Singen macht die Menschen freier

Viele Bürger helfen ehrenamtlich im Horst-Schmidt-Haus mit

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Die rote Rikscha, gefahren von Ewald Schreiner, ist nur eines der vielen Angebote, die Ehrenamtliche den Bewohnern des Horst-Schmidt-Hauses regelmäßig machen.

Der gute Ruf des Horst-Schmidt-Hauses (HSH) gründet auch auf das vielfältige Engagement einer Schar ehrenamtlicher Helfer. Für Hausleiterin Roza Bering und Jeerapa Setrong vom Sozialdienst des Seniorenzentrums Anlass, Danke zu sagen. 

Heusenstamm – Dazu bewirteten sie die zwei Dutzend Frauen und Männer im Café der Einrichtung.

Josef „Seppl“ Pruchner ist einer von ihnen. Er leitet donnerstags einen Singkreis im Haupthaus, an zwei weiteren Tagen in der Tagespflege. Meist wählt er Volkslieder aus. In vier Heften der Alzheimer Gesellschaft aus Wetzlar hat er nicht nur die alten Stücke gefunden, sondern auch die Texte in großer Schrift. Der Refrain ist nach jeder Strophe ausgeschrieben, Pruchner singt die Werke stets etwas langsamer vor.

Zur Unterstützung hat er CDs mit den Melodien. Die Hefte beinhalten Schlager der 1920er bis 1960er Jahre. „Diese Lieder bereiten den älteren Menschen sehr viel Spaß“, berichtet der Rentner, „alle sind mit Begeisterung und festen Stimmen dabei“. Vorsingen sei wichtig, um die Senioren zu führen. Während die CD läuft, kann er durch die Runde laufen: „Das ist persönlicher, familiärer.“

"Sogar Demente singen mit"

Der gelernte Sanitär-Installateur war in seinen letzten zehn Berufsjahren im Rathaus tätig. Als er in Rente ging, wollte er sich sozial engagieren, unterhielt sich mit Pfarrer Martin Weber und half zunächst bei Auf- und Abbau für den katholischen Gottesdienst im Speiseraum des HSH. Vor achteinhalb Jahren gründete er dann den Singkreis.

„Durch das Singen werden die Bewohner und Besucher freier, es fällt eine Schwere ab, sogar demente Personen, die nicht mehr sprechen, singen mit“, beobachtet er. „Das ist sehr wichtig, weil es aus der Einsamkeit herausführt.“

Das sieht auch Klaus Klößmann so. Er ist selbst 90 Jahre alt und begleitet seit elf Jahren im Wechsel mit Helga Starmayer, einer ehemaligen Lehrerin, eine Gruppe am Klavier. Der Kreis trifft sich freitags, dann werden Notenmappen mit großen Buchstaben verteilt. Daraus schmettern die Teilnehmer der Reihe nach zwölf, 14 Lieder, „damit die Leute nur umblättern müssen“, sagt er.

Mit der Rikscha quer durch Heusenstamm

Ex-Sportlehrer Ewald Schreiner hat eine besondere Aufgabe übernommen, er fährt die knallrote Rikscha, die im Eingang und jetzt auch wieder im Stadtbild Blicke auf sich zieht. Durch eine Pressemitteilung wurde er auf die Suche nach einem „Chauffeur“ aufmerksam. Und da er gerne Rad fährt, schlug er ein. Interessierte stehen Schlange, um kreuz und quer durch Heusenstamm spazieren gefahren zu werden.

„Ich frage immer, wo meine Passagiere gewohnt haben, dann fahren wir daheim vorbei“, schildert Schreiner. Innerhalb von drei bis fünf Stunden kutschiert er mehrere Gruppen, gibt dabei Infos zu den Orten entlang der Strecke. Die Touren führen an Alter Linde, Bahnhof und Schloss vorbei bis zum Friedhof und nach Martinsee. Vom Lenken her sei das Gefährt nicht so einfach zu führen, „das Kurvenverhalten ist ganz anders“, erläutert er. „Wir werden überall freundlich gegrüßt, die Leute winken uns zu“, erzählt Schreiner weiter. Das sei auch eine gute Werbung für das Haus. Seine Mitfahrer sind begeistert und wollen die Passage unbedingt bezahlen. Doch Schreiner nimmt nicht einmal Trinkgeld. Stattdessen leitet er jeden Cent ins Spendenferkel des Fördervereins, der das Fahrzeug gekauft hat.

Jeerapa Setrong (Tel. 06104 604155) sucht weitere Ehrenamtliche für Aktivitäten mit den Bewohnern.

Michael Prochnow

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