Theaterprojekt

„Radkraft schafft Denkkraft“: Spektakel rund ums Rad

In der Aula der ARS tritt die Gruppe „Young Strings“ gemeinsam mit dem Chor auf. Sie geben Songs zum Besten, die sich ums Fahrrad drehen.

Bei dem Theaterprojekt „Radkraft schafft Denkkraft“ haben fast 100 Mädchen und Jungen aus beiden Einrichtungen das Rad neu erfunden. Außerdem nahmen rund 100 Eltern an der Aktion teil.

Heusenstamm - „Wind von hinten, Straße frei, atmen wir die Emissionen. Autofahrer steh’n im Stau, die wir klingelnd überholen. Und wir zeigen, es kann geh’n, sind mobil auch ohne Wagen, aber der Lärm und Gestank sind kaum zu ertragen ...“ Vier Schüler singen in der Pausenhalle der ARS unter Keyboard-Begleitung von ARG-Lehrer Werner Fürst zur Melodie von „Über den Wolken“ über ihre Erfahrungen mit dem Drahtesel. Das allein wäre kaum eine Schlagzeile wert. Aber mit diesen Takten beginnt die erste gemeinsame Aktion der beiden namensgleichen Nachbarn seit Jahrzehnten.

Und die Inszenierung hat es in sich. Räder fahrend oder schiebend, mit Lichterketten an den Helmen, führen die „Guides“ die Gruppe vor die Abstellplätze des Gymnasiums. Das erwachsene Publikum stellt sich wie gefordert in einer Reihe auf, für jedes „Ja“ treten die verdutzten Zuschauer einen Schritt vor: Wer ist heute Rad gefahren, wer hat davon geträumt, wer hat sein Stahlross gewaschen? Keiner hat ein E-Bike, einen Unfall auf zwei Rädern hatte dagegen schon fast jeder. Und niemand aus der Reihe benutzt sein Rad täglich.

Beim Theaterprojekt „Radkraft schafft Denkkraft“ setzen sich die Schüler von ARG und ARS mit allem rund ums Fahrrad auseinander. Fotos: Prochnow

Im Treppenhaus huschen schwarz gekleidete Darsteller über Stufen und hinter die Gitter, betonen die Frage „Warum tun wir nichts?“ auf jedem einzelnen Wort. Der Disput soll sich an anderen Stationen wiederholen: Autofahren ist bequem und warm, der Bus ist voll und stinkt. Aber für die Fahrradtour zur Schule muss man eine Stunde früher aufstehen, wird bei Regen nass und Abstellplätze fehlen. Aber sonst macht’s Spaß, ist cool, hilft Umwelt und Klima, verleiht Energie. Und bei Staus ist man auch früher am Ziel.

Auf der Wiese sollen sich die Mütter und Väter entscheiden. Was ist wichtiger, Klingel oder Bremse? Helm oder Katzenaugen? Licht oder Hupe? Vorm Kunstsaal folgt die Gruppe erst den witzigen Ergüssen der Gelb- und Rotwesten auf dem Asphalt. Dann: Einmal umdrehen und in den Unterrichtsraum blicken, wo die Szene mit einem Dreirad munter weitergesponnen wird.

Weil eine andere Gruppe noch den „Young Strings“ und dem Chor in der Aula lauscht, animieren die „Guides“ ihre „Follower“ zu Hampelmann-Sprüngen. Rad-Schlagen kann nur die jüngste Teilnehmerin. Dann verfolgen alle andächtig Fahrrad-Songs. Bei „9 Million Bicycles in Beijing“, „9 Millionen Fahrräder in Peking“ bewähren sich junge Solisten.

Selbstbewusst und wortgewandt improvisierend halten die ständig wechselnden Moderatoren das Publikum in Bewegung – geistig wie körperlich. Es geht bis in den Flur im zweiten Stock des A-Gebäudes, wieder in die ARS und zum Treffen aller in der Aula. Anhaltender Applaus würdigt das Spektakel. Beteiligt sind die ARG-Theatergruppen der Jahrgangsstufen fünf und sechs sowie sieben und acht von Nataliya Skrypnyk und Sina Kuhlins, die Theater-AG der ARS von Firdes Ceylan sowie Chor und Streicher von Monika Neumann und Werner Fürst.

Von Michael Prochnow

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare