„Laub“ aus Stoffbeuteln

Schüler etablieren Taschen-Baum im Supermarkt

Der Taschenbaum aus Holz im Rewe-Markt an der Alten Linde ist ein Gemeinschaftswerk vieler Beteiligter.
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Der Taschenbaum aus Holz im Rewe-Markt an der Alten Linde ist ein Gemeinschaftswerk vieler Beteiligter.

Schüler stellen im Rewe in Heusenstamm einen besonderen Baum auf: Kunden können sich Jutebeutel nehmen, wenn die Einkäufe nicht in die eigene Tasche passen.

Heusenstamm – Jeder kennt’s: Schnell noch in den Supermarkt huschen und unverhofft mehr kaufen als geplant. Wenn der Transport in der Armbeuge schwierig wird, folgt der Griff unter das Kassenband, um eine Tüte zu kaufen. Im Rewe-Markt Tekin an der Alten Linde ist das nun nicht mehr nötig – dank Taschenbaum. Anstatt Laub trägt das Holzgestell im Eingangsbereich nämlich Jutebeutel, von denen sich jeder Besucher bei Bedarf einen pflücken kann. Beim nächsten Einkauf hängt er ihn wieder hin – das soll leere Äste vermeiden. Die Idee haben die Mitglieder der Umweltinitiative „Naturengel“ im Internet aufgeschnappt und in den sozialen Medien geteilt. Julia Weitzel erläutert: „Wir fanden die Idee zwar gut, aber wussten nicht, wie wir sie umsetzen können.“

Die Naturengel machen mit ihren monatlichen Müllsammelaktionen in der Schlossstadt seit rund zwei Jahren von sich reden. Neben der Beseitigung von Unrat zählen die „Naturengel“ auch die Sensibilisierung für die Umwelt zu ihren Aufgaben, um Heusenstamm zur „saubersten Kleinstadt Hessens“ zu machen. Der Beutelbaum im Supermarkt ist eine simple Maßnahme, die jeder Bürger nutzen kann. Entweder ganz bewusst oder aus Schusseligkeit. Als die Initiative die Idee des Baumes in den sozialen Medien verbreitet hat, ist Karsten Sigl, Hausmeister der Adolf-Reichwein-Schule (ARS), darauf aufmerksam geworden und hat die Idee Schulleiterin Margit Breen unterbreitet. Die Entscheidung, das Projekt in den Lehrplan aufzunehmen, fiel schnell. „Wir tun in unserer Schule viel dafür, dass sich die Schüler mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz auseinandersetzen“, betont die Rektorin.

Während der Projektwoche Holz bearbeitet

Den Taschenbaum hat Werklehrer Mattias Unbehauen in der Projektwoche mit einigen Schülern der siebten Jahrgangsstufe angefangen. Die 16-jährige Derya beschreibt: „Wir haben die verschiedenen ‚Äste‘ gesägt, geschliffen und verzapft.“ Ihre Motivation teilt sie mit Mitschülerin Tuana: „Wir wollten mit der Natur arbeiten und etwas für sie tun.“ Der Nachhaltigkeitsgedanke ist in den jungen Köpfen bereits verankert. „Ich nehme bestimmt mal eine Tasche vom Baum, wenn ich meine eigene mal wieder vergessen habe“, sagt Derya und lacht.

Die Projektwoche liegt mehr als ein halbes Jahr zurück. Was die Projektteilnehmer im Februar angefangen hatten, hat der siebte Jahrgang im regulären Werkunterricht weitergeführt – dann kam der Lockdown. Den letzten Schliff hat der Werklehrer dem Taschenbaum schließlich zu Hause verpasst. Die Übergabe musste warten.

„Ein Heusenstammer Gemeinschaftsprojekt“

Auch Marktleiter Sedat Tekin hat sich in Geduld geübt und freut sich umso mehr, dass der Baum nun endlich an seinen Platz kommt. Zu guter Letzt kam ein Schild mit einer Anleitung auf die „Baumkrone“, das die Werbeagentur Münz Media gespendet hat. Tekin freut sich: „Das ist ein richtiges Heusenstammer Gemeinschaftsprojekt – da musste ich nicht lange überlegen, den Taschenbaum aufzustellen.“ Naturengel-Mitglied Saskia Hitzel-Kronenberg meint: „Toll, dass unser Vorschlag so schnell umgesetzt worden ist.“

Sabrina Orf und Daniela Singh aus dem Integrationsbüro der Schlossstadt sorgen derweil für ein erstes buntes „Laubkleid“ aus Taschen der bundesweiten Initiative „Demokratie leben“. Nun müssen sich die übrigen Schlossstädter nur noch mit dem Konzept befassen. Die ersten schieben den Einkaufswagen schon langsamer vorbei, um das Gestell zu beäugen und die Anleitung zu lesen. In den nächsten Tagen wollen die Naturengel einen weiteren Taschenbaum im Rewe-Center an der Werner-von-Siemens-Straße aufstellen. (Lisa Schmedemann)

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