Umwelt und Natur

Jetzt für den Wald da sein: Michael Kobras ist der neue Revierförster für Heusenstamm

Michael Kobras ist jetzt Revierförster für Heusenstamm und Jügesheim.
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Michael Kobras ist jetzt Revierförster für Heusenstamm und Jügesheim.

Sein Herz schlägt für den Wald. Das sagt Michael Kobras von sich selbst. Und das war auch der Grund, weshalb er sich vor gut einem Jahr auf die Ausschreibung der Revierförsterstelle für Rodgau-Jügesheim und Heusenstamm beworben hat. Seit Dezember ist der 48-Jährige nun für den Wald dieser beiden Gemarkungen verantwortlich. Er folgt damit Bernhard Gerstner, der in den Ruhestand gewechselt ist.

Heusenstamm – Michael Kobras stammt aus Aschaffenburg. Dort ist er aufgewachsen und „dort bleibe ich“ – wenn auch ein wenig nördlich der unterfränkischen Stadt. Nach der Schule hat er in Göttingen Forstwirtschaft studiert und als Diplom-Ingenieur abgeschlossen. Zur weiteren Ausbildung war er im inzwischen nicht mehr existierenden Forstamt Babenhausen. Es folgten zwei Jahre Revierdienst als Forstamts-Assistent im baden-württembergischen Nagold, bevor er für den „Rundholz-Einkauf“ in die Privatwirtschaft wechselte. Doch dann zog es ihn zurück in den Staatsdienst. Als sich die Chance dazu bot, nutzte er sie.

„Ich möchte den Wald erhalten, der sich gerade nicht sehr wohlfühlt“, nennt er seinen wichtigsten Beweggrund für diese Entscheidung. „Ich will für den Wald da sein, aber auch für die Menschen, die den Wald nutzen.“ Dabei steht derzeit – neben der Verkehrssicherung – die Aufforstung nach den erheblichen Schäden durch Sturm und Trockenheit an erster Stelle.

Dass dazu schweres Gerät genutzt werden müsse, sei klar, schon aus Gründen der Sicherheit. So soll etwa ein sogenannter Schreitbagger zum Einsatz kommen, um durch den Sturm vor zwei Jahren zerstörte Areale aufzuräumen und für die Aufforstung vorzubereiten. „Menschen da rein zu schicken, wäre viel zu gefährlich, weil umgestürzte Bäume oder auch Äste eventuell unter Spannung stehen und bei Entlastung unkontrollierbar hochschnellen können.“ Schreitbagger stehen nicht auf Rädern oder Ketten, sondern auf vier Füßen, auf denen sie sich bewegen. Michael Kobras weiß, dass schwere Maschinen bei Spaziergängern oft auf Kritik stoßen, weil viele Menschen meinen, damit werde der Wald geschädigt. Doch auch die bemängelten Harvester seien wirklich bodenschonend und vor allem aus Gründen des Arbeitsschutzes Geräte, auf die man nicht verzichten könne. Er könne den Unmut der Bürger darüber verstehen, fügt der Aschaffenburger noch an, aber versichern, dass es schlimmer aussehe als es tatsächlich ist.

Der Erhalt des Waldes und und diesen, so weit es irgendwie möglich ist, bereit zu machen für die Auswirkungen des Klimawandels, sind also auch für Michael Kobras wichtige Aufgaben. So will der Hessen Forst, wie berichtet, in jener Abteilung des Heusenstammer Waldes, die am stärksten von jenem massiven Fallwind betroffen war, Eichen, Kastanien und Kirschbäume anpflanzen.

„Kirschen sind auch jetzt schon im Wald zu finden“, sagt der Revierförster. Sie sollen entlang der Wege gepflanzt und damit vor allem in Frühjahr ein schönes Bild abgeben. Und die Früchte seien gut für die Tiere. Ebenso wie die der Edelkastanien, die man dort aufziehen möchte. Die Kastanie gelte als wärmeliebend, könne also mit dem veränderten Klima umgehen. Und auch die Traubeneiche sei eine Art, von der man ausgehen, dass sie mit den Bedingungen zurecht komme.

Für die Heusenstammer Gemarkung soll jetzt ein Wiederbewaldungskonzept erstellt werden, erläutert Michael Kobras. Damit soll der Stadt vorgestellt werden, was auf welchen Flächen geschehen soll. „Wir setzen dabei nicht nur auf künstliche Aufforstung, sondern auch auf natürliche“, betont er. Dazu werde der Waldboden bewusst „verletzt“, damit Samen der stehenden Bäume leichter keimen können. Und dann müsse man warten. Dies habe den Vorteil, dass die Mutterbäume die klimatischen Informationen bereits haben und die Sprösslinge sich daran anpassen.

Das Waldbild werde sich in der kommenden Zeit auch verändern, weil man die Areale, die aufgeforstet werden, einzäunen will. „Das geschieht zum Schutz vor den Wildtieren.“

Die Arbeiten im Wald dienen derzeit aber auch immer noch der Verkehrssicherung. So habe man erst kürzlich einen lange gesperrten Weg wieder öffnen können, weil alle trockenen Äste entfernt werden konnten.

Michael Kobras ist gerne bereit, Gruppen, Vereine und Schulklassen durch den Wald zu führen und Maßnahmen zu erläutern. Nähere Informationen gibt es im Internet. (Von Claudia Bechthold)

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