„Alle Bücher sind schon da“

Musikschule und Bibliothek veranstalten Tag der offenen Tür 

+
Erste Spielversuche: Bücherei-Leiterin Katja Richter versucht sich am Cello.

Musikschule und Bibliothek veranstalten Tag der offenen Tür. Über 400 Schüler besuchen die Kurse. 

Heusenstamm – Ein aufgespannter Regenschirm mit dem Lieblings-Shirt der Bücherei-Leiterin darunter zieht am Eingang zum Haus der Musik die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich: „Lesen gefährdet die Dummheit“ steht auf dem Stoff von Katja Richter – doch dieses Risiko gingen mehrere Dutzend Besucher des „Tages der offenen Tür“ ein.Stadtbücherei und Musikschule hatten gemeinsam dazu eingeladen.

Neuer Stoff für Leseratten: Die Plastikkästen des Bücher-Flohmarkts laden zum Stöbern ein. Fotos: prochnow

Markus Hoßner hält zwei Klarinetten in die Höhe. Die Eltern und Kinder vor ihm erkennen auf den ersten Blick keinen Unterschied. Das ändert sich, als der Lehrer die Tonleiter auf beiden Instrumenten spielt – das mit dem kindgerechten Griffsystem klingt deutlich höher. Weil die Klappen dichter beieinanderliegen, können sie selbst Fünfjährige mit ihren Fingern erreichen.

Vier Jahre alt sind die jüngsten Musikschüler, informiert Annette Hofmann, die mit Klavierspieler Wolfgang Löll die Koordination in der städtischen Einrichtung übernimmt. Die ältesten Lernenden sind um die 70. Insgesamt besuchen mehr als 400 Schüler die Kurse, davon 50 Erwachsene und mehr als 100 Kinder in der musikalischen Früherziehung in vielen Kitas der Schlossstadt.

Neuer Stoff für Leseratten: Die Plastikkästen des Bücher-Flohmarkts laden zum Stöbern ein.

Zehn Mädchen und Jungen eröffnen mit Andrea Kniedel das Programm mit Rhythmus- und Percussion-Instrumenten, einige von ihnen dirigieren sogar das kleine Orchester.

Die meisten Kursteilnehmer wollen die Klaviertasten beherrschen, Gitarrensaiten oder die Blockflöte. Sie wird seit der Gründung der Musikschule auch im Ensemble gespielt. Es ist die älteste Gruppe im Haus, die zuerst Heinz Vahlsen geleitet hat, weiß die Koordinatorin. Alle anderen Bläser lernen beim Orchester der TSV, erläutert die Sprecherin. „Die leisten eine sehr intensive Jugendarbeit“, begründet Anette Hoffmann die Verteilung der Aufgaben.

„Wir möchten die Leute sensibilisieren“, laute der Auftrag der kommunalen Schule. „Musik ist schließlich ein fester Bestandteil des Lebens, und eine musische Ausbildung gehört dazu“, argumentiert Annette Hofmann. Und die Angebote seien längst nicht mehr einem elitären Kreis vorbehalten, Bewohner verschiedener Kulturkreise und ganze Familien haben sich für Lehrgänge angemeldet, ist zu vernehmen.

Vier Schützlinge von Michael Schnadt stehen am Klavier, jede spielt mit einer Hand und singt dazu – mal schneller, mal lauter, mal vergnügt. Die Bücherei-Leiterin versucht sich am Cello von Julia Nilsen-Savage: „Ich will unbedingt noch ein Instrument erlernen“, verrät Katja Richter und kündigt melodisch an, „morgen kommt der Weihnachtsmann“. Die Lehrerin macht ihr vor, wie sie mit den Fingern einen Papagei formt, so soll sie den Schaft fassen. Auch beim Bogen leistet die Pädagogin Hilfestellung.

Später bedanken sich 14 „Leseratten“ mit den Erzieherinnen Maria Simic und Sibylle Klause von der Kita Wiesenbornweg bei der Bibliothekarin mit einem Lied: „Alle Bücher sind schon da“, schmettern sie von Werken über Hunde, Katzen, Eichhörnchen und die Feuerwehr. Dazu überreichen sie Blumen und ein Raupenbild, weil Richter ihnen seit 15 Jahren regelmäßig vorliest, Bilderbuchkino zeigt oder Kamishibai-Theater vorspielt.

Die Plastikkästen des Bücher-Flohmarkts verteilen sich auf fast alle Räume und Etagen, ebenso der Duft von frischen Waffeln. Die werden im Erdgeschoss zubereitet und mit anderem Gebäck und Kaffee zugunsten der Eritrea-Hilfe der katholischen Pfarrgemeinden verkauft.

VON MICHAEL PROCHNOW

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare