Modellsportclub lädt zur Regatta an den Schlossweiher

Die Liebe zum Detail: Modellsportclub lädt zur Regatta an den Schlossweiher

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Das Feuerwehrschiff „Heusenstamm“ schipperte über den Schlossweiher. 

Die Abteilung Schiffsmodellbau des Modellsportclubs Heusenstamm (MSC) hat zur offenen Regatta eingeladen. Dabei fiel auf: Modellbau scheint eine der letzten Männerdomänen zu sein. 

Heusenstamm – Auch bei der Truckerabteilung, die direkt nebenan ihr Gelände geöffnet hat und das geschäftige Treiben an ihrer hauseigenen Sandsiebanlage präsentiert, findet man nur Männer am Steuerknüppel.

Stolz präsentiert Schatzmeister Bernd Erkel vom MSC sein Modell „Feuerlöschboot Düsseldorf“, das er bereits vor 37 Jahren gebaut hat. Enthusiasten achten auch kleinste Details. „Die Abdeckungen für die Wasserschläuche sind gedreht“, erklärt Erkel. Für ein spezielles Detail auf Deck ist der Liebhaber extra nach Düsseldorf gefahren, um sich das auf dem Original aus nächster Nähe anzusehen.

Sein Vereinskollege Holger Domschat hat sich das Modell erst vor Kurzem gekauft, jedoch auf den Namen „Heusenstamm“ getauft. Der Modellbauer ist ein alter Hase. 1997 wurde er sogar Weltmeister in Barkov. Sein Boot erstrahlt in leuchtendem Rot. Ausgestattet ist es mit zwei Elektromotoren und vier Rudern. „Dadurch ist es sehr wendig“, sagt Domschat. Fahrtüchtig ist das Modell schon, aber es fehlen noch Details. Vor dem Original muss es sich nicht verstecken. Die Radarantenne dreht sich auf dem Dach, die grüne und die rote Seitenlampe leuchten und die Löschpumpe arbeitet auch schon.

„Die Regatta ist heute eine Freundschaftsregatta“, erläutert der Vereinsvorsitzende Klaus Kolb. Diesmal haben sich 27 Teilnehmer aus Fulda, Büdingen, Bornheim und Heusenstamm angemeldet. Gestartet wird in drei Größenklassen: bis 80 Zentimeter (F1), zwischen 80 und 110 Zentimeter (F2) und größer (F3). 20 Tore müssen gemeistert werden. „Je nach Anfahrwinkel haben sie einen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad“, erzählt Kolb. „Vier Tore müssen dabei rückwärts durchfahren werden.“

Geschäftig ging es auch bei der Truckmodell-Abteilung zu. Dort wurde Sand angeliefert und in eine Siebanlage mit dem Bagger geschaufelt.

Einigermaßen zufrieden mit seinem ersten Lauf ist Reinhold Hämel vom Modellbauclub Büdingen, der seit 1977 sein Hobby betreibt. Heute hat er mit seinem Hafendienstschiff „Silke“ nicht alle Tore zum Wohlgefallen der Schiedsrichter gemeistert. „Für mich ist das in Ordnung, und es kommt ja noch der zweite Lauf.“ Für einen fehlerfreien Durchgang gibt es maximal 150 Punkte. Wer ein Tor berührt, dem werden zwei Punkte abgezogen, wer eines verfehlt, erhält sechs Minuspunkte.

„Alles läuft gut“, sagt Kolb. „Viele Zuschauer sind hier.“ Nur die Gänse sind dem Vorsitzenden ein Dorn im Auge. „Eigentlich stören sie nicht wirklich“, sagt er. „Aber die Masse an Kot, den die Tiere hinterlassen, ist unerträglich.“ Früher hätten Zuschauer Decken ausgebreitet, sich gemütlich an den Weiher gesetzt und der Regatta zugeschaut. „Das macht heute keiner mehr, denn man kann das Ufer kaum noch betreten.“ Deshalb habe man Bänke hingestellt.

Nebenan zeigen die „Trucker“ ihre Künste. Dirk Rammelt fasziniert die Detailtreue, die man mit den Modellen erreicht. Er hat den Bagger „CAT M322D“ nahezu getreu nachgebaut. „Ich habe einen Teilebausatz gekauft“, erzählt er. „Darin sind der Unterbau und der Arm des Krans enthalten, den Rest muss man selbst nachbauen oder Teile finden.“ Sein Bagger ist mit einem Elektromotor und einer Hydraulikpumpe ausgestattet. Sieben Ventile steuern den Arm und die Schaufel. „Die Pumpe arbeitet mit echtem Hydrauliköl“, weiß der stolze Baggerfahrer. Der vierjährige Erik guckt dem Treiben mit glänzenden Kinderaugen zu. „Ich möchte auch so einen Bagger haben“, meint er und schaut dabei seinen Papa an.

VON BURGHARD WITTEKOPF

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