Nach Scheitern des Deals gelassen

Bei Spedition Duwensee keine Angst vor dem Brexit

Die Firmenzentrale der Spedition Duwensee an der Martinseestraße: Das 1965 von Gerhard Duwensee gegründete Unternehmen hat seinen Sitz seit 1970 in der Schlossstadt. 2014 bezog man das ehemalige Levis-Gelände. Foto: Häsler (b)
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Die Firmenzentrale der Spedition Duwensee an der Martinseestraße: Das 1965 von Gerhard Duwensee gegründete Unternehmen hat seinen Sitz seit 1970 in der Schlossstadt. 2014 bezog man das ehemalige Levis-Gelände.

Heusenstamm – Selbstverständlich haben die Duwensees am Dienstagabend gespannt vor dem Fernseher gesessen, um die Brexit-Deal-Abstimmung im Unterhaus in London zu verfolgen. Und das Ergebnis hat sie nicht mit Freude erfüllt. Von Claudia Bechthold

„Es ist die gleiche Ungewissheit wie vor der Abstimmung“, meint dazu Georg Duwensee, kaufmännischer Leiter der Heusenstammer Spedition gleichen Namens. Transporte von und nach Großbritannien nehmen etwa 20 bis 30 Prozent ihres Geschäfts ein.

„Unbefriedigend“ nennt Georg Duwensee, der gemeinsam mit Bruder Gregor und Vater Günter das Familienunternehmen leitet, die Situation nach der Abstimmung. Das bedeute nun weiterhin Unsicherheit für die Planung und die Zeit werde langsam knapp. „Wobei wir erwarten, dass der Termin 29. März erst einmal verschoben wird, denn den ungeregelten Brexit will wohl niemand.“

Im Moment laufe das Geschäft mit Großbritannien noch ganz normal, berichtet er weiter, große Einbrüche gebe es noch nicht. Allerdings habe man seie „Hausaufgaben gemacht“, habe in den vergangenen Monaten darauf verzichtet, diesen Zweig der Firmenaktivitäten weiter auszubauen. „Also selbst im schlimmsten Fall wären die Folgen des Brexit nicht existenzbedrohend für uns.“

Sollte es tatsächlich zum ungeregelten Austritt der Briten aus der Europäischen Union (EU) kommen, erwarten die Duwensees zunächst erst einmal ein größeres Chaos an den Grenzen. Deshalb werde man, sollte der Fall eintreten, Transporte auf die Insel erst einmal stoppen, bis die EU-Länder und Großbritannien die Abläufe über Notverordnungen geregelt haben.

„Danach wird dieses Geschäft sicher schwieriger“, weiß der kaufmännische Leiter. Denn dann kämen zur üblichen Routine des Transportwesens Bürokratisches wie Aus- und Einfuhranmeldungen sowie Zollgebühren dazu. „Wenn ein Rundlauf für einen Lastwagen heute etwa vier Tage dauert, werden daraus sicher fünf bis sieben Tage“, schätzt er. Und dazu werde die Angelegenheit entsprechend teurer. „Dazu kommt dann noch die Frage, ob die Auftragslage so bleibt wie bisher.“

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Schon lange hat die Heusenstammer Spedition übrigens einen Mitarbeiter in Großbritannien, der dort direkt die Kapazitäten sondiert und den Kontakt in die Schlossstadt hält.

Beeinflussen könne man den Gang der Dinge ohnehin nicht. „Aber wir sind Logistiker. Bei uns ändern sich Rahmenbedingungen oft und schnell, sodass wir uns flexibel auf Neues einstellen können.“ Ob ein Geschäft auch wirtschaftlich interessant bleibe, müsse im zweiten Schritt bewertet werden. Wie sich die Auftragslage entwickelt, könne niemand sagen.

Wie es weitergehen werde in Großbritannien? „Logistiker sind immer Europäer“, sagt Georg Duwensee. Auch jene in England, fügt er noch hinzu. Daher befürworte man den gemeinsamen Binnenmarkt: „Eine neue Abstimmung mit einer Absage an den Brexit wäre uns natürlich am liebsten.“ Und er verspricht dazu, „wir wären den Briten dann auch nicht böse für die Aufregung“.

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