Vorleserin aus Leidenschaft

Vorleserin seit 19 Jahren: Kleine Fans lieben Seniorin Monika Wilms

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Gerne hören Kinder Monika Wilms beim Vorlesen zu. Diesmal hat sie das Buch „Ich mag dich – einfach so“ von Neele mit Illustrationen von Marta Balmaseda vorgestellt.

Seit 19 Jahren liest die Seniorin in der evangelischen Gemeindebücherei vor und das jeden ersten Freitag im Monat.

Heusenstamm – Weil ein kleiner Elefant schlechte Laune hat, tritt er gegen einen Stein. Dieser fliegt ein Stück und trifft einen Flamingo. Der wird sauer und schimpft. Und weil das immer so weiter geht, geraten immer mehr Tiere in Streit. Bis ein Erdmännchen kommt und einen fauchenden Leoparden umarmt. „Ich mag dich – einfach so“ heißt das Buch, das Monika Wilms an diesem Nachmittag Kindern zwischen drei und sieben Jahren vorliest.

Am ersten Freitag eines Monats, bevor die Bücherei der Evangelischen Kirchengemeinde in der Leibnizstraße 57 von 16 bis 18 Uhr, öffnet, beschäftigt sich die Heusenstammerin ab 15 Uhr mit Kindern. Seit mittlerweile 19 Jahren liest sie Bücher vor.

Damals hatte es einen Generationswechsel in der ehrenamtlich betriebenen Ausleihe gegeben. Monika Wilms zählte zu den Freiwilligen, die sich dafür gemeldet hatten. Und als es um die Frage ging, wer Vorlesen möchte, hat sie Ja gesagt. „Damals hatte ich selbst noch keine Enkel“, erinnert sie sich. Inzwischen sitzt ihr jüngstes Enkelkind im Kreis der Zuhörer, wenn wieder Lesestunde ist. „Allerdings nicht mehr lang, denn sie ist gerade acht geworden“, verrät die Seniorin.

Seit 1967 lebt Monika Wilms mit ihrer Familie in der Schlossstadt. Die gelernte Industriekauffrau, die aus Celle stammt, ist der Liebe wegen in Heusenstamm „hängen geblieben“. Ihren Mann, einen Frankfurter, hat sie kennengelernt, als sie beruflich – eigentlich nur für eine begrenzte Zeit – an den Main gekommen war. Auf der Suche nach dem gemeinsamen Heim für die damals junge Familie wurde das Ehepaar Wilms in Heusenstamm fündig – und blieb.

Ständig berufstätig war Monika Wilms wegen der Kinder nicht mehr. Aber immer wieder bereit, Tätigkeiten zu übernehmen, einzuspringen. So hat sie sich nicht nur um ihren eigenen Nachwuchs gekümmert, sie hat auch ihre Schwiegermutter gepflegt, als Tagesmutter die Betreuung anderer Kinder übernommen und immer wieder in verschiedenen Firmen ausgeholfen. „Ich mache da meist jene Dinge, die andere nicht so gerne machen.“

Das Vorlesen macht ihr großen Spaß. Regelmäßig durchstöbert sie die Kinderbuchabteilungen des Buchhandels, sucht nach Neuerscheinungen, die sie sich dann genauer anschaut. „Und wenn mir ein Buch gefällt, nehme ich es mit.“ Natürlich wandern diese Bücher auch in den Bestand der Bücherei, sodass die Kinder sie ausleihen können.

Unter ihren Zuhörern hat sie echte Fans, die regelmäßig kommen. Eines der Kinder, so hat es die Mutter erzählt, habe vor der Frage gestanden, ob es zum Vorlesen oder zur Oma möchte. Es habe sich für „Frau Wilms“ – wie die Kinder sie nennen – entschieden, „denn die Oma ist ja immer da, Frau Wilms aber nur einmal im Monat“.

Eine halbe Stunde könne man die Geduld der Kinder beanspruchen, dann lasse die Aufmerksamkeit nach. „Deshalb wird in der zweiten Hälfte der Lesestunde gemeinsam gemalt. Und es gibt geschälte Apfelschnitze, die Monika Wilms jedes Mal dabei hat. Die seien bei den Kleinen sehr beliebt, versichert sie.

VON CLAUDIA BECHTHOLD UND MICHAEL PROCHNOW

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