Lesetheater und Buchausstellung der KÖB

„Das macht wirklich Spaß“

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Passend zur britischen Literatur bieten die Lesetheater-Organisatorinnen Sandwiches an.

Heusenstamm - Ursula Heidenreich hält einige Textblätter in der Hand, auf denen in regelmäßigen Abständen ein Name farbig markiert ist. Auf ihrer Brust klebt ein Streifen Kreppband, auf dem eben dieser Name notiert ist. Von Lisa Schmedemann 

Sie schaut besorgt hinüber zu Marianne Frank: „Pickering, wir haben uns da eine schöne Sache eingebrockt. “ In der Rolle des Oberst Pickering entgegnet diese: „Jawohl, Higgins. “ So endet der dritte Akt der Komödie Pygmalion.

Das Werk des irischen Autoren George Bernard Shaw ist Mittelpunkt des zweiten Lesetheaters der Katholischen Erwachsenenbildung, das zur alljährlichen Buchausstellung der katholischen öffentlichen Bücherei (KÖB) im Pfarrheim Maria Himmelskron stattgefunden hat. Pygmalion handelt vom Sprachwissenschaftler Henry Higgins, der eine Wette abschließt: Eliza Doolittle ist ein einfaches Mädchen mit noch einfacheren Umgangsformen. Higgins nimmt die Herausforderung an, aus dem „Gossenmädchen“ eine feine, sich wohl artikulierende Dame zu machen, die auch in höheren Gesellschaftsschichten Ansehen findet.

Der Stoff bildet auch die literarische Grundlage des Musicals „My fair Lady“. Andrea Kniedel, die die Rolle der Eliza liest, tut sich anfangs etwas schwer: Die Rolle ist von Shaw bewusst in sperrigem Dialekt geschrieben. „Durch das Lesetheater nimmt man einen Text ganz anders wahr, das macht wirklich Spaß“, meint Frank. Sie nimmt zum ersten Mal an einem Lesetheater teil, während Kniedel schon mehrere Veranstaltungen besucht hat. „Und man lernt Literatur kennen, die man sonst gar nicht auf dem Schirm hat“, fügt sie hinzu.

Zur Stärkung der Lesenden halten die Organisatorinnen Irene Kohl und Bettina Winter ein kleines Buffet bereit, angelehnt an die britische „Tea Time“. Schokolade und Chips gesellen sich hierbei zu Thunfisch-Sandwich und Ingwerstäbchen. „Es sind zwar heute etwas weniger Teilnehmer, aber dafür klappt das Lesen besonders gut“, findet Winter. Das Lesetheater hat sie zusammen mit Winter in Rodgau-Jügesheim gegründet und freut sich, dass diese Art Schauspiel nun über die Rodgauer Grenzen hinaus an Beliebtheit gewinnt. Kohl: „Wir mögen die englische Literatur, weil sie so herrlich gesellschaftskritisch und einfach lustig ist.“

Auf den neuesten Stand der Literatur kann man sich derweil nebenan auf der 50. Buchausstellung der KÖB bringen. Mit Liebe zum Detail stellt Marlene Gerwin im Pfarrheim Bücher der örtlichen Buchhandlung „Das Buch“ und des Borromäusvereins aus. Seit Anbeginn organisiert Gerwin die „Weihnachtsausstellung“. „Man kann nach Geschenken stöbern oder sich selbst beschenken“, sagt sie. Bestsellerromane, „Lifehacks“ und Kochbücher dominieren die Tische und bunte Bilderbücher warten auf ganz junge Leseratten.

Bilder: Bunter Mittelaltermarkt in Heusenstamm

Nach 54 Jahren Tätigkeit in der Bibliothek feiert sie auch ihr eigenes Jubiläum: Von Anfang an organisiert und plant sie die Ausstellung jedes Jahr. „Mittlerweile hat sich ein Team von sechs Menschen etabliert“, erläutert Gerwin. Sie erinnert sich: „Wir haben ganz klein angefangen, damals noch über und in der Sakristei.“ Im Jahr 1971 ist die Bücherei und eben auch die Ausstellung in der Pfarrheim umgezogen. „Im Saal können wir uns seitdem richtig ausbreiten“, sagt Gerwin und deutet mit einer ausladenden Geste auf die Vielfalt des Angebotes. Weder nehme die Besucherzahl rapide zu noch gravierend ab. Für jedes verkaufte Buch geht ein Teil als Spende an die Bücherei. „Das gilt übrigens ganzjährig bei der Buchhandlung ,Das Buch’“, betont Gerwin. Ein Magnet sei auch der Bücherflohmarkt im Foyer. „Viele kommen nach dem Gottesdienst, stöbern eine Weile und schauen sich dann die Ausstellung an“, erzählt Gerwin. Krimis seien derzeit besonders beliebt.

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