Besitzer oft uneinsichtig

„Qualvoll verendet“: Hund hetzt Reh zu Tode

Nicht an den Bissen starb dieses Reh, sondern vermutlich an einem Kreislaufversagen durch die Hetzjagd.
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Nicht an den Bissen starb dieses Reh im Kreis Offenbach, sondern vermutlich an einem Kreislaufversagen durch die Hetzjagd.

Ein Reh wird von einem Hund bei Heusenstamm im Kreis Offenbach zu Tode gehetzt. Örtliche Jäger sind verärgert.

Heusenstamm – Ein Spaziergänger hat es am Samstag (17.07.2021) entdeckt. Im Unterholz des Waldes, der hinter den Rembrücker Kappesgärten dort beginnt, wo die verlängerte Hauptstraße einen Knick in Richtung der Hühnerfarm macht, lag ein totes Reh. Es wurde von einem Hund zu Tode gehetzt. Da sind sich der zuständige Jagdaufseher Reinhard Bodensohn und Harald Schilling, einer jener Jäger, die dieses Revier hegen dürfen, absolut sicher.

Das „qualvoll verendete Tier“ weise Biss- und Würgemerkmale auf sowie Reiß- und Kratzwunden, berichtet Harald Schilling. Zudem sei es eine führende Rehgeiß, also ein säugendes Muttertier. Daher sei davon auszugehen, dass die Hetzjagd eines bislang unbekannten Hundes ein weiteres Opfer gefordert habe: ein Rehkitz, das irgendwo vergeblich auf die Rückkehr der Ricke gewartet hat.

Jagdtrieb von Hunden in Heusenstamm wird zur tödlichen Gefahr

Immer wieder treffe er auf Hundebesitzerinnen oder -besitzer, die wenig Verständnis zeigen für die Bitte, die Vierbeiner auch im Wald nicht ohne Leine laufen zu lassen. „Hundeführer haben eine besondere Aufsichts– und Anleinpflicht für ihr Tier während der Brut- und Setzzeit vom 15. Februar bis 15. Juni“, betont der passionierte Jäger. Aber auch danach gelte in Feld, Flur und Wald, dass sich Hunde stets „im Einwirkungsbereich der Führer“ aufhalten müssen.

Denn – und das wollen offenbar viele Hundebesitzer nicht wahrhaben – übernimmt der natürliche Jagdtrieb erst einmal die Kontrolle über das Tier, werde der Schoßhund in wenigen Augenblicken zur tödlichen Gefahr, sagt Harald Schilling. Da helfe kein Pfeifen und kein Nachrufen, der Hund habe dann nur noch das Wild im Kopf, das er jagen möchte. „Das jetzt gefundene tote Reh ist die traurige Bestätigung dieses Triebs.“

Hunde jagen Wild im Kreis Offenbach: Besitzer oft uneinsichtig

Die Jäger sprechen im Revier immer wieder Spaziergänger mit Hunden an und bitten diese darum, ihre freilaufenden Tiere entweder anzuleinen oder so bei sich zu behalten, dass sie noch eingreifen können. Doch dabei müsse man mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, dass einige Hundebesitzer auch mit freundlicher Ansprache unbelehrbar seien. So sei zu hören, dass man sich „von einem dahergelaufenen Jäger“ nichts sagen lassen müsse: Meinen Hund führe ich, wie ich will. Und: Mein Hund macht so etwas nicht. Dabei sei die Jagd eines Hundes auf Wild auch für das Haustier nicht ungefährlich: „Trifft ein Hund auf eine Bache mit Frischlingen, weiß ich nicht, ober dieser gesund wieder zurückkehrt.“

Die Jäger müssten feststellen: Trotz Aufklärung, Hinweisschildern und persönlicher Ansprache halten sich nicht alle Hundebesitzer an geltendes Recht, betont Harald Schilling. Denn dieses sei eindeutig: Läuft ein Hund unbeaufsichtigt im Wald oder auf Feldern herum, stöbert ein Hund Wild nach, hetzt oder reißt er Wildtiere, ist dies eine Ordnungswidrigkeit, für die ein Bußgeld verhängt werden kann. Im Wiederholungsfall oder wenn der Hundeführer mit Vorsatz handelt, kann sogar unter bestimmten Umständen eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe verhängt werden.

Schadenersatz im Kreis Offenbach: Bis zu vierstellige Summen möglich

Werden Wildtiere verletzt oder getötet, entsteht zudem eine Schadensersatzpflicht gegenüber dem Jagdpächter. Schilling: „Diese Summen können schnell vierstellig werden.“ Und als „letztes Mittel“ sind Jäger befugt, „Hunde, die im Jagdbezirk außerhalb der Einwirkung von Begleitpersonen Wild nachstellen, zu töten.“

Die Jäger möchten mit allen Nutzern der Natur ein verständnisvolles Miteinander, betont Harald Schilling: Aufmerksamkeit, Einsicht und Einhaltung der Regeln. (Claudia Bechthold)

In Offenbach stellte ein totes Reh in einer Mülltonne die Mitarbeiter des Ordnungsamts vor ein Rätsel.

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