Kinder sammeln Corona-Müll

„Naturengel“ zeichnen Gewinner des Wettbewerbs gegen Einweggeschirr in Heusenstamm aus

Über viele Teilnehmer an ihrem Sammelwettbewerb haben sich Heusenstamms „Naturengel“ gefreut. Foto: SCHMEDEMANN
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Über viele Teilnehmer an ihrem Sammelwettbewerb haben sich Heusenstamms „Naturengel“ gefreut.

Und wieder ist die Schlossstadt ein klein wenig sauberer geworden. An dem Ziel, Heusenstamm zur saubersten 20 000-Einwohner-Stadt Hessens zu machen, arbeiten die „Naturengel“ trotz Corona-Krise eisern.

Heusenstamm - Zwar musste das regelmäßige gemeinsame Müllsammeln wegen der Einschränkungen ausfallen, doch sprach nichts dagegen, auch mal nur zu zweit mit Greifer und Tüte loszuziehen. Außerdem nutzten die Mitglieder die Zeit, um Schilder in der Nähe von Parkbänken aufzuhängen, die auf die Schädlichkeit von Zigarettenstummeln für die Umwelt aufmerksam machen. Denn eine einzige Kippe verunreinigt schon 40 Liter Grundwasser. Um noch weitere Mitstreiter zu animieren, hatten die Naturengel zur „M(a)y Corona Challenge“ aufgerufen. Nun stehen die Gewinner fest.

Dem Aufruf, fünf Teile aufzulesen und damit ein „Selfie“ zu schießen, kamen 15 große und kleine Müllsammler nach. „Gerade während der Schließzeit ist viel Einweggeschirr in der Umwelt gelandet“, berichtet „Naturengel“ Julia Weitzel. Das sei der Anstoß für den Wettbewerb gewesen, mit dem die Sammler nicht nur etwas für die Umwelt tun, sondern gleichzeitig das lokale Gewerbe und die Gastronomie unterstützen wollten. Das Geld, von dem die Gewinner-Gutscheine für Läden und Lokale finanziert worden sind, stammt von der eigenen hohen Kante. Sascha Dreiner erläutert: „Die Zuwendungen, die wir bekommen haben, wollten wir spielerisch unter die Leute bringen.“

So durfte Roland Krebs, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, unter dessen Schirmherrschaft die Naturengel stehen, die Glücksfee spielen. An dem Lostopf beteiligten sich außerdem Steffen Ball von Ballcom und Rewe-Marktleiter Sedat Tekin. „Ich bin ja selbst Ehrenamtler, deswegen war es für mich selbstverständlich, das Engagement der Naturengel und das der Teilnehmer zu unterstützen“, meint Ball. „Wir möchten ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der Müll Tieren, Pflanzen und letztendlich auch uns Menschen schadet“, sagt Sonja Alderson-Heim an die Gruppe gerichtet. „Wir danken jedem einzelnen von euch, ihr alle habt ein Zeichen gesetzt.“

Der achtjährige Noah und sein Vater Jens Schultze freuen sich über einen Gutschein fürs Spielzeugland. Foto: LIZ

Mit gutem Beispiel geht die fünfte Klasse der Schule am Goldberg voran. Gemeinsam sind die Kinder losgezogen, um am Wettbewerb teilzunehmen – jeder so, wie er kann. Die Lehrerin Katharina Nüdling erzählt: „Jene, die selbst keinen Greifer halten können, haben die Augen offengehalten und mitgesucht.“ Das Thema Müll beschäftigt die Schüler auch im Schulalltag, Greifer und Mülltüten sind in jedem Klassenzimmer vorhanden. „Durch die Nähe zur Autobahnauffahrt liegt bei uns eigentlich ständig etwas“, sagt Nüdling. Umso mehr freut es sie, dass es für die fleißigen Schüler noch einen Gutschein für die Gelateria Cortina gibt, damit sich der nächste Klassenausflug um Eis statt um Mülltüten dreht.

Der achtjährige Noah sieht die Sache pragmatisch: „Müll sammeln macht einfach Spaß, vor allem mit anderen zusammen.“ Aus Erwachsenensicht ist das ein wichtiger Punkt. „Wir haben erreicht, dass diese Generation anders über Umweltverschmutzung denkt – das motiviert“, findet Julia Weitzel. Am Samstag, 4. Juli, können die Naturengel nach langer Corona-Pause wieder zum gemeinsamen Müllsammeln aufrufen. Die Treffpunkte sind der Parkplatz am Zentrum Martinsee und der Bahnhofsplatz jeweils um 9.30 Uhr. Interessierte können einfach dazustoßen, für Spontane halten die „Naturengel“ Greifer und Handschuhe bereit. Bevor es wieder losgeht, vertreibt sich Noah die Zeit mit seinem Gewinn: ein Gutschein fürs Spielzeugland. Ob er schon weiß, wofür er ihn einlöst? „Nein, deswegen müssen wir jetzt gucken gehen“, meint der Junge zu seinem Vater Jens Schultze und schnappt ihn an der Hand.

Von Lisa Schmedemann

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