Eltern in prekärer Situation

Viele Kinder bekommen keinen Kita-Platz: Initiative will Eltern helfen

Die neue Kita an der Rudolf-Braas-Straße wird seit Ende Januar nach und nach belegt. Aktuell fehlen in Heusenstamm etwa 200 Betreuungsplätze für Kinder zwischen null und sechs Jahren.
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Die neue Kita an der Rudolf-Braas-Straße wird seit Ende Januar nach und nach belegt. Aktuell fehlen in Heusenstamm etwa 200 Betreuungsplätze für Kinder zwischen null und sechs Jahren.

Viele Eltern bekommen für ihre Kinder in Heusenstamm keinen Kita-Platz, obwohl er ihnen rechtlich zusteht. Eine Initiative will helfen.

  • Viele Eltern bekommen für ihre Kinder in Heusenstamm keinen Kita-Platz
  • Initiative will Eltern in prekärer Situation helfen
  • Viele Ideen für Kinderbetreuung vorgelegt

Heusenstamm – Informieren, treffen, vernetzen und auf die Situation aufmerksam machen wollen die Mitglieder der Elterninitiative „Kitalos-Heusenstamm“. Man stelle immer wieder fest, dass vielen Bürgern die prekäre Situation mancher Eltern, deren Kinder keinen Betreuungsplatz haben, gar nicht klar sei, erläutert ein Mitglied des sogenannten Orga-Teams der Initiative, das nicht namentlich genannt sein möchte.

Heusenstamm: Viele Kinder bekommen keinen Kita-Platz

Rund 200 Namen stehen derzeit auf der Warteliste für Kita-Plätze in der Schlossstadt (wir berichteten). Gleichzeitig wird aktuell am Bau mehrerer neuer Einrichtungen gearbeitet. An der Rudolf-Braas-Straße ist eine Kita für vier Gruppen in Container-Bauweise errichtet worden, die seit Ende Januar genutzt und zurzeit nach und nach belegt wird.

Voraussichtlich im Herbst wird eine neue Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt an der Herderstraße fertiggestellt sein. Für eine Erweiterung der städtischen Kita Rembrücken ist nach den Angaben von Bürgermeister Halil Öztas ein Bauantrag unterwegs. Und gegen die Ablehnung einer Bauvoranfrage zur Errichtung einer Kita auf dem Gelände des Schwimmbads will die Stadt nun Widerspruch einlegen.

Heusenstamm: Initiative will Eltern helfen - Räume fehlen

Ihnen sei bekannt, dass die Warteliste bis zum Sommer 2021 abgearbeitet werden soll, sagt Sonja Walther. Aber bis dahin wolle man Interimslösungen finden, um wartende Eltern unterstützen zu können. „Unsere Ideen scheitern allerdings derzeit vor allem an den Räumlichkeiten“, ergänzt Walther. Die Initiative sei auf der Suche nach Räumen, um sich mit den Eltern zum Austausch treffen zu können. Zur Finanzierung solcher Räume sei die Stadt gefragt, meint Philipp Helm, denn diese spare ja Geld, solange ihre Kinder nicht betreut werden könnten: „Außerdem gibt es einen Rechtsanspruch, den die Stadt nicht erfüllt.“

Im Herbst vergangenen Jahres hat sich die Initiative gruppiert. 40 bis 50 Eltern gehören „Kitalos“ inzwischen an, das Orga-Team besteht aus acht Personen. Viele der Eltern könnten sich zeitlich nicht engagieren, weil sie eben keine Betreuung für ihre Kinder haben. „Mir liegt das Thema sehr am Herzen“, sagt Zoran Nikolov, dessen zwei Töchter seit ein paar Wochen einen Kitaplatz haben. Deshalb ist er weiter im Orga-Team dabei: „Und außerdem hört das mit dem Mangel ja nicht mit dem Kindergarten auf. An der Schule wird es genauso weiter gehen.“

Heusenstamm: Initiative hat viele Ideen um für die Kinderbetreuung

Wohlwollend hätten alle Parteien, mit denen sie inzwischen Gespräche geführt haben, auf ihre Initiative reagiert, sagen die Organisatoren. Dabei habe man aber erneut feststellen müssen, dass das Bewusstsein für ihre Situation nicht überall vorhanden sei. „Deshalb ist es wichtig, das Thema auf die politische Agenda zu holen, zu zeigen, da ist ein Problem, kümmert euch darum“, erläutert Philipp Helm. Wobei, das betonen alle Mitglieder des Orga-Teams, es ihnen nicht darum gehe, mit Schuldzuweisungen in die Vergangenheit zu blicken. „Wir wollen deutlich machen, was es bedeutet, keinen Kita-Platz für das eigene Kind zu haben“, meint Sonja Walther. 

Und man suche nach Ideen. „Vielleicht finden sich zum Beispiel Erzieherinnen im Ruhestand, die manche Eltern vormittags beim Betreuen der Kinder unterstützen können“, regt Heiko Claßen an. Auch an Leih-Omas und -Opas oder Tagesmütter, die derzeit nicht aktiv sind, denke man dabei, sei allerdings auch offen für andere Ideen, mit denen Eltern geholfen werden könne.

Wer sich über die Elterninitiative informieren oder mit der Gruppe Kontakt aufnehmen möchte, erhält Informationen auf kitalos-heusenstamm.de oder per Mail an kitalos-heusenstamm@gmx.de.

Von Claudia Bechthold

Rund 200 Kinder stehen derzeit auf der Warteliste der Verwaltung für einen Platz in der Betreuung. Grund genug für einige Eltern in Heusenstamm, eine Initiative zu gründen.

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