Feste zum Besuchs-Jubiläum

Bald kommt der Kaiser

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Martin van Meytens hat den Einzug des Kaisers von Heusenstamm nach Frankfurt dargestellt.

Heusenstamm - „Der Kaiser kommt!“ So muss es sich wie ein Lauffeuer durch Heusenstamm verbreitet haben. Im März 1764 hatte sich Kaiser Franz I. mit Gefolge bei Graf Eugen Erwein von Schönborn zu einem Besuch angekündigt. Von Claudia Bechthold

Und dies dürfte das damalige Dorf Heusenstamm mit seinen etwa 200 Einwohnern in ziemliche Aufregung versetzt haben. Genau 250 Jahre wird dieses Ereignis im kommenden März her sein. Und dies soll gefeiert werden.

Für wenige Tage war „das das kleine, bescheidene Bauern- und Handwerkerdorf Heusenstamm ein Blitzlicht europäischer Geschichte und wurde in einem Atemzug mit Wien und Frankfurt genannt“, betont Bürgermeister Peter Jakoby am Donnerstagabend während einer Pressekonferenz, die als Auftakt zu den Feierlichkeiten gelten sollte. Sogar in Goethes „Dichtung und Wahrheit“ hat die Schlossstadt deshalb Erwähnung gefunden, an jener Stelle nämlich, an der sich der Frankfurter an seine Jugend erinnert. Denn Grund des Besuchs von Kaiser Franz war die Wahl und anschließende Krönung seines Sohnes Joseph zum römisch-deutschen König. Nicht zuletzt der Torbau am Eingang zum Alten Ort zeugt bis heute von diesem Ereignis. Auch wenn bis heute niemand genau weiß, weil es nirgends verzeichnet ist, ob der prächtige Triumphbogen vor oder nach dem Besuch des Kaisers gebaut worden ist.

Ereignis soll gebührend gefeiert werden

Jedenfalls soll das große Ereignis vor 250 Jahren in den nächsten knapp zehn Monaten gebührend gefeiert werden. „Wir wollen Historie vermitteln und im Heute verankern“, erläutert Jakoby. Mit den geplanten Veranstaltungen solle aber auch die „Idee Europa“ fortgesetzt und mit Leben gefüllt werden.

Und es ist ein dickes Paket, das zum Besuchsjubiläum geboten wird. Vorträge, Aufführungen und Musik, eine Bürgerreise und mehrere Feste werden die Terminkalender der Schlossstädter schon von der kommenden Woche an füllen. Und eigentlich hat das Festjahr schon gestern begonnen, denn seit gestern ist ein Buch im Handel, das eigens zu diesem Jubiläum geschrieben wurde. „Der Besuch des Kaisers“ heißt es und stammt von Dr. Markus Grimm. Einem kleineren Kreis ist der Würzburger Autor und Darsteller schon bekannt, weil er vor rund zwei Jahren als „Balthasar Neumann“ in der Kirche St. Cäcilia aufgetreten ist. Auf Wunsch und Anregung von Herbert Margraf hat Markus Grimm diesen Roman geschrieben, in dem unter anderem aus der Sicht des Heusenstammers „Karlchen“ geschildert wird, wie der Besuch des Kaisers sich abgespielt haben könnte. Das Werk ist ab sofort für 19,95 Euro im Buchhandel und im Rathaus erhältlich.

Besonderer Gast der Pressekonferenz, die Dr. Franz Zink moderiert hat, war neben Markus Grimm der Wiener Historiker Dr. Bernhard Macek. Auch er hat ein Buch über die Krönung geschrieben und wird im April einen Vortrag darüber halten. Ganz plötzlich, sagt Macek, sei 1964 ein kleiner Ort zum Mittelpunkt des Römischen Reichs deutscher Nation geworden: Heusenstamm.

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