen spricht er über das Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“, das im 16. Jahrhundert erbaut wurde – also noch vor dem Dreißigjährigen Krieg. Einige Anekdoten hören die Zuschauer dann auch noch.

Den musikalischen Höhepunkt erleben alle Gäste dann am Vereinshaus des Obst- und Gartenbauvereins (OGV). Nachdem die Blechbläser den ersten Gästen ein Ständchen bereiten, spielt die gesamte Kapelle zusammen auf. „Das war eine ganz tolle Führung“, sagt Stephan Stadler. „Wir haben viele Infos erhalten, sehr unterhaltsame Anekdoten gehört und es hat viel Spaß gemacht.“ Auch Heribert Schrodt ist voll des Lobes für die Veranstaltung. „Das war hervorragend“, attestiert er den Mitgliedern des Orchesters. „Als alter Heusenstammer kenn ich die Geschichte natürlich schon, aber es war richtig gut gemacht.“

Von Burghard Wittekopf

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