Inklusiver Workshop im Jugendzentrum

Gemeinsam die Stärken stärken

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Theaterregisseurin Tanja Garlt (rechts) ist zum vierten Mal zu Besuch im Jugendzentrum. Drei Tage lang studiert sie mit den Mädchen Szenen rund um das Thema „Mutig sein“ ein. 

Heusenstamm – Sätze wie „Ich bin stark“ oder „Ich bin schön“ hört man von Mädchen in der Pubertät eher selten. Selbst erwachsenen Frauen mag es schwerfallen, diese Worte mit der richtigen Portion Selbstbewusstsein zu formulieren und dabei auf einer Bühne zu stehen. Von Lisa Schmedemann 

Die Teilnehmerinnen des vierten inklusiven Theaterworkshops haben genau das zum Ziel: Unter dem Motto „Fühl dich stark und wecke die Amazone in dir!“ sollen Mädchen Selbstvertrauen gewinnen.

Zu Gast im Jugendzentrum ist dazu Theaterregisseurin Tanja Garlt. Bevor sie mit den Mädchen einige adaptierte Szenen aus Heinrich von Kleists Drama „Penthesilea“ nachspielt, schärft sie zunächst deren Selbstwahrnehmung. „Ich führe ein paar Übungen durch, etwa in die Hocke gehen, damit sie ihre Muskeln und dadurch ihre Kraft spüren“, beschreibt die Regisseurin. „Viele Mädchen zwischen zwölf und 16 Jahren stehen eingeknickt da“, weiß Sabine Ehret vom Jugendbildungswerk des Kreises Offenbach. Anders als Jungen in dem Alter halten sich junge Frauen oft zurück und sind schüchterner als die männlichen Schulkameraden. „Ich arbeite auch gerne puristisch“, meint Garlt. So werde sie im Laufe des Workshops mit schlichter schwarzer Kleidung, Maschendraht und wenig Kulisse arbeiten, um den Blick aufs Wesentliche zu lenken. „Wir bauen uns Rüstungen und ‚kämpfen‘ mit Stöcken – wie kleine Amazonen eben“, erläutert sie. Einige Schülerinnen haben sich zum wiederholten Male in den inklusiven Theaterworkshop eingewählt. „Manche haben wirklich an Selbstbewusstsein zugelegt“, stellt Garlt fest. Sie genießt diese Art der Arbeit sehr. „Es ist schön, den Jugendlichen etwas mitzugeben, einen Keim zu setzen“, sagt sie.

Die Schülerinnen kommen aus der Adolf-Reichwein-Schule und der Schule am Goldberg. „Die Mädchen würden sich im Alltag gar nicht begegnen“, betont Johanna Fritz von der städtischen Kinder- und Jugendförderung. Das Jugendzentrum stelle eine Begegnungsstätte dar, in der gemeinsam zu Mittag gegessen, gelernt und gebastelt wird. „Es ist für uns im Kreis wichtig, dass wir solche Partner haben“, sagt Sozialdezernent Carsten Müller. Bildung solle nicht nur schulisch stattfinden. „Das Theaterprojekt ist im Grunde Jugendförderung par excellence“, meint Müller. Er beäugt die Räumlichkeiten. „Ich war selbst als Jugendlicher mal hier, es ist auf jeden Fall heller und freundlicher geworden“, berichtet der Sozialdezernent.

Auf dem Plan des Workshops stehen neben Stimm- und Körperübungen auch Basteleinheiten zur Abwechslung. Aus Schuhkartons zaubern die Mädchen eigene kleine Bühnen, passend zu ihrem Selbst. „Uns war wichtig, dass die Schülerinnen unter sich sind, da entfalten sie sich eher als in Anwesenheit von Jungs“, erläutert Ehret. Die beiden zwölfjährigen Annika und Darlyne können sich noch nicht so recht vorstellen, was der Workshop bei ihnen bewirken wird. Die beiden Freundinnen seien lieber unter sich. „Aber etwas mehr Selbstbewusstsein wäre schon schön“, sagt Annika.

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Bis morgen haben sie noch Zeit, ihre mutigen und starken Seiten zu entdecken. Ein bisschen Text muss für das Theater noch einstudiert werden. Eltern, Geschwistern und Freunden führen die Mädchen am Ende des Workshops einige Szenen vor – als kühne Amazonen und ein wenig selbstbewusster.

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