Helles vom Campus

Besonderes Bier aus Heusenstamm: Junges Start-Up aus der Region startet durch

Ihr neues „Flaggschiff“: Tobias, Sandra und Thomas Frank (von links) halten stolz ihr eigenes naturtrübes Heisensteyner Helles in der Hand.
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Ihr neues „Flaggschiff“: Tobias, Sandra und Thomas Frank (von links) halten stolz ihr eigenes naturtrübes Heisensteyner Helles in der Hand.

Von der ehemaligen Campus-Küche zur Bierbrauerei – ein junges Start-Up aus Heusenstamm möchte mit selbstgebrautem Bier durchstarten.

Heusenstamm – Es riecht würzig beim Betreten der ehemaligen Küche auf dem Campus-Gelände an der Jahnstraße. Die Brüder Thomas und Tobias Frank kontrollieren die Anzeigen auf ihren beiden Kesseln, in denen der Sud ihres neuen Bieres Heisensteyner Helles bei 97 Grad vor sich hin köchelt. Die neue Mikrobrauerei befindet sich nur wenige Meter vom Impfzentrum entfernt.

Zusammen mit Thomas Franks Frau Sandra, brauen, füllen und vertreiben die drei Heusenstammer ihr eigenes Bier. Während die Brüder brauen, kümmert sich Sandra hauptsächlich um das Füllen, Etikettieren und das Kaufmännische rund ums Bier. Und Ihre naturtrüben Gerstensäfte kommen gut bei der Kundschaft an. Bereits mehr als 1000 Flaschen konnten sie schon an Mann und Frau bringen.

Heusenstamm: Junge Familie startet mit eigenem Bier durch

Der Wecker klingelt. Thomas Frank wirft mit der Taschenlampe einen Blick in den Würzekocher der Brauanlage, kontrolliert den Sud, der dort köchelt. Er drückt einige Knöpfe auf dem Touchscreen der Anlage. Dann füllen sie den Sud ins Gärfass. Zuvor wird der Sud noch mittels Eiswasser heruntergekühlt. „Das Leitungswasser hat hier 19 Grad, deshalb brauchen wir noch kälteres Wasser, um den Sud auf zwölf Grad herunterzukühlen“, sagt Frank.

Nachdem die gut 50 Liter in das Fass gelaufen sind, nimmt Tobias Frank eine kleine Menge und gibt sie auf ein sogenanntes Refraktometer. Er hält das kleine Gerät, das wie ein kleines Fernrohr aussieht, vor sein Auge und Richtung Licht. „Sehr gut“, sagt er. Mithilfe des Refraktometers kann die Stammwürze des Bieres bestimmt werden.

Bier aus Heusenstamm: Größte Herausforderung ist ein gleich bleibendes Ergebnis

„Das ist die größte Herausforderung beim Bierbrauen“, sagt Tobias Frank, „jedes Mal ein gleichbleibendes Ergebnis zu erzielen.“ Denn nicht nur der finale Alkoholgehalt muss stimmen. Auch Werte wie Stammwürze, CO2-Gehalt, Bittereinheiten und Farbe müssen passen.

Beide tragen ihre Werte minutiös in ihren Computer ein. Das Wissen für die Braukunst haben die beiden durch ihren Beruf erworben. Die Brüder arbeiten für einen Brauanlagenhersteller im Hunsrück. So haben sie Kontakt zu vielen Braumeistern und sich im Laufe der Zeit Expertenwissen angeeignet. Schon seit einigen Jahren experimentieren das Trio hobbymäßig mit dem Brauen. „Die Idee, sich damit selbstständig zu machen, war schon länger da“, sagt Thomas Frank. Nun sei der passende Moment gekommen. Durch den Betreiber des Campus haben sie die Zusage bekommen, die Küche nutzen zu können. Seit Mitte Juni haben sie dann ihr Vorhaben intensiviert und bald darauf angefangen, ihre eigenen Kompositionen zu brauen. „Die Basis steht, wenn wir was an der Rezeptur ändern würden, dann wäre das nur noch Feintuning“, sagt Tobias Frank.

Kontrolle des Suds: Thomas und Tobias Frank schauen auf die Anzeige der Kessel.

Heusenstamm: Brauer wollen sich auf klassisches Bier konzentrieren

Zunächst hatten sie noch mehrere verschiedene Sorten im Angebot, doch sie wollen sich zukünftig auf ihre zwei Sorten Heisensteyner Helles – der Name entstammt einer der ersten urkundlichen Erwähnungen Heusenstamms im 12. Jahrhundert – und ihr 360 Pale-Ale konzentrieren. Es sind natürlich nach wie vor saisonale Spezialitäten geplant. Die anderen Sorten waren am ersten offiziellen Verkaufstag am vergangenen Samstag schnell vergriffen. „Wir wollen kein Schnick-Schnack oder irgendwelche trendigen Biere für vier Euro verkaufen, sondern für den normalen Bierliebhaber brauen.“

Dass die Biere teurer sind als beispielsweise im Supermarkt, liege sowohl an der kleinen Menge, die die Campusbrauer herstellen, als auch an der Qualität der Rohstoffe. Gut 100 Liter schaffen die beiden in einer Schicht samstags. „Da sind wir dann aber auch von morgens um 6 bis abends um 18 Uhr beschäftigt“, verrät Thomas Frank, „wir wollen uns langsam herantasten, theoretisch würde eine größere Menge nicht mehr Zeit kosten; der Preis des Bieres deckt aktuell nur die Zutaten und die Nebenkosten“. Durch die geringe Menge sind alle drei auch weiterhin in ihren Hauptberufen angestellt. „Es wäre natürlich wunderbar, wenn unser Projekt wirtschaftlich Fuß fassen könnte.“ Dafür wollen sie sich erst noch einen Namen machen. Immer am ersten Samstag im Monat von 9 bis 13 Uhr verkaufen sie auf dem Campusgelände ihr Bier. (Lukas Reus)

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