Mit 16 schon ein Senior

Meike Bohnert und Silvia Lampert unterstützen Sportlernachwuchs

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Eine Stunde fährt Nancy Ceynowa täglich, um in der Turntalent-Schule im Sportzentrum Martinsee trainieren zu können.

In den Ferien geht es in der Turntalent-Schule etwas ruhiger zu. Da mancher junge Sportler mit der Familie verreist ist, bleibt den Daheimgebliebenen umso mehr Platz in der Kunstturnhalle im Kultur- und Sportzentrum Martinsee.

Heusenstamm –  „Die Kinder trainieren von 9 bis 17 Uhr“, sagt Meike Bohnert, die Leiterin der Turntalent-Schule. Die Mittagspause der verschiedenen Altersklassen von zwei Stunden ist dabei versetzt, sodass es nicht zu voll wird in der Halle mit Balken, Barren, Reck und Ringen.

Während der Schulzeit tummeln sich bis zu 20 Turner gleichzeitig in der Halle. Viele davon trainieren fünfmal in der Woche, auch samstags. „Dafür muss man charakterlich gemacht sein“, betont Bohnert. Wer keinen eisernen Willen und Ehrgeiz mitbringt, hat es schwer. „Es gibt auch Familien, die dieses Pensum an Zeit gar nicht aufbringen können“, fügt Silvia Lampert hinzu.

Die Leiterin der Abteilung Turnen der TSV Heusenstamm stemmt zusammen mit Bohnert die Organisation der Turntalent-Schule. Dieses Prädikat des Deutschen Turner-Bundes darf die Abteilung seit 2010 tragen. „Man muss ein paar Voraussetzungen erfüllen, um den Titel zu führen“, sagt die Talenttrainerin. Seit etwa zwei Jahren hat Bohnert diese Position inne und kümmert sich seither um den Nachwuchs ab fünf Jahren – ehrenamtlich. „Seit der Ernennung hat sich auch das Training verändert, es hat an Intensität zugenommen“, beschreibt sie. Lampert ergänzt: „Wir bringen die Kinder zwar nicht zu Olympia, aber ebnen dafür den Weg, dass sie einen Stützpunkt besuchen können.“ Dieser sei mit einem Sportinternat vergleichbar.

Für die Kleinen geht es hoch hinaus: Einmal pro Woche trainieren die Fünfjährigen. Für die Älteren geht es bis zu fünfmal in die Halle. F

Aktuell fördert die Abteilung rund 40 Nachwuchsturner ab fünf Jahren. „Pro Lebensjahr kommt quasi ein Trainingstag in der Woche dazu“, erläutert Bohnert. Und ab 16 Jahren schon Senior genannt zu werden, mag erst einmal befremdlich klingen, doch sei in der Turnerwelt normal. „Von den Senioren haben wir aber nur eine Handvoll“, sagt Bohnert. Doch das sei die „Leitungsspitze“, wie sie in vielen Sportarten üblich ist.

Über die Jahre habe sich der Anspruch an das Kunstturnen verändert. „Früher war man der Auffassung, Kinder müssten vor allem gelenkig sein“, weiß Bohnert. Das kriege man jedoch mit genug Dehnung hin, wichtig sei die Schnellkraft. „Die Kleinen müssen in gewissem Maße bewegungstalentiert sein und Geduld mitbringen“, fügt sie hinzu.

An Letzterem scheitere es oft bei Jungs. „Männlichen Nachwuchs haben wir leider gar nicht“, sagt Lampert. Die Kapazitäten könne die Abteilung allerdings auch nicht aufbringen. Mit Dan Burinca und Camelia Neagu hat die TSV zwei Trainer in Vollzeit angestellt. „Das ist schon ein Riesengewinn für uns“, meint Lampert. Dafür haben die Organisatorinnen lange gekämpft. „Uns ist wichtig, dass die Kinder hier auch gesund wieder rauskommen“, sagt Lampert weiter. Schließlich sei Kunstturnen eine große Belastung für den Körper. „Deswegen ist der Kraftsportanteil beim Training so wichtig“, betont Bohnert. Jeder Muskel mehr entlaste die Gelenke.

VON LISA SCHMEDEMANN

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