Neuestes Projekt

Mobiler Kiosk rollt bald durchs Horst-Schmidt-Haus

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Bald rollt der mobile Kiosk durch die Flure des Horst-Schmidt-Hauses. Für die Realisierung gab es von Stiftung „Miteinander Leben“ einen Scheck.

Mit seinem neuesten Projekt ermöglicht der Förderverein Lebensbilder den Bewohnern ein besonderes Einkaufserlebnis: Ein mobiler Kiosk rollt bald durch das Horst-Schmidt-Haus.

Heusenstamm – Schnell noch ein Geschenk besorgen – den Stress kennt jeder. Bunte Geschenktüten und -bänder dürfen bei einem Präsent natürlich auch nicht fehlen. Aber was ist, wenn man nicht mehr so mobil ist?

Die Bewohner des Horst-Schmidt-Hauses der Arbeiterwohlfahrt (Awo) haben künftig die Möglichkeit, kleine Einkäufe an einem mobilen Kiosk zu tätigen. Das rollende Regal bietet dabei alles, was das Bewohnerherz begehrt. Christiana Tannert, Pflegeleiterin und Vorstandsmitglied des Fördervereins „Lebensbilder“ e.V., berichtet: „Bei dem Sortiment haben wir uns an den privaten Einkäufen orientiert, die wir mit den Bewohnern zusammen machen.“ Hoch im Kurs stehen demnach Eierlikör, Rasierschaum und Briefmarken. Darüber hinaus können die „Kunden“ verschiedene Süßigkeiten, Sonnenhüte und Kosmetikartikel erwerben.

„Damit bewahren wir den Menschen ein Stück Selbstständigkeit“, sagt Tannert. Für das Projekt habe der Förderverein eisern gespart. Doch das war gar nicht nötig: Im Auftrag der Stiftung „Miteinander Leben“ hat der Kreisbeigeordnete Carsten Müller dem Förderverein einen Scheck über 2 000 Euro überreicht.

Damit sind die Kosten des vorfinanzierten Projektes gedeckt. Bald wird der Kiosk zunächst einmal pro Woche durch die Flure und Abteile der Wohnanlage fahren. Auch in einzelnen Zimmern macht er halt. Die Bewohner, die es können, können mit Bargeld einkaufen. Für diejenigen, die das Bett nicht verlassen können, wird ein Verwahrgeldkonto eingerichtet. Im Horst-Schmidt-Haus wohnen derzeit 131 pflegebedürftige Menschen, wovon rund 80 Prozent an Demenz erkrankt sind. „Gerade diese Menschen finden oft nicht mehr die richtigen Worte, um ihre Bedürfnisse auszudrücken“, erläutert Müller. Das Stöbern und Anfassen der Artikel rege die Lust an, etwas zu kaufen und „sich selbst etwas zu leisten.“ „Den Bewohnern die Wahl zwischen zwei Haarbürsten zu lassen, ist auch wichtig“, ergänzt Tannert. „Für den Start sollten wir ganz gut aufgestellt sein“, schätzt Andrea Büchner, Vorsitzende des Fördervereins. Mit der Zeit werde sich das Sortiment sicherlich erweitern.

Zu einer Einkaufstour gehört auch ein netter Plausch mit den Verkäufern. Diese Rolle werden beim mobilen Kiosk fortan Flüchtlinge übernehmen. „Man muss schauen, welche Stärken ein Mensch mitbringt, und ihn dementsprechend einsetzen“, findet Hans Jürgen Schwald von der Awo Flüchtlingsbetreuung. Mit Mihret Tesfamikael steht schon die erste Kandidatin in den Startlöchern. „Ich freue mich auf den Kontakt und die Gespräche mit den Bewohnern“, sagt sie. Auf der Verkaufstour wird sie dann von einem Mitarbeiter des Hauses begleitet. So wäscht eine Hand die andere: Die Ehrenamtler der „Lebensbilder“ werden etwas entlastet und die Flüchtlinge gehen einer wertvollen Aufgabe nach. „Das holt sie etwas aus ihrem Alltag raus“, meint Schwald. Das Projekt ist eine Kooperation aus Horst-Schmidt-Haus, Förderverein und Flüchtlingsbetreuung. „So wächst alles weiter zusammen, hoffentlich automatisiert sich das eines Tages“, sagt Tannert.

Durch die Spende ist es dem Förderverein möglich, das Angebot „Urlaub ohne Koffer“ fortzuführen. Bei dem Projekt unternehmen die Ehrenamtler zusammen mit den Bewohnern Tagesausflüge in die Region, etwa Wochenmarkt- oder Museumsbesuche. Die Stiftung „Miteinander Leben“ fördert gemeinnützige Projekte im sozialen und kulturellen Bereich, unter anderem in der Jugend- und Altenhilfe. Vorrangig werden dabei solche behandelt, die nicht zu den regulären Aufgaben der Verwaltung gehören und von Ehrenamtlichen geleistet werden. „Ohne unsere Helfer könnten wir einen Großteil unserer Aktionen gar nicht realisieren“, sagt Büchner. Schön, dass man auf solche Weise Anerkennung erhalte, freut sich die Fördervereins-Vorsitzende.

VON LISA SCHMEDEMANN

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