Jeder packt mit an

Schule am Goldberg baut bei Wettbewerb rollstuhlgerechte Kegelbahn

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Stolz wie Oskar: Die involvierten Schüler.

Zur Not wird im Frühling eine kleine Projektwoche eingeschoben. Und der „normale“ Unterricht an der Schule am Goldberg eben ein bisschen hinten angestellt. „Wir sind da flexibel – weil es eine tolle Sache ist“, betont Petra Temme.

Heusenstamm – Die Lehrerin ist voll überzeugt von dem Projekt, das an der Förderschule gerade alle in seinen Bann zieht, obwohl es gerade erst begonnen hat. Beim Wettbewerb „Mach was!“, initiiert vom Schraubenhersteller Würth, werden zwei Klassen in den kommenden Monaten eine rollstuhlgerechte Kegelbahn zusammenzimmern.

„Alleine, dass wir teilnehmen dürfen, ist schon toll“, freut sich Manuela Klein, Rektorin der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. „Für unsere Schulform ist das eine besonders große Herausforderung und für die Schüler etwas sehr Schönes.“ Anfang Dezember hatte die Projektgruppe ihre Bewerbung eingereicht, kurz vor den Weihnachtsferien gab es dann die freudige Botschaft: Die Heusenstammer haben es unter die 250 Teilnehmer geschafft.

Die Firma Würth bezahlt jeder Bildungseinrichtung, das sich für den Wettbewerb qualifizieren konnte, bis zu 1000 Euro Materialkosten, dazu gibt es T-Shirts und Werkzeugkästen für alle involvierten Schülerinnen und Schüler. Schon, dass sie nun eigene Schraubenzieher, Schutzbrillen, Hammer und Zollstöcke besitzen, mache die Kinder und Jugendlichen „stolz wie Oskar“, so Temme, eine von zwei betreuenden Klassenlehrerinnen.

Bis Ende April hat die Schule nun Zeit, ihre Kegelbahn Realität werden zu lassen. Zweimal pro Woche wird im Werkunterricht unter Anleitung von Heilerziehungspfleger Frank Ludwig gesägt, gehämmert und gepinselt, zuerst entsteht ein Prototyp, dann das Original, das bis zu zwölf Meter lang werden könnte. Das Besondere: Anders als auf einer gewöhnlichen Kegelbahn soll die Kugel an einer Art Seilbahn heruntersausen – damit auch motorisch stark eingeschränkte Kinder mitspielen können. „Das wird eine ganz neue Konstruktion, die gibt es so noch gar nicht“, sagt Ludwig. „Ich bin gespannt, was dabei rauskommt.“

Bis jetzt gibt es sie nur auf Papier: So in etwa soll die fertige Kegelbahn aussehen.

Zur Unterstützung hat er seinen Freund Holger Gehr, einen Schreiner aus Offenbach, mit ins Boot geholt. Zusammen haben die beiden bereits erste Pläne geschmiedet und dabei etwa ausgetüftelt, dass die Kegel aus vielen Holzscheiben bestehen werden. Die Spielgeräte aus einem einzigen Stück Holz herauszufräsen, wäre für die Schüler zu schwierig. „Wir gehen das so an, dass jeder irgendwas machen kann“, betont Gehr. Am Ende soll die Kegelbahn sowohl drinnen als auch draußen stehen können, entweder mit Heringen auf der Wiese befestigt oder mit Seilen am Klettergerüst in der Turnhalle.

Im Juni werden dann die Gewinner des Wettbewerbs gekürt, die Preise können sich sehen lassen: Die Siegerschule bekommt einen Städtetrip in eine europäische Metropole spendiert, der Zweitplatzierte darf zu einem Länderspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft, für Platz drei gibt es einen Tag im Freizeitpark.

Unkonventionelles Design: Aus diesen Holzscheiben werden die Kegel zusammengebaut.

Doch für die Schule am Goldberg steht erst einmal der Prozess im Vordergrund. „Unsere Kinder kriegen oft gesagt, was sie nicht können“, betont Ludwig. „Wir wollen ihnen das Gefühl geben: Du kannst was.“

VON MANUEL SCHUBERT

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