Groß hilft Klein

Feuerwehr-Nachwuchs übt gemeinsam mit Einsatzabteilung

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Beim Löschen ist Teamarbeit angesagt. Für die jungen Brandschützer sind die Schläuche eine Herausforderung.

Feuer im Dachgeschoss, Rauchentwicklung, eine verletzte Person. Stadtbrandinspektor Gregor Fanroth informiert den Einsatztrupp über die Lage. Dann muss alles schnell gehen.

Heusenstamm – Auf den Ernstfall, der am Donnerstagabend nur geübt wurde, müssen sich die Brandschützer der Feuerwehr Heusenstamm vorbereiten. Wenn tatsächlich ein Notruf eingeht, muss jeder Handgriff sitzen. Regelmäßig trainieren sie darum, was je nach Gefahrenlage zu tun ist. Einmal im Jahr veranstaltet die Feuerwehr Heusenstamm dann auch eine groß angelegte Übung, bei der Einsatz- und Jugendabteilung gemeinsam antreten. „Für die Jungen ist das toll, wenn sie mal bei den Großen dabei sein können“, sagt Feuerwehrsprecher Steffen Ball. „Und für uns auch, das ist schließlich unser Nachwuchs.“

Es ist 19.30 Uhr, mehr als 40 Feuerwehrleute, die Jüngste zehn, der Älteste 58 Jahre alt, sind anwesend. Für den gemeinsamen Übungseinsatz teilt die stellvertretende Wehrführerin Katrin Rebell sechs gemischte Gruppen ein. Der Nachwuchs soll von Wissen und Routine der geübten Einsatzkräfte profitieren. „Denkt dran: Groß hilft Klein“, sagt Katrin Rebell.

Drei Stationen muss jede Gruppe am Donnerstagabend durchlaufen. An einer gilt es, bei Feuerwehr-Activity Begriffe rund um die Brandbekämpfung zu erraten, die unter anderem pantomimisch dargestellt, gemalt oder erklärt werden. Eine weitere Aufgabe, der sich die Brandschützer stellen müssen, ist das Löschen eines Feuers mithilfe einer Tragkraftspritze, von Feuerwehrleuten selbst nur TS genannt. Die Pumpe, die nicht in einem Einsatzfahrzzeug verbaut ist, sondern zum Einsatzort getragen werden muss, kommt in Heusenstamm kaum zum Einsatz. „Eigentlich nur zu Übungszwecken“, sagt Steffen Ball. Wie eine TS zu handhaben ist, müsse aber trotzdem jeder wissen. Gerade bei der Jugend sei es wichtig, die Grundregeln zu vermitteln.

Lagebesprechung: Gruppenführer Dominik Ohlig plant mit seiner Truppe den Einsatz.

An der dritten Station schließlich stehen Nachwuchs und Profis vor der Herausforderung, einen Verletzten aus einer brennenden Wohnung im Dachgeschoss zu befreien. Gregor Fanroth und Katrin Rebell erläutern den Gruppen, wie die Situation aussieht. Gerade besprechen die Einsatzkräfte um Gruppenführer Dominik Ohlig ihr Vorgehen. Zunächst teilen sie sich auf, bilden einen Angriffs- und einen Hilfstrupp, rüsten sich mit Atemluft und Schutzmasken gegen den Rauch, rollen Schläuche aus, schließen sie an den Verteiler an. „Verteiler Wasser marsch!“, ruft dann die zehnjährige Lena. Gemeinsam mit Alexander Fleck bildet sie den Angriffstrupp.

Ausgerüstet mit einem Schlauch machen sich die beiden auf den Weg ins Dachgeschoss, um den Verletzten zu retten. Den finden sie auch prompt, tragen die Übungspuppe gemeinsam ins Freie. Ums Löschen des vermeintlichen Feuers kümmert sich anschließend der Hilfstrupp. „Ich habe ein Menschenleben gerettet“, sagt Lena bei der abschließenden Manöverkritik mit Gregor Fanroth. Mit ihrer Leistung ist sie trotzdem nicht so recht zufrieden. „Ich habe den Brand nicht gelöscht.“ Der Stadtbrandinspektor kann sie beruhigen: „Die Menschenrettung geht immer vor. Fürs Feuer war ja dann der Hilfstrupp da.“ Mit dem Zusammenspiel der Gruppe ist er zufrieden. „Das habt ihr gut gemacht.“

Zwei Stunden dauert die Übung, dann haben alle Gruppen an jeder Station ihr Können gezeigt. Um 21.30 Uhr ist Feierabend und für die Brandschützer, jung und alt, geht’s zum gemeinsamen Absacker. „Deshalb machen wir die Übung immer in den Osterferien“, sagt Katrin Rebell, „für die Kleinen ist das sonst doch ziemlich spät.“

VON LENA JOCHUM

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