„Ich hätte das Schloss nicht gekauft“

Freidemokraten verabschieden Rolf Bollinger und Manfred Ester

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Abschied aus der Politik: Rolf Bollinger (Zweiter von links) und Manfred Ester (Zweiter von rechts) ziehen sich aus der Öffentlichkeit zurück. Ihnen danken Uwe Klein (links), Rudolf Benninger (Mitte) und Halil Öztas. 

Mehr als 45 Jahre war Dr. Rolf Bollinger aktiver Freidemokrat, mehr als 50 Jahre in diversen Gremien gar kann Manfred Ester vorweisen. Jetzt haben sich beide endgültig von der politischen Bühne verabschiedet. 

Heusenstamm – Grund genug für die FDP, das Engagement der beiden mit einem Sommerfest im Hofgut Patershausen zu würdigen.

Überliefert sei, berichtet Vorsitzender Uwe Klein, ein Brief Bollingers zum Jahreswechsel 1973/74, kurz nachdem dieser erstmals ins Stadtparlament eingezogen ist. Solche Schreiben seien damals Tradition gewesen. Darin ist von finanziellen Schwierigkeiten der Stadt die Rede, von einem eingeschränkten Investitionsrahmen. Es werde gemahnt, zu sparen. Und angemerkt, man sei um sachliche Politik bemüht. „Es hat sich nicht viel geändert, es klingt wie heute“, kommentiert Klein.

Gar nicht hoch genug einschätzen könne man, was Bollinger und Ester geleistet haben, betont Matthias Büger, Schatzmeister im Landesvorstand der Freidemokraten: „Das ist eine großartige Leistung für dieses Land und für unsere Partei.“

„Ich denke, Ihr Rückzug ist ein Verlust für unsere Stadt.“

Zu den Gästen des Abends zählt Bürgermeister Halil Öztas, der beiden Hauptpersonen dankt: „Ich denke, Ihr Rückzug ist ein Verlust für unsere Stadt.“ Er äußert die Hoffnung, „Ihr Herzblut für Heusenstamm wird weiter bleiben“. Und auch Elke Kunde von den Liberalen Obertshausens dankt den beiden.

Manfred Ester war zunächst in Obertshausen Stadtverordneter, später – als Rembrücker – Kreisbeigeordneter, schließlich ehrenamtlicher Stadtrat für die FDP und Mitglied des Ortsvorstands. Rolf Bollinger war viele Jahre Stadtverordneter, Fraktionsvorsitzender sowie im Ortsverband in Führungspositionen. Sie waren „immer Teamplayer“, würdigt Dr. Rudolf Benninger, stellvertretender Fraktions- und Ortsvorsitzender seine Parteifreunde. „Sie sind keine Ellenbogenmenschen, die andere zur Seite drängen.“ Ihr Beispiel habe auch die Zusammenarbeit zwischen Klein und ihm von Anfang an geprägt.

„Ich danke, damit wurde eine Menge Geld gespart.“

An zwei Punkte erinnert Benninger, die maßgeblich auf Bollinger und Ester zurückgingen. So hätten die Liberalen stets die ihrer Meinung nach zu starke Förderung der Vereine kritisiert. Daher sei es wichtig, dass inzwischen Mieten für die Nutzung von Räumen bezahlt werden müssten. Ebenso richtig sei die Entscheidung gewesen, die Sporthalle am Forst nicht als solche zu erhalten. „Ich danke, damit wurde eine Menge Geld gespart.“

Nicht immer hat volle Harmonie in der FDP geherrscht, meint schließlich Rolf Bollinger. So habe es etwa 1980 in der Debatte um die Frage, ob die Stadt das Schloss Schönborn kaufen solle, von den Liberalen eine Ja- und eine Nein-Stimme gegeben: „Ich hätte das Schloss nicht gekauft.“ Und auch bei der Abstimmung über die Sanierung des Schwimmbads habe seine Fraktion unterschiedlich votiert.

Mit diesem Abschied haben Ester und Bollinger keine öffentlichen Ämter und Aufgaben mehr. Das politische Geschehen in der Schlossstadt werden sie sicherlich weiter aufmerksam verfolgen.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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