Eigentümer suchen Nachfolger

Rembrücken ohne Bäckerei: Laden an Heusenstammer Straße schließt

Direkt an der Heusenstammer Straße steht das weiße Mehrfamilienhaus, in dessen Erdgeschoss sich das Ladengeschäft befindet, das bislang von der Bäckerei Schnabel genutzt wurde.
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Direkt an der Heusenstammer Straße steht das weiße Mehrfamilienhaus, in dessen Erdgeschoss sich das Ladengeschäft befindet, das bislang von der Bäckerei Schnabel genutzt wurde.

„Das ist für die Rembrücker ein harter Schlag“, schreibt ein Leser unserer Zeitung. Die Bäckerei Schnabel an der Heusenstammer Straße wird in den nächsten Tagen schließen. Damit verschwindet in dem Stadtteil der einzige Laden, in dem frische Backwaren und auch das eine oder andere für den täglichen Bedarf zu haben waren. Es bleiben vorerst nur die kleine Poststelle an der Obertshäuser Straße im Haus der Begegnung sowie der Hofladen von Beate und Hubert Rücker an der Hauptstraße, der vor allem frisches Gemüse und Obst sowie selbst hergestellte Dosenwurst bietet.

Heusenstamm – Auch eine Rembrückerin, die seit 47 Jahren in dem Stadtteil lebt, beklagt den Schwund an Infrastruktur. Vor 40 Jahren, sagt sie, gab es dort drei Banken, drei Kneipen, einen Metzger, einen Bäcker und einen Friseur sowie eine vollwertige Post und einen kleinen Laden mit Süßigkeiten für Kinder. Jetzt, resümiert sie, gibt es noch einen Automatenbank, eine Poststelle, die nur zwei Stunden am Tag öffnet, zwei Gaststätten und den Hofladen. „Eine Bäckerei ist lebenswichtig für den Ort“, betont die Seniorin, die selbst nicht mehr Auto fährt und zum Einkaufen auf die Unterstützung anderer angewiesen ist.

Roland Schnabel, Inhaber der Bäckerei mit Sitz in Hainburg, bestätigt die Schließung auf Anfrage. Durch die Pandemie sei seine Firma in Schwierigkeiten geraten, sagt er. Vor allem das große Café, dass er wegen Corona habe schließen müssen, sei der Grund dafür. Dadurch sei es auch für das Rembrücker Geschäft zu Verzögerungen bei den Mietzahlungen gekommen. Und nun sei ihm der Mietvertrag nicht verlängert worden.

Inzwischen, so Roland Schnabel, sei er zuversichtlich, dass es für seine Firma weitergehe. Das Insolvenzverfahren sei eröffnet, er könne das Unternehmen seither in Eigenregie weiterführen. Das Ende für die Filiale in Rembrücken sei für ihn sehr ärgerlich, zumal er seit 1985 dort vertreten sei. „Und so wie wir wird es ein Nachfolger sicher nicht machen“, fügt er noch hinzu. Zumal er den Standort auch nicht ganz aufgeben will: „Vielleicht ergibt sich ja noch eine Möglichkeit“, meint er.

„Das wird im Ort fehlen“, betont Dr. Hartmut von Kienle als Sprecher des Bürgerforums Rembrücken. Zumal gerade die Bäckerei nicht nur von Anwohnern, sondern auch von vielen Pendlern auf dem Weg zur Arbeit genutzt worden sei. „Da war vor allem morgens viel los.“ Das Bürgerforum habe sich auch schon an die Stadt sowie an den künftigen Bürgermeister Steffen Ball gewandt.

Gemeinsam mit Stadträtin Judith Beheim und dem Stadtverordneten André Iseler, die beide in Rembrücken leben, hat sich der designierte Bürgermeister Steffen Ball bereits mit dem Thema befasst, versichert dieser auf Anfrage: „Wir haben mit den Eignern gesprochen und verschiedene Optionen erörtert, um eine gute Lösung für Rembrücken zu erreichen.“ Die Nahversorgung müsse dort sichergestellt sein.

Wie gestern zu erfahren war, soll es nach Angaben der Hauseigentümer derzeit Verhandlungen mit mehreren Interessenten für das Ladengeschäft an der Heusenstammer Straße geben. Es werde noch ein wenig dauern, aber man wolle in jedem Fall, dass dort wieder eine Bäckerei einzieht, wurde versichert. (Von Claudia Bechthold)

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