„Man hält Geschichte in der Hand“

René Frank veröffentlicht Buch über Kolonialmünzen

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Heusenstammer René Frank veröffentlicht Buch über Kolonialmünzen.

Das Portemonnaie seiner Mutter war zu Kinderzeiten nicht vor ihm sicher. Das Kleingeld daraus durfte er durchsehen und sich jene Münzen nehmen, die er noch nicht hatte.

Heusenstamm – „Ich habe versucht, Pfennigmünzen aus allen Jahrgängen und mit allen Prägebuchstaben eines Jahrgangs zu erhalten“, erinnert sich René Frank an den Beginn seiner Sammelleidenschaft. Inzwischen besitzt er weit mehr als tausend Münzen, die er übrigens nicht in seiner Wohnung aufbewahrt, schreibt Bücher und Kataloge über die Numismatik. Sein neuestes Werk heißt „Britisches Kolonialgeld aus Ceylon – Beliebte Elefanten-Motive auf Kupfer- und Silbermünzen“.

Der Heusenstammer ist begeisterter Münzsammler. „Mir geht es um die Geschichte, die dahinter steckt, die man damit in den Händen hält“, sagt er. Besonders deutlich werde das bei antiken Münzen, findet er. Seine erste Goldmünze hat er zur Kommunion erhalten, eine Zwei-Rand-Münze aus Südafrika. Und damit begann seine Begeisterung für Geldstücke aus Edelmetall. Inzwischen hat er sich aber auf ein anderes Metall spezialisiert – auf Palladium. Seit den 1990er Jahren sammelt er Münzen aus diesem Material.

Sein erstes Buch allerdings galt einem anderen Thema, seiner zweiten Leidenschaft, dem Singen und der Musik. René Frank macht Musik, zum Beispiel als Organist in Kirchen, singt und leitet Chöre und komponiert. Es war seine wissenschaftliche Facharbeit zum Staatsexamen mit dem Titel „Das Neue Geistliche Lied“, die, wie er es ausdrückt, umfangreicher ausgefallen ist als geplant. Sein Professor hat dem heute 44-Jährigen geraten, diese Arbeit doch breiter zu veröffentlichen. Es fand sich ein Verlag, 2003 erschien dieses Buch, das sich unter anderem mit der Frage befasst, welche Musik sich junge Menschen in Gottesdiensten wünschen. Inzwischen zählt er bereits 14 Veröffentlichungen in Buchform.

Sein „Bestseller“ ist der Palladium-Münz-Katalog, der 2006 erstmals erschien. Mittlerweile gibt es drei weitere Fortsetzungen dazu aus den Jahren 2010, 2014 und 2017. Bei Versteigerungen wurden sogar schon seine Katalogeintragungen als Referenznummern angegeben. Ebenfalls erweitert und aktualisiert erschien im vergangenen Jahr das Buch „Mehrstimmiges Singen“ aus dem Jahr 2005, das anleitet, wie ein Kinder- oder Jugendchor von der Einstimmigkeit zur Mehrstimmigkeit geführt werden kann.

Ein sogenannter ceylonesischer Rix-Dollar aus dem Jahr 1821 mit einem Elefanten zählt zu den Münzen, mit denen sich René Frank in seinem neuen Buch befasst.

Das jüngste Werk ist die dritte Folge einer Serie über Münzen aus der Kolonialzeit. Nach Sierra Leone und den Westindischen Inseln in der Karibik geht es nun um Ceylon, das heutige Sri Lanka. Die britische Kolonialmacht ließ dort zwischen 1801 und 1821 zahlreiche Münzen mit Elefanten-Motiven prägen, die bei Sammlern beliebt sind.

Rund fünf Monate hat René Frank an diesem neuen Buch gearbeitet. Dabei geht es vor allem um die Recherche. „Ich kann nicht über eine Münze schreiben, wenn ich sie nicht wenigstens einmal in der Hand gehalten habe“, sagt der Lehrer für Musik und Erdkunde. Deshalb reist er zu Börsen oder geht zu Händlern, um alle wichtigen Stücke zu finden. „Da kann es schon einmal passieren, dass ich wegen einer einzigen Münze morgens zu einer Börse nach München fahre und am selben Abend wieder zurück“, erzählt er mit einem Lachen.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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