Vertrag bleibt offen

Braas stellt weiter Dachsteine her

Auf dem Gelände der Firma Braas an der Ring- und Rembrücker Straße werden nach wie vor Dachsteine hergestellt. Die Firma gehör zur BMI Group, mittlerweile ein Teil von Standard Industries. Foto: AXEL HÄSLER
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Auf dem Gelände der Firma Braas an der Ring- und Rembrücker Straße werden nach wie vor Dachsteine hergestellt. Die Firma gehör zur BMI Group, mittlerweile ein Teil von Standard Industries.

Der Vertrag zum Sandabbau am Martinsee bleibt vorerst ohne Unterschrift.

Heusenstamm –  Bürgermeister Halil Öztas hat die Vorlage des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung, diesem Vertrag zuzustimmen, am Mittwochabend in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses auf die nächste Sitzungsrunde verschoben. Gleichzeitig bat er darum, ein klares Signal des Stadtparlaments zu erhalten, in welche Richtung er mit dem Dachsteinehersteller Braas verhandeln soll.

Währenddessen hat sich auch das Heusenstammer Unternehmen zu Wort gemeldet. Als völlig falsch bezeichnete Bernard Gualdi, Leiter der Unternehmenskommunikation der BMI Group, zu der Braas inzwischen gehört, dass die Dachsteinproduktion am Standort Heusenstamm eingestellt worden sei. Dies steht so im Text jener Magistratsvorlage. Öztas entschuldigte sich am Mittwoch während der Ausschusssitzung für diese Fehlinformation. Er wisse nicht, wie diese in die Vorlage geraten sei.

Gualdi stellte indes klar, auch weiterhin würden am Standort Heusenstamm Dachsteine hergestellt. 195 Beschäftigte habe Braas aktuell in der Schlossstadt, 20 mehr also, als im Sandabbau-Vertrag zugesichert. Zudem richte sich der Standort anders aus. So stehe auf dem Gelände an der Rembrücker Straße inzwischen die einzige Windanlage des Unternehmens zur Erforschung und dem Test neuer Produkte. Vier Forschungs- und Entwicklungszentren gebe es in der Gruppe, die Zentrale dazu sei ebenfalls mittlerweile in Heusenstamm. Außerdem befinde sich eine Akademie auf dem Gelände, in der Dachdecker, Zimmerer und eigene Mitarbeiter geschult würden. Ein weiteres Schulungszentrum werde dort gerade errichtet. Und der gesamte Innendienst von Braas sei in der Schlossstadt zentralisiert.

Auch zum Sandabbau äußerte sich Gualdi. Wie berichtet, war in der Debatte der Stadtverordneten die Rede davon, dass Braas den in Martinsee geförderten Sand gar nicht mehr benötige. Für Dachsteine aus Beton, wie Braas sie herstellt, seien die Anforderungen der Verbraucher deutlich höher. „Die Oberfläche muss glatter sein, damit die Dächer sauberer sind.“ Um aber derart glatte Oberflächen der Dachsteine erreichen zu können, wie von den Kunden gewünscht, reiche die Qualität des Sandes aus dem Martinseewald nicht mehr aus. Deshalb habe man immer weniger von diesem Sand verwenden können. Dies sei auch der Grund, warum man aus der Verpflichtung, 20 Prozent des in Heusenstamm geförderten Sandes nutzen zu müssen, heraus wolle.

Der Sandfördervertrag muss erneuert werden, weil sich nach einer Planfeststellung durch das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt ein wichtiger Teil dieses Werks geändert hat. Entgegen der bisherigen Vereinbarungen hatte das RP gestattet, dass der durch den Abbau entstandene See zeitgleich nach und nach wieder verfüllt werden muss. Da dies zu Verschmutzungen geführt habe, hatte Braas beantragt, die Verfüllung erst nach dem Ende des Abbaus Ende 2021 fortsetzen zu dürfen. Dem hatte das RP zugestimmt.

Auch zur Wiederverfüllung äußerten sich die Stadtverordneten kritisch. So sei man nicht sicher, ob es klimatisch nicht besser sei, den See zu belassen. Öztas berichtete, Braas wolle nicht darauf verzichten, da auch damit Einnahmen erzielt würden.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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