„Wie auf einem Abstellgleis“

Marktfläche an Alter Linde halbiert - Ärger bei Kunden und Betreibern

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Marktstände an der Alten Linde. 

In Reih’ und Glied müssen die Marktstände an der Alten Linde stehen. Das finden weder Kunden noch Beschicker schön. 

Heusenstamm – Das Sägen und Hämmern auf der benachbarten Baustelle ist temporär. Deswegen stört es die Beschicker und Besucher des Marktes an der Alten Linde nicht. Zwar trägt es nicht zur typischen Marktatmosphäre bei, doch das tut ein anderer Umstand, der seit etwa acht Wochen herrscht, auch nicht: Die Fläche des Marktes wurde halbiert. Der Grund: Die einzige Feuerwehrzufahrt auf die Freifläche innerhalb des Einkaufszentrums muss aus Sicht des Brandschutzes freigehalten werden. 

Wo vorher die einzelnen Marktstände im Kreis standen und noch genügend Raum zur Präsentation ihrer Waren boten, reihen sie sich jetzt geradlinig über den Platz. „Wie auf einem Abstellgleis“ beschreibt Dirk Baumann das visuelle und emotionale Empfinden der Beschicker. „Wir haben definitiv Platzprobleme“, stellt er fest. Dies wirke sich wegen der fehlenden Entfaltung auch auf das Geschäft aus. Der Metzger aus Gründau, der seit zwölf Jahren in die Schlossstadt kommt, hat seither weniger Publikum. „Ein weiteres Problem ist, dass die Stände auf den Zugang vom Lindenbaum ausweichen“, beschreibt er weiter. So stehen diese in einer Schleuse und verdecken gleichzeitig die Sicht auf den Platz. „Wo Leute sind, gehen Leute hin“, sagt Baumann. Doch was, wenn die Menschen den Weg nicht finden?

Heusenstamm: Marktfläche an Alter Linde halbiert - Es wird eng

Für den Aufbau des Gemüsestandes braucht Beate Rücker mit ihrem Team rund anderthalb Stunden. Er ist einer derjenigen Stände, die viel Stellfläche benötigen. Andere, etwa Wurst, Käse und Backwaren, sind sogenannte selbstfahrende Stände, die schneller in Position gebracht sind.

„Wir haben uns soweit mit dem neuen Standort arrangiert“, sagt Beate Rücker. Seit 23 Jahren bietet die Familie ihre Waren aus ihrer Rembrücker Landwirtschaft an. Einen dementsprechend kurzen Anreiseweg hat das Team. Eng wird es jedoch auf dem Marktplatz, wenn der Käsewagen schon früher die weite Heimreise antritt. „Dann müssen wir umräumen“, erzählt Rücker. Das birgt Konfliktpotenzial. „Wir verstehen uns untereinander zum Glück gut“, meint die Rembrückerin. Bisher richtet sich der Unmut nur gegen die Situation per se. „Ich verstehe den Umstand mit dem Rettungsweg, aber schön ist es trotzdem nicht“, meint Beate Rücker. Zerzaust sehe der Platz nun aus und wenig einladend für Kunden. „Viele verweilen auch gerne an den Ständen oder haben sich auf die Bänke in der Mitte des Platzes gesetzt“, erzählt Kundin Carola Maushake. Besagte Bäume waren früher der Mittelpunkt und dienen nun als Grenze. „Es wäre sehr schade, wenn es so bleibt“, fügt Maushake hinzu.

Heusenstamm: Marktfläche an Alter Linde halbiert - Selbstfahrende Stände?

Auch Monika Waldschmitt, Niederlassungsleiterin der veranstaltenden Deutschen Marktgilde, besucht den Platz – sofern man diesen noch so nennen kann. Wer aus Richtung Leibnizstraße kommt, schaut nur auf Rückwände. Ein wenig einladender Anblick. „Es sind ja nicht immer dieselben Stände da“, erläutert sie. Fieberhaft überlegt sie, wo Fischhändler, Gewürzwagen und Blumenstand noch einen Platz finden. „Einen kriegen wir noch unter, aber alles andere wird viel zu eng oder verdeckt Schaufenster der Geschäfte“, sagt Waldschmitt.

Eine Lösung zu finden, gestalte sich schwierig. „Wenn wir den Platz verlassen, ist an der Alten Linde noch weniger los“, meint Rücker. Sie kann sich vorstellen, dass sich die selbstfahrenden Stände an die Seite des Wohnhauses platzieren können. „Im Notfall klappen wir das Dach ein und fahren weg“, meint Baumann. „Es ist aushaltbar, aber auf Dauer keine Lösung“, findet Maushake.

Von Lisa Schmedemann

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