Ohne Strom keine Ladestation

Viele Garagen in der Schlossstadt wurden nie ans Netz angeschlossen

Im Stadtteil Bastenwald, wie etwa am Zeisigweg und der Finkenstraße, gibt es viele solcher Garagenzeilen, die in den 1970er Jahren errichtet wurden. Foto: HOLZAMer
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Im Stadtteil Bastenwald, wie etwa am Zeisigweg und der Finkenstraße, gibt es viele solcher Garagenzeilen, die in den 1970er Jahren errichtet wurden. 

Wer sich ein Elektroauto anschaffen möchte, muss zuvor vor allem die Frage klären, wie und wo ein solches Fahrzeug geladen werden kann. Die einfachste Lösung scheint, sofern vorhanden, das Anbringen einer Ladestation in der eigenen Garage zu sein.

Heusenstamm –  Doch so einfach ist das leider nicht, wie der Fraktionsvorsitzender der FDP im Stadtparlament, Uwe Klein, erfahren musste. Das zumindest geht aus dem Antrag der Liberalen hervor, dem die Stadtverordneten mit großer Mehrheit zugestimmt haben.

Der Magistrat wird damit beauftragt, zu prüfen und zu berichten, ob und wie die Stadt bei der Herstellung von Stromanschlüssen in Garagen oder Garagenanlagen unterstützend tätig werden kann, um die Installation von Lademöglichkeiten für Elektroautos zu ermöglichen. Zudem geht es den Antragstellern darum, auch mit dem Stromanbieter zu klären, welche Maßnahmen möglich sind, um Garageninhabern die Herstellung eines Stromanschlusses zu erleichtern, und ob durch koordiniertes Vorgehen oder standardisierte Verfahren der Aufwand und die Kosten verringert werden könnten.

Im Stadtteil Bastenwald etwa oder im Sommerfeld, aber auch rund um Königsberger, Breslauer oder Stettiner Straße gibt es viele Reihenhäuser, für deren Eigentümer keine Autoabstellplätze oder Garagen auf dem eigenen Grundstück errichtet wurden. Stattdessen gibt es Garagenzeilen, die man in vielen Fällen dazu kaufen konnte. Viele dieser Zeilen wurden, so Uwe Klein, in den 1970er Jahren gebaut – ohne Stromanschluss, weil die Notwendigkeit dafür damals nicht gesehen wurde.

Um die Akzeptanz von Elektromobilen zu erhöhen, die sich gerade für den regionalen oder Stadtverkehr anbieten, begründet die FDP ihren Antrag, sei es erforderlich, diese zu Hause und über Nacht aufladen zu können. Dies sei aber nur möglich, wenn ein Stromanschluss vorhanden ist. Eine Anfrage beim Stromkonzessionär zur Herstellung eines Stromanschlusses in der vorhandenen, aber nicht auf dem Wohngrundstück befindlichen Garage habe den Eindruck hinterlassen, dass dieses Thema grundsätzlich behandelt werden sollte.

Betreiber des Stromnetzes in Heusenstamm ist die Mainnetz GmbH. Deren Geschäftsführer Dirk Schneider bestätigte gestern auf Anfrage: „Wir verlegen Anschlüsse auf Antrag des Kunden.“ Allerdings sei dies abhängig vom Ort und von der gewünschten Leistung. Und auch die Höhe der Kosten errechne sich aus mehreren Faktoren.

Schwierig werde es, wenn eine solche Garagenzeile Gemeinschaftseigentum sei, erläuterte Schneider weiter. Sei ein Eigner nicht mit dem Verlegen eines Stromanschlusses einverstanden, dürfe nichts gemacht werden. So sei nun mal die Rechtslage, sagt der Mainnetz-Geschäftsführer. Um diese zu ändern, müsste das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) an der entsprechenden Stelle umgeschrieben werden. Doch dafür ist der Bundestag zuständig.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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