Lage für Bauern immer schlechter

Zu heiß für den Mais: Landwirt Markus Wöhl zieht gemischte Ernte-Bilanz

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Neben dem Wohngebiet Sommerfeld liegen einige der Äcker, auf denen Markus Wöhl unter anderem Kartoffeln anbaut. Aber auch Salat, Gemüse und Kräuter lässt er dort unter Folien spießen.

Hätte Bauer Markus Wöhl die Zeit dazu gehabt, er wäre gern zur großen Demonstration in dieser Woche nach Berlin gefahren. „Nicht mit dem Traktor, aber mit dem Zug.“ Denn auch er betont, dass es immer schwieriger wird, als Haupterwerbs-Landwirt zu überleben.

Heusenstamm - Und er kann das auch begründen: „Die Kosten steigen, weil es immer mehr Vorgaben gibt, aber der Ertrag wird immer geringer.“ Der Getreidepreis, nennt er ein Beispiel, sei heutzutage auf dem Niveau vom Anfang der 1980er Jahre. Die Kosten aber seien um das zwei- bis dreifache gestiegen. Konnte eine Familie in den 1970er Jahren noch von 15 bis 20 Hektar Ackerland und zehn Milchkühen leben, benötigt dieselbe Familie heute 200 Hektar Ackerland und 150 Milchkühe, um sich ernähren zu können. Die Spirale des Höfesterbens drehe sich immer schneller.

Was den Landwirten das Leben immer schwerer macht, sind unter anderem die Dokumentationen, die sie vorlegen müssen. „Am Ende eines jeden Jahres muss ich eine Nährstoffbilanz vorlegen“, erläutert der 47-Jährige. Das bedeutet, für jede Kultur, die er anlegt, also für jedes Stück Feld, auf dem er eine Pflanze gedeihen lässt, muss er nachweisen, was er wie gedüngt hat. Bis vor drei Jahren habe er drei Hektar Acker mit etwa 50 verschiedenen Gemüsearten bepflanzt.

„Das geht so nicht mehr, weil ich für jeden kleinen Abschnitt zum Beispiel mit Salat oder Spinat oder Radieschen eine solche eigene Bilanz führen muss“, berichtet er. Das sei inzwischen wegen der Kosten gar nicht mehr zu bewältigen. Kohlarten zieht Markus Wöhl deshalb inzwischen gar nicht mehr. Und auch andere Gemüsesorten hat er aus seinem Sortiment gestrichen. Zumal zu jener Nährstoffbilanz auch noch eine „Düngebedarfsberechnung“ kommt, für die alle sechs Wochen unter anderem Bodenproben genommen werden müssen.

Heusenstamm: Landwirt baut auf 75 Hektar an

Kartoffeln, Weizen, Roggen, Raps und Mais baut der Landwirt unter anderem auf insgesamt etwa 75 Hektar Land in der Umgebung an. Allerdings besitzt er nur ein Drittel dieses Landes. Außerdem zieht er Erdbeeren, Salate, Radieschen, Karotten, Lauch, Sellerie, Zucchini und sogar Melonen. Und seit drei oder vier Jahren hat Markus Wöhl Hühner. Etwa 900, sagt er. Die leben in zwei mobilen Ställen, deren Türen sich automatisch öffnen und schließen. Tagsüber können die Tiere also nach Lust und Laune ins Freie.

Neben den vielen Vorschriften und den geringen Preisen, die für die Arbeit bezahlt werden, kämpft der gebürtige Heusenstammer, der 1999 den Hof seines Großvaters übernommen hat, auch noch gegen das Wetter und die Folgen der Klimaveränderung. Die Getreideernte, betont er, sei in diesem Jahr über dem Durchschnitt gewesen, aber Raps zum Beispiel habe er 2019 gar nicht erst angebaut, weil das Jahr 2018 zu trocken war. „Der wäre nicht gekeimt.“ Viel zu früh kam die Hitze in diesem Jahr für die Kartoffeln. „Als es an die 40-Grad-Celsius-Marke ging, war das, als hätte man mit einem Hammer draufgehauen.“

Heusenstamm: Zu heiß für den Mais

Zu heiß und auch zu trocken sei es für den Mais gewesen. Sogar innerhalb eines Feldes habe er Früchte gehabt, die gut waren, und an anderen Kolben sei kein einziges Korn gewesen.

Wirklich zufrieden war er unter dem Strich jedenfalls nicht mit den Ernten in diesem und dem vergangenen Jahr. Umso wichtiger sei, dass er sich mit den Pensionspferden auf dem Reiterhof amNiederröder Weg ein zweites Standbein erhalten kann, sagt er. Wie mehrfach berichtet, geht es um eine Abrissverfügung des Kreises und die Versuche, den Reiterhof zu erhalten.

Erzeugnisse von Landwirt Markus Wöhl kann man im Hofladen in der Patershäuser Straße 6 montags bis freitags von 10 bis 12.30 Uhr sowie von 17 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12.30 Uhr erhalten. Eier seiner Hühner gibt es dort seit einigen Monaten an einem Automaten.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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