Hoher Wasserstand

Land unter am Angelweiher

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Ans Angeln ist nicht zu denken: Der gesamte Uferbereich des Gewässers ist überflutet und teils unterspült.

Am Schneiderwiesenweiher in Heusenstamm ist das Ufer überflutet. Die Sportfischer fürchten an ihrem Angelweiher den Verlust einer weiteren Saison. Verschärft wird das Problem durch einen eigentlich willkommenen Gast: einen Biber.

Heusenstamm – Sonnenschein, frische Luft und dazu Vogelzwitschern – wer derzeit alleine im Grünen spazieren geht, kann die Natur in vollen Zügen genießen. Und auch für Heusenstamms Angler wäre das Wetter momentan geradezu perfekt, stünden doch eigentlich an den beiden Vereinsgewässern – dem Schermsee gegenüber der Grünschnittsammelstelle und dem Schneiderwiesenweiher südöstlich des Stadtteils Sommerfeld – die üblichen Pflegearbeiten an.

Doch das ist an Letzterem aktuell so gut wie unmöglich, ebenso wie das Angeln, berichtet der Vorsitzende des Sportfischervereins Heusenstamm, Klaus Weber. Viel zu hoch ist aktuell der Wasserstand des Angelweihers, dessen teils mit Leitplanken befestigtes Ufer bereits seit einiger Zeit überflutet ist. An vielen Stellen seien die Uferbereiche inzwischen unterspült und sackten weg, erläutert Weber. Ans Angeln sei in der aktuellen Situation nicht zu denken, der Verein sah sich vielmehr genötigt, den Uferbereich des Gewässers, das beim Sportfischerverein vor allem als Angelgebiet für die Jugendarbeit genutzt wird, komplett abzusperren und mit Warnschildern zu versehen.

Angelweiher bereitet Sportfischern in Heusenstamm Kopfzerbrechen

Bereits seit zweieinhalb Jahren bereitet der Schneiderwiesenweiher dem Verein Kopfzerbrechen, seitdem fließt das überschüssige Wasser aus dem Weiher, der auch mit dem benachbarten Bieberbach verbunden ist, nicht mehr richtig ab. „Wir haben hier zum einen das Regenwasser und dann drückt es natürlich auch Grundwasser hinein“, erläutert Weber. Früher sei das Wasser jedoch bei zu hohem Stand durch ein Dränagesystem abgeflossen. Doch das funktioniert seit der Renaturierung des benachbarten Bieberbachs nicht mehr richtig. Durch die Ablaufrohre fließe kaum noch Wasser, wie der Blick in die Revisionsschächte des Systems zeige. Die Dränage, so die Vermutung der Angler, sei durch den Einsatz der schweren Maschinen entweder beschädigt oder abgegraben worden. „Aber wir sind halt keine Spezialisten“, sagt der Vereinschef.

Verschärft wird das Problem der Sporfischer noch durch einen eigentlich willkommenen Gast: Der Biber, auf dessen Anwesenheit vor rund einem Jahr bereits angenagte und gefällte Bäume hingedeutet haben, hat sich unweit des Angelweihers am benachbarten Bachlauf niedergelassen und dort seinen Damm gebaut. Der Rückstau verhindert das Abfließen des überschüssigen Wassers aus dem Weiher noch zusätzlich.

Wobei Weber ausdrücklich betont: „Der Biber ist für uns kein Problem, wir freuen uns sogar, dass er da ist.“ Denn der Naturschutz habe für den Verein absolute Priorität.

Angelweiher in Heusenstamm: Sportfischer fürchten finanzielle Probleme

Gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach und dem Regierungspräsidium in Darmstadt ist der Verein seit einiger Zeit auf der Suche nach einer Lösung für das Problem. „Die brauchen wir allerdings schnell“, betont Weber. Nicht nur, weil das Gewässer in der aktuellen Situation nicht für den Angelbetrieb genutzt werden könne, sondern auch weil die Schäden durch den hohen Wasserstand mit jedem Tag steigen. „Für uns als Verein wird das auch ein finanzielles Problem“, erläutert der Vorsitzende. 

Denn den Ehrenamtlichen fehlt es für umfangreiche Instandsetzungsarbeiten nicht nur an der nötigen Manpower, auch hohe Kosten für eine Beauftragung und damit dem Einsatz schwerer Maschinen sei für die Vereinskasse kaum zu bewältigen. Weber: „Da sind wir auf Unterstützung angewiesen und müssen gemeinsam mit dem Naturschutz an einer Lösung arbeiten.“ So hatte der Verein etwa angeregt, einen neuen Ablauf zu schaffen, der das überschüssige Wasser erst hinter dem Bauwerk des Nagers in die Bieber leiten würde. Doch lange, das betont Weber, dürfe es bis zum Finden einer Lösung nicht mehr dauern. „Wir befürchten aber schon, dass das Gewässer für uns auch dieses Jahr weiter verloren bleibt.“

Dafür dürfte auch die Corona-Krise sorgen, die neben weiten Teilen des öffentlichen Lebens auch die Verwaltungsarbeit beeinträchtigt.

VON THOMAS HOLZAMER

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