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Stadt kündigt Pacht und macht Anliegern Kaufangebot: 60 .000 Euro für einen Streifen Land

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Zwischen den Grundstücken Im Rehwinkel in Rembrücken sollte einst ein Weg (weißer Strich) gebaut werden. Jetzt sollten die Anwohner den Streifen kaufen.
Zwischen den Grundstücken Im Rehwinkel in Rembrücken sollte einst ein Weg (weißer Strich) gebaut werden. Jetzt sollten die Anwohner den Streifen kaufen. © Häsler

Nach der Verpachtung soll ein Streifen Land in Heusenstamm nun verkauft werden. Doch nicht alle Anlieger sind erfreut darüber.

Heusenstamm – Die Verträge sind meist schon viele Jahre alt. An mehreren Stellen in der Stadt wurden damals Grundstücken in Neubaugebieten kleine Parzellen hinzugefügt, die eigentlich zum Beispiel für Fußwege vorgesehen waren, die aber nie verwirklicht wurden. Diese Parzellen wurden dann den direkten Anliegern für einen sehr geringen Zins verpachtet, weil man sich die Option, diese Fußwege doch noch zu bauen, erhalten wollte.

Seit einigen Monaten nun ist die Stadt dabei, diese Parzellen endgültig an die Grundstückseigner zu verkaufen. Und nicht jeder ist glücklich über dieses Angebot – geht es doch zum Teil um recht ansehnliche Beträge.

Heusenstamm (Kreis Offenbach): Nicht alle Anlieger sind erfreut über das Kaufangebot

Als die Häuser an der Straße Im Rehwinkel in der Hubertussiedlung gebaut wurden, war Rembrücken noch selbstständig. An die Gärten, so die damalige Planung, sollte sich ein Fußweg anschließen. Ein sechs Meter breiter Streifen war dafür vorgesehen, unter dem ein Abwasserkanal verläuft. Da der Weg nicht sofort realisiert wurde, verpachtete die Gemeinde diesen Streifen an die Anlieger. Auf fünf Mark wurde der jährliche Zins festgelegt. Dafür mussten die Pächter garantieren, dass dieser Grund gepflegt und stets zugänglich gemacht werden musste, falls am Kanal etwas zu machen sei.

Das lief 50 Jahre gut. Im vergangenen Jahr erhielten die Eigner allerdings einen Brief, mit dem die Stadt sie zu einer Besprechung wegen dieser Pachtflächen einlud. Der damalige Bürgermeister Halil Öztas (SPD) und die Fachbereichsleiterin Bürgerdienste, Gabriele Ispert, machten den Anliegern dann ein Kaufangebot.

Ein Betroffener berichtet: „Es werde keine weitere Verlängerung der Pacht mehr geben, hieß es. Stattdessen könnten die Parzellen gekauft werden zum geltenden Bodenrichtwert von 650 Euro je Quadratmeter – bei Erhaltung des Zugangsrechts für die Stadt wegen des Kanals. Würden nicht alle Anlieger auf das Angebot eingehen, werde die Fläche an die Stadt zurückfallen.“ Unter dem Strich bedeute dies, dass jeder Anlieger Beträge zwischen etwa 60 000 und 100 000 Euro auf den Tisch legen müsste. „Das ist völlig indiskutabel“, sagt der Eigner. Das sei der Preis für Bauland auf einem Streifen, auf dem nicht gebaut werden könne, schon wegen des darunterliegenden Kanals.

Nach Kaufangebot in Heusenstamm (Kreis Offenbach): Bisher gab es keine Einigung

Das Treffen hat im November stattgefunden. Man sei ohne Einigung auseinander gegangen. Seither sei nichts mehr passiert.

Bürgermeister Steffen Ball (CDU), seit 1. Januar im Amt, hat sich die Situation auf einem der Grundstücke Ende vergangener Woche schon einmal angesehen und mit einem der Anwohner gesprochen. „Wir nehmen da jetzt erst einmal den Fuß vom Gas“, versprach er gestern auf Anfrage. Die Angelegenheit müsse detailliert und in Ruhe mit den Betroffenen besprochen werden. Sobald dies auch von der Entwicklung der Coronazahlen her wieder möglich sein wird, will er sich mit den Anliegern treffen: „Wir müssen da eine einvernehmliche Lösung finden.“

Die Anlieger sind nach Angaben eines Betroffenen bereit, den Streifen zu einem fairen Zins zu pachten. Auch einen „angemessenen Kaufpreis“ könne man sich vorstellen, aber eben nicht den Preis für Bauland. (Claudia Bechthold)

Eine Gruppe unbekannter Jugendlicher belästigt Anwohner in Heusenstamm (Kreis Offenbach). Die Situation ist seit Längerem angespannt. Die Politik will handeln.

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