Übungen

Stürzen will gelernt sein: Kurs für Senioren zur Prophylaxe bewahrt Selbstständigkeit

Allein, zu zweit oder im Kreis: Die Übungen von Therapeutin Martina Reichtert (rechts) sind abwechslungsreich. Foto:liz

Oft sind es unebene Gehwege oder das abrupte Anfahren im Bus. Situationen, in denen Senioren stürzen können, gibt es zur Genüge. „Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle“, weiß Physiotherapeutin Martina Reichert.

Heusenstamm –  Neben den körperlichen Fähigkeiten nimmt auch das Konzentrationsvermögen ab. So sei es kein Zufall, dass ältere Menschen meist die letzte Treppenstufe übersehen. „Der Weg ist im Kopf schon abgeschlossen, der Fuß aber noch nicht auf dem Boden“. erläutert sie.

Die Folgen, allen voran der Oberschenkelhalsbruch, sind schwerwiegend. Was körperlich schlecht kuriert werden kann, schlägt sich auch in der Psyche nieder. „Das fängt mit Angst vor erneutem Stürzen an und kann in einer Depression enden“, betont Reichert. Es sei ein Teufelskreis.

Doch soweit soll es am besten gar nicht erst kommen. Die Physiotherapeutin hat sich zur Aufgabe gemacht, Menschen ab 65 Jahren gezielt zu unterstützen, damit diese ihre mobilen Fähigkeiten bewahren können. „Wir können zwar keine Stürze verhindern, aber die Gefahr vermindern“, erläutert sie.

In Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) gibt sie mittwochs von 10 bis 11 Uhr im Pfarrheim Maria Himmelskron, Marienstraße 16a, einen Kurs zur Sturzprophylaxe.

Reichert arbeitet mit vier Säulen, die die Selbstständigkeit im Alter gewährleisten sollen: Mobilität, Sicherheit Stärke und Beweglichkeit. Die Übungen führen dabei langfristig zum Erfolg. „Das Wichtigste ist unser Oberschenkel und der Ausfallschritt“, sagt die Therapeutin. Dies sei der erste Schutzmechanismus, der vieles abfängt. „Es beginnt bei einem selbst“, sagt Reichert. So könne man den zu hohen Bordstein nicht ändern, wohl aber die eigene Einstellung dazu. „Wenn man sich das bewusst macht, ist das Sturzrisiko schon minimiert“, betont sie.

In dem Kurs geht es sportlich zu. Mit einer guten Portion Motivation fördert Reichert ihre Kursteilnehmer durch Fordern. Dabei kennt sie die individuellen Bedürfnisse ihrer Senioren genau. „Ihr dürft auch gerne mal schnaufen“, sagt sie mit einem Zwinkern. Die älteste Teilnehmerin ist 90 Jahre alt, weswegen man die 75-jährige Marion Drescher fast als Küken bezeichnen kann. „Bewegung ist das A und O“, ist Drescher überzeugt. Sie hat selbst früher viel Sport getrieben und nutzt den Kurs, um ihre Beweglichkeit zu erhalten. Gestürzt sei sie selbst auch schon. „Ich fühle mich aber schon sicherer“, bestätigt sie. Auch Ingrid Stock merkt Fortschritte: „Nach einer größeren Rückenoperation hatte ich Gleichgewichtsstörungen, die allmählich besser werden.“ Und außerdem mache es einfach Spaß und sei abwechslungsreich. „Hier haben sich auch schon Schulfreundinnen wiedergetroffen“, erzählt Ute Goedecke-Friedrich von der KEB. Der soziale Aspekt komme also auch nicht zu kurz.

Interessierte können jederzeit im Pfarrheim vorbeischauen. „Wer bleiben will, bekommt eine Zehnerkarte für 40 Euro“, sagt Reichert.

Wen es an die frische Luft zieht, der kann bei Reicherts „Nordic Walking mit Handicap“ die Stöcke in die Hand nehmen. Der Anfängerkurs findet montags von 10.15 bis 11.15 Uhr in Offenbach-Bieber statt. Infos unter martina-reichert.de und Telefonnummer 069 84848588.

VON LISA SCHMEDEMANN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare