Petra Beißel berichtet

Kinderbetreuung: Viele Eltern sind verzweifelt

An ihren Grenzen sei sie inzwischen, wenn es um Hilfen für junge Eltern bei der Kinderbetreuung geht, sagt Petra Beißel, seit mehr als zehn Jahren Leiterin des städtischen Familienbüros.

Heusenstamm –  Vor den Mitgliedern des Ausschusses für Jugend, Soziales, Sport und Kultur schildert sie ihre Erfahrungen. Viele Eltern seien verzweifelt, berichtet sie, weil sie keinen Betreuungsplatz für ihre Kleinkinder erhalten können.

Zuständig ist das Familienbüro unter anderem für die Organisation rund um das Thema Kindertagespflege. Als Beißel 2008 die damals neu geschaffene Stelle übernommen hat, gab es sechs Tagesmütter in der Schlossstadt. Inzwischen betreuen 13 Tagesmütter 48 Kinder. So manchen Eltern sei dieses Angebot lieber, erläutert sie, weil die Betreuungszeiten flexibler seien.

Allerdings gehe die Zahl der „Kindertagespflegepersonen“, wie es offiziell heißt, inzwischen zurück. Obwohl die Ausbildung solcher Tagesmütter oder -väter in den vergangenen Jahren sehr viel umfangreicher und damit auch besser geworden sei. Bei 67 Anträgen von Eltern im vergangenen Jahr habe sie 35 tatsächlich vermitteln können. Erschreckt äußert sich Petra Beißel in diesem Zusammenhang über Aussagen von Müttern: Es sei ihnen egal, wo ihr Kind untergebracht werde, Hauptsache, es sei untergebracht. Manche wüssten nicht, wie sie Haus und Auto bezahlen sollten. „Es wird auf hohem Niveau dramatisiert“, sagt die Familienbüro-Leiterin. Viele würden sich bei ihrer Familienplanung darauf verlassen, dass der Staat ein Recht auf einen Kindergarten- und einen Krabbelstubenplatz zusagt.

Stolz vermeldet Beißel in diesem Zusammenhang, dass es – zum Teil durch Spenden – gelungen ist, für Tagesmütter inzwischen sieben sogenannte Kinderbusse anzuschaffen. Diese mehrsitzigen Kinderwagen eignen sich besonders für diese Art der Betreuung, da so Spaziergänge mit vier Kleinkindern möglich sind.

Im Familienbüro geht es aber auch um andere Themen. So organisiert Beißel den inzwischen 20. Babytreff, vermittelt die bislang vier „Leihomas“ zur Betreuung in Randzeiten sowie fünf Babysitter, ist Anlaufstelle für Frauen in schwierigen Lebenslagen, berät bei familiären Angelegenheiten, etwa wenn junge Familien neu zugezogen sind und sich orientieren, oder wenn Erziehungsthemen aktuell werden. Zu letzteren bietet sie regelmäßig Vorträge oder Seminare an.

Zudem sei sie Ansprechpartnerin für Frauen etwa bei einer Trennung, der Erkrankung des Ehepartners oder häuslicher Gewalt. Schließlich sei es auch um Migrantinnen gegangen, was allerdings inzwischen von der geschaffenen Stabstelle für Integration in der Stadtverwaltung übernommen sei. Unter der Ägide Beißels war zum Beispiel die Frauengruppe Lotus gegründet worden.

Die Teilnahme an Fachtagungen, die Mitarbeit in Arbeitskreisen und -gemeinschaften auf kommunaler Ebene sowie landes- und bundesweit und schließlich die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen gehört ebenso zu ihren Tätigkeiten.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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