Verwirrung um altes Schild

Vom Handel mit Spirituosen

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Nur noch das alte Ladenschild von Magdalena Kämmerer erinnert an Emmis Lädchen an der Pfortenstraße, in dem es einst vor allem Lebensmittel zu kaufen gab.

Heusenstamm - Was man heutzutage in einem großen Supermarkt einkaufen kann, war in früheren Zeiten entlang der Pfortenstraße im neuen alten Ort zu finden. Ein kleines Geschäft reihte sich dort einst ans andere. Von Claudia Bechthold 

Brot und Brötchen, Milch und Butter, Fleisch und Wurst, Obst und Gemüse: Dies alles und noch viel mehr konnten die Heusenstammer früher allein bei einem Gang durch die Pfortenstraße erhalten. Besser bekannt ist den Alteingesessenen die Strecke allerdings als „Gaasegass“, weil es der Weg war, den man stets genommen hat, um die Geißen an die Bieberauen zu treiben.

Da gab es zum Beispiel die Metzgerei Sutor, heute firmiert der Betrieb unter dem Namen Auer. Obst und Gemüse erhielt man beim Steinmetz, der auch als „Butter-Fritz“ bekannt war. Sonderangebote soll dieser über den Ortsfunk bekannt gegeben haben, den es einst in Heusenstamm gab.

Die Bäckerei Büttner bot ihren Kunden allerlei Backwaren. Und Milch, Sahne und Butter konnte man bei „Milch-Beck“ erwerben. Für alle anderen Lebensmittel waren zwei weitere Läden zuständig. Einer davon war „Emmis Lädchen“ von Emmi Döbert. Diese hatte das Geschäft von ihrer Mutter Magdalena Kämmerer übernommen. Nicht zu vergessen: In der Gaasegass war auch das „Tivoli“, eine der beliebten Gaststätten in Heusenstamm.

Und auch „um die Ecke“ ging es weiter mit den kleinen Läden. Etwa mit der Bäckerei Thies in der Bürgermeister-Kämmerer-Straße. „Die hatten selbst gemachtes Eis“, erinnert sich eine Heusenstammerin an ihre Kindheit. Mindestens genauso gern aber holten sich die Kinder vor vielen Jahren beim Milch-Beck eine Waffel, die nur mit frisch geschlagener Sahne gefüllt war.

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Emmi Döbert hat ihren Laden bis Ende 1995 geführt. Erst als sie krank wurde und wenige Wochen später starb, wurde das Geschäft geschlossen. Die Tür ins Innere wurde zugemauert. Seit einer größeren Renovierung des Häuschens ist für den Ortsunkundigen fast nicht mehr zu erkennen, was sich einst hinter der Fassade befunden hat. Lediglich das Ladenschild hatten die Nachfahren von Emmi Döbert hängen lassen.

Ausgerechnet dieses Schild führte jetzt offensichtlich zu einer gewissen Verwirrung. Denn es soll ja alles seine Ordnung haben im Ort. Also klingelten dieser Tage Vertreter der Stadt bei den Bewohnern des Hauses und fragten höflich nach, ob es sich bei jenem Schild um ein Überbleibsel aus vergangenen Zeiten handelt oder ob man tatsächlich mit Spirituosen handele, wie darauf zu lesen ist. Denn dann benötige man ja eine Konzession. Natürlich gibt es längst keinen Spirituosenhandel mehr in jenem Haus. Und auch keine Zigarren oder Tabak. Aber amüsiert hat die Nachfrage. Und mal wieder erinnert an jene Zeiten, als sich in der Pfortenstraße noch Laden an Laden reihte.

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