Kartoffeln vom Nachbarn

Jörg Schlegel macht aus seinem Wohnzimmer eine Art Mini-Restaurant

+
Rinderrouladen mit Kartoffelstampf, dazu ein Kohlrabigemüse: Jörg Schlegel (stehend) kocht Hausmannskost genauso gern wie nach Rezepten der anspruchsvollen Küche. Gegessen wird dann an einem langen Tisch.

Kochen ist für Jörg Schlegel mehr als ein Hobby. Es ist eine Leidenschaft, die er gerne teilt. Und dazu holt sich der Elektromonteur Menschen ins Haus, die gerne gut essen, Freunde natürlich, Bekannte und auch schon mal Fremde. Er macht aus seinen vier Wänden in Rembrücken regelmäßig eine Art „Wohnzimmer-Restaurant“.

Heusenstamm – Die Rinderrouladen auf dem Teller duften. Kohlrabigemüse und Kartoffelstampf dampfen. Es gibt, wie Jörg Schlegel es nennt, an diesem Abend Hausmannskost. „Die traditionelle Küche unseres Landes ist ein Kulturgut, das man wahren sollte“, sagt er und freut sich auf das Zubereiten solcher Gerichte genauso wie zum Beispiel auf das Umsetzen von Rezepten aus der anspruchsvollen französischen Küche.

Aber Jörg Schlegel will auch das Bewusstsein für regionale und saisonale Produkte wecken. Deshalb verarbeitet er in seiner Küche möglichst viele Produkte aus der Nachbarschaft. Kartoffeln und Schweinefleisch zum Beispiel von Landwirt Hubert Rücker oder Eier von Landwirt Markus Wöhl.

Seit dem Frühjahr wohnt Jörg Schlegel mit seiner Lebensgefährtin Franziska Schlotter in Rembrücken. Zuvor haben die beiden einige Jahre in Dietzenbach gewohnt, wollten aber zurück in die Schlossstadt. Zur neuen Wohnung gehört ein großer Raum, an dessen Seite sich die Küche befindet. Ideal für die beiden Kochfans. Zumal ein langer Tisch, der ausgelagert war, nun wieder zum Mittelpunkt der Einrichtung werden konnte.

Heusenstamm: Eine Leidenschaft zur Kochkunst

An diesem Tisch versammeln sich nun jede Woche die direkten Nachbarn und lassen sich von Jörg Schlegel bekochen. Eben mit Hausmannskost. Linsen- oder Erbsensuppe, gefüllte Paprika, Lammkarree oder auch Kartoffelpuffer gibt es da. „Für die Kartoffelpuffer nutze ich einen Gasherd, der draußen im Freien steht“, fügt Jörg Schlegel schnell an, denn der Geruch hängt sonst stundenlang im Raum. Und dazu gibt es stets gute Weine, die der städtische Mitarbeiter am liebsten bei den Winzern direkt ersteht. Bezahlt werden am Ende von jedem Gast der Anteil an den Unkosten. Geld verdienen möchte der 54-Jährige damit nicht.

Seine Leidenschaft zur Kochkunst hat der Elektriker, der – mit kurzem Ausreißer nach Dietzenbach – seit 1985 in Heusenstamm lebt, schon früh entdeckt, als er zunächst Rezepte seiner Mutter ausprobierte. Dann haben ihn Bekannte auf kurze Reisen ins französische Burgund und die Champagne mitgenommen. Die Gerichte, die er dort kennenlernte, haben ihn so fasziniert, dass er begann, diese nachzukochen – so lange, bis es so geschmeckt hat, wie er es in Erinnerung hatte. Zwei Kochkurse hat er zudem absolviert.

Heusenstamm: Eine Bewirtung im Wohnzimmer

In der Dietzenbacher Wohnung hat er dann unter dem Namen „Gänse-Schlegel“ mit dem Bewirten im Wohnzimmer angefangen. Inzwischen hat er so viele Stammgäste, dass er seine Menüs gar nicht mehr veröffentlicht. Die Teller sind – nach dem einen oder anderen Nachschlag – leer gegessen. Den Nachbarn hat es geschmeckt. Während die ersten schon nach Hause gehen, diskutieren andere mit Jörg Schlegel noch über die Weine, die man an diesem Abend verkostet hat. Wirklich spät wird es nicht. Denn alle müssen am nächsten Tag arbeiten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare