Wehmut um zerstörte Bäume

In Heusenstamm hinterlässt Unwetter nicht nur Schäden an Häusern und Autos

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Tonnenschwer liegt das Dach vor dem Haus Im Vogelseen, das es kurz zuvor noch geschützt hat.

In Heusenstamm wütete das Unwetter heftig. Dabei hinterließ de Sturm nicht nur Schäden an Häusern und Autos. 

Heusenstamm – „Möchten Sie ein Eis?“ Die junge Frau geht von Nachbar zu Nachbar und bietet die verpackte Süßigkeit jedem an, der in der Nähe steht. „Wir haben keinen Strom, das ist aus der Kühltruhe“, fügt sie noch erläuternd hinzu. Sie ist Bewohnerin des Mehrfamilienhauses an der Straße Im Vogelseen in Rembrücken, dessen Dach das kurze, aber heftige Unwetter am Sonntag kurz nach 18 Uhr fast komplett weggerissen hat. Ein großer Teil des Daches liegt am Boden direkt vor der Eingangstür, darunter mindestens ein geparktes Auto – mehr kann man zu dieser Zeit am Sonntagabend nicht erkennen. Oben, an der Dachkante des viergeschossigen Gebäudes, hängt noch der Rest inklusive der Dachluke mit Klappleiter.

Kurz vor dem Unwetter: Diese Wolkenfront lässt nichts Gutes ahnen.

Gegenseitige Hilfe bei Unwetter selbstverständlich

Die Feuerwehren der Stadt Heusenstamm sind zu dieser Zeit an vielen Stellen unterwegs. Vor allem Rembrücken hat es getroffen, entlang der Hauptstraße und zwischen Obertshäuser und Friedhofstraße. Gerade eben hatten die Rembrücker Brandschützer ihren Tag der offenen Tür gefeiert, als der Sturm losbricht. Noch verbliebene Gäste retten sich ins Feuerwehrhaus. Andere sind auf dem Heimweg. Eine junge Mutter fährt mit ihrer Familie gerade, als das Dach Im Vogelseen nach unten kracht, an dem Gebäude vorbei. Das Auto hat Schäden von den golfballgroßen Hagelkörnern, aber die drei Kinder und beiden Erwachsenen im Auto bleiben unverletzt. Gegenseitige Hilfe ist in diesem Moment selbstverständlich. Ein Mädchen, das eigentlich mit dem Fahrrad nach Hause will, wird von einer anderen Mutter im Auto mitgenommen.

Auch am Rembrücker Feuerwehrhaus sind Schäden zu beklagen: Dachziegel fliegen durch die Luft, eine große Zeltplane wird zerrissen. Nur eine Person wird leicht verletzt.

„So etwas habe ich noch nie erlebt.“

„So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Dieser Satz ist am Montag danach oft zu hören. Auch von Landwirt Klaus Ommert, der das Hofgut Patershausen gepachtet hat. Mit Wehmut blickt er in den schönen alten Garten, in dem er sonntags bei guten Wetter Getränke und Bratwürste aus eigener Herstellung anbietet: Die riesige uralte Kastanie im Mittelpunkt des Gartens ist umgestürzt. Ein wunderschöner Baum, unter dem Generationen von Heusenstammern gerastet und Schatten gesucht haben. Völlig verwüstet ist auch der alte Garten am benachbarten Arbeiterhaus. Unter anderem hat das Unwetter eine 300 Jahre alte Eiche gefällt.

Verwüstet ist auch der Garten am Arbeiterhaus. Eine alte Eiche und diese Weide hat der Sturm zerstört.

Feuerwehr im Dauereinsatz

Die Feuerwehr muss nach dem Sturm an vielen Stellen helfen, vor allem aber am Haus Im Vogelseen. „Wir haben vor allem das Loch, das die Dachluke hinterlassen hat, mit einer Plane und Sandsäcken verschlossen“, erläutert Steffen Ball von der Feuerwehr. Bis gegen 1.30 Uhr in der Nacht sind sie unterwegs – auch zur Amtshilfe in Dietzenbach. Und am Montag geht es gleich weiter, zur Unterstützung der Wehren in Rodgau und Egelsbach.

Geknickt hat der Sturm am Sonntag die uralte Kastanie im Garten des Hofguts Patershausen.

Im Wald zwischen Heusenstamm und Dietzenbach hat es viele Bäume „erwischt“. Förster Bernhard Gerstner warnt Spaziergänger und Radler: Vorerst sollte man nicht in den Wald gehen.

von Claudia Bechthold

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