Waldjugend rät zum Füttern

Kein Vogel frisst zu viel

Heusenstamm - Vogelfutter in größeren Mengen haben aktive Mitglieder der Waldjugend in Heusenstamm seit dem Ende der Ferien an die Grundschulen und fast alle Kindertagesstätten verteilt. Der Grund dafür ist nicht nur die große Kälte.

Immer größere Verluste würden in der heimischen Vogelwelt registriert, klagt Dietmar Tinat, Leiter der Deutschen Waldjugend in der Schlossstadt. Deshalb haben Jugendliche, die sich in dieser Organisation für den Naturschutz engagieren, in den vergangenen Tagen Vogelfutter an Schulen und Kindertagesstätten verteilt. Damit wolle man quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: einerseits den Vögeln helfen und andererseits Kinder für die Natur und deren Schwierigkeiten sensibilisieren. Denn Fachleute beobachten seit einiger Zeit einen Rückgang heimischer Singvögel. „Man weiß noch nicht, warum das so ist“, sagt Tinat. Zu vermuten ist aber, dass es mehrere Ursachen für diese Beobachtungen gibt.

So könne feuchtkaltes Wetter im Frühjahr eine Ursache für fehlenden Nachwuchs sein. „Jedes Jahr reinigen wir vor der Brutsaison die Nistkästen, die wir aufgehängt haben“, berichtet er. Dabei habe man vor knapp einem Jahr etliche verlassene Nester und tote Jungvögel entdeckt. Das spreche dafür, dass die Küken Kälte und lange Regenperioden nicht überlebt haben. Aber auch große Hitze im Frühsommer könne den Jungtieren geschadet haben.

Sicher sei, dass der Bestand etwa an Amseln, Meisen oder Sperlingen zurückgehe. „Bei den Spatzen könnte auch eine Rolle spielen, dass die Kulturfolger wegen der Dämmung von Häusern immer weniger Nistmöglichkeiten finden. Wobei man etwa bei den Meisen auch beobachte, dass heimische Arten in etwas südlichere Gefilde ziehen, während in hiesigen Regionen zunehmend Arten aus Osteuropa ansässig würden. Umso wichtiger sei es, betont der Naturschützer, dass den gefiederten Tieren jetzt geholfen werde, Futter zu finden. „Bedenken, dass die Vögel zu viel fressen, kann ich zerstreuen. Die Tiere regulieren das selbst. Wenn sie keinen Hunger mehr haben, fressen sie auch nichts mehr. Fettleibige Vögel gibt es nicht.“

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Dietmar Tinat rät, das Futter für die Vögel nicht auf dem Boden zu verstreuen. „Damit zieht man nur Mäuse und Ratten an“, warnt er. Besser sei es, ein Häuschen aufzustellen oder Silos aufzuhängen. Wenn man Abfall vermeiden wolle, sollte man zudem nur geschältes Futter anbieten. Sonnenblumenkerne und Hanfkörner, aber auch Erdnüsse und grob gemahlener Mais und Haferflocken sollten im Futter enthalten sein. In jedem Fall sollte man hochwertiges Futter kaufen, raten Fachleute. Und es sollte frei sein von den Samen der gefürchteten Allergiepflanze Ambrosia. (clb)

Rubriklistenbild: © dpa

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