Markt ist leergefegt

Heusenstamm kann Erzieherinnen-Stellen nicht besetzten – Kita-Zeiten eingeschränkt

+
Das Kinderhaus Wiesenborn mit seinem markanten blauen Dach wird nach den Sommerferien seine Öffnungszeiten reduzieren müssen, da nicht alle Stellen besetzt werden konnten. 

Um mehr als eine Stunde werden die Öffnungszeiten des städtischen Kinderhauses Wiesenborn nach den Sommerferien verkürzt.

Heusenstamm – „Wir hatten die Wahl zwischen dem Schließen einer Gruppe und eben verkürzten Öffnungszeiten“, sagt Bürgermeister Halil Öztas. Der Grund: Freie Stellen für Erzieherinnen konnten nicht besetzt werden.

Kinderhaus-Leiterin Gerit Witzel formuliert es noch drastischer: „Der Erzieherinnen-Mangel ist auch in Heusenstamm angekommen. Der Markt ist leergefegt.“ Drei Stellen habe sie nicht besetzen können, obwohl die Stadt alles tue, um neue Kräfte zu gewinnen, betont sie weiter. Frei sind am Wiesenbornweg zwei befristete Stellen als Vertretung für die Elternzeit und eine unbefristete Stelle.

Zwei aktuelle Gründe sieht die Kita-Leiterin für diesen nun akut gewordenen Mangel, der schon seit längerer Zeit von Fachleuten prophezeit wurde. Zum einen werden wegen des Babybooms seit einigen Jahren überall im Land neue Einrichtungen gebaut, für die dann wieder Personal gebraucht werde. Und zum anderen werden für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren, die ja seit einigen Jahren ebenfalls ein Recht auf einen Platz besitzen, viel mehr Kräfte benötigt als für Kinder über drei Jahren. In Ü3-Gruppen darf eine Erzieherin acht bis zehn Kinder betreuen, in U3-Gruppen nur vier bis fünf. „Keine Schule kann so viele junge Menschen ausbilden, um diesen Bedarf zu decken“, fügt sie noch an.

Das Kinderhaus Wiesenborn mit 124 Plätzen öffnet also nach den Ferien grundsätzlich nur noch von 7.30 bis 16 Uhr. Bislang konnten zumindest Kita-Kinder von 7 bis 17 Uhr betreut werden. So könne sie den Mangel an Mitarbeiterinnen ausgleichen, sagt Witzel, „sodass wir das auch noch leisten können“.

Bislang habe man in Heusenstamm freie Stellen noch gut besetzen können, betont Bürgermeister Öztas: „Die Rahmenbedingungen bei uns sind sehr attraktiv.“ So habe man mittlerweile dafür gesorgt, dass die Bewerbungsphasen sehr kurz seien. „Zwischen dem Eingang einer Bewerbung und der Einstellung vergehen nur etwa 16 Tage“, erläutert er. Damit sei die Gefahr, dass eine Bewerberin zwischenzeitlich abspringe, weil sie eine andere Stelle habe, verringert worden. Dies habe man gemeinsam mit Personalrat, Gleichstellungsstelle und dem Magistrat entsprechend gestrafft.

Dennoch ist sich Gerit Witzel sicher, das Problem mit dem Mangel an Fachkräften werde man so schnell nicht lösen können. Denn einerseits sei der Personalschlüssel gesetzlich vorgeschrieben, anderseits fehle es an Ausbildungsstellen.

Derzeit müssen Abiturientinnen zwei Jahre Schule und ein praktisches Jahr absolvieren, um diesen Beruf zu erlernen. Ohne Abitur dauert diese Ausbildung fünf Jahre.

Die beste Lösung für Gerit Witzel ist eine duale Ausbildung, bei der die jungen Menschen jede Woche einige Tage in der Schule und einige Tag in der Einrichtung verbringen. „Die Stadt bezuschusst diese Art der Ausbildung“, weiß Witzel. So erhalten die Betroffenen auch noch ein kleines Gehalt, während sie lernen.

Von Claudia Bechthold

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare