Viele Kröten sterben auf Heimweg

Schutzgemeinschaft fordert Bau des Amphibientunnels unter der Rembrücker Straße

Ein Teichfrosch mit Verletzungen durch von Autos ausgelöste Druckwellen.
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Ein Teichfrosch mit Verletzungen durch von Autos ausgelöste Druckwellen.

Ein geplanter Tunnel für Kröten lässt auf sich warten. Viele der geschützten Tiere kostet die Verzögerung ihr Leben.

Heusenstamm – Genau 1019 Kröten, Frösche und andere Amphibien haben Helfer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) im Jahr 2019 gezählt, die vom Wald an der Rembrücker Straße zu ihrem Laichgewässer, dem Schermsee, auf der anderen Seite der Fahrbahn wollten. Nicht alle konnten dabei vor dem Unfalltod bewahrt werden. Die meisten aber haben die Helfer über die Straße getragen. Fünf Jahre zuvor, im Jahr 2014, waren es allerdings noch 2563 Tiere, also mehr als doppelt so viele.

Der schon lange geplante Tunnel für die Tiere unterhalb der Fahrbahn, fordert daher Susan Abdou für die Heusenstammer Schutzgemeinschaft, müsse endlich gebaut werden. Zumal die Tiere, die mittlerweile auf dem Rückweg in den Wald sind, dem Straßenverkehr nun völlig schutzlos ausgeliefert sind. Die Tiere wandern, je nach Art, den ganzen Sommer über wieder zurück, sodass eine Sammelaktion, wie sie die SDW im Frühjahr organisiert, gar nicht zu verwirklichen wäre.

Auf ihrem Rückweg würden viele der meist geschützten Tiere überfahren, schreibt der Vorstand der SDW weiter. Wobei auch das „Überqueren“ der Amphibien mit einem Fahrzeug, ohne sie dabei zu berühren, ihren Tod bedeute, da unter einem Auto beim schnellen Fahren ein Unterdruck herrsche, der die Lungen der Tiere platzen lasse, erläutert dazu Dietmar Tinat von der Waldjugend auf Anfrage.

Der Amphibientunnel, genau genommen wären es vier oder fünf Röhren, sollte eigentlich bereits 2018 gebaut werden. Neben einer Spende der Fraport AG in Höhe von 25 000 Euro sollte das Projekt, für das damals etwa 180 000 Euro veranschlagt waren, aus Mitteln des Naturschutzes finanziert werden. Geschehen ist indes nichts.

Auf die Ausschreibung des Projekts habe sich damals nur eine einzige Firma gemeldet, berichtete Christine Hauck, Vorsitzende der Ortsgruppe der Heusenstammer SDW, schon vor rund einem Jahr während einer Informationsveranstaltung zur Amphibienwanderung im Kultur- und Sportzentrum Martinsee. Der Grund dafür sei die Tatsache, dass das Land Hessen zu dieser Zeit die Sanierung von Straßen stark gefördert habe und in der Folge fast alle in Frage kommenden Firmen ausgebucht waren. Die Kosten waren im Januar 2019 auf 500 000 Euro beziffert worden.

Der Biologe und Gutachter Andreas Malten aus Dreieich hatte während jener Infoveranstaltung die in der Region registrierten Arten vorgestellt. Am Heusenstammer Schermsee laiche vor allem die Erdkröte, sagte er. Zu den 18 in Hessen verbreiteten Amphibien zählten aber auch der Gras- und der Springfrosch, vereinzelt auch der Wasser- und der Seefrosch sowie der Teich- und der Bergmolch. Einen Laubfrosch haben die SDW-Helfer 2018 gesehen. Auch die Kreuzkröte und der Feuersalamander könnten vorkommen – alles unter Schutz stehende Arten.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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