Gruppenarbeit dank Reichwein

Während der Projektwoche lernen Fünftklässler den Namensgeber kennen

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Die Taschen-Bäume der Schüler bewundern Matthias Unbehauen und Schulleiterin Margit Breen.

„Hans, lös’ die Aufgabe. “ – „Das Ergebnis ist 6. “ – „Falsch. Zeig mir deine Hände. Los!“ Vom lauten Knall des Stocks schrecken die Fünftklässler im Publikum auf.

Heusenstamm –  Das Holz trifft freilich nur den Schülertisch auf der Bühne des Musikraums, vielleicht aber auch das Bewusstsein der Jüngsten in der Förderstufe. Traditionell vermitteln ihnen die Siebtklässler während der Projekttage Leben und Überzeugung des Namensgebers der Adolf-Reichwein-Schule (ARS).

„Es ist Mathe. Der Lehrer ist sehr streng, ungeduldig“, heißt es im Exposé der Szene. „Die Klasse ist ruhig, schüchtern, nett. Ein Schüler sagt etwas Falsches und der Lehrer schlägt ihn.“ Das war vor 100 Jahren in vielen Klassen Alltag, lernen die Teilnehmer des Deutsch- und des Musik-Kreises von Renate Gatzweiler und Martin Wienand. Dank Pädagogen wie Reichwein erkunden Teenager an diesem Tag in Gruppenarbeit, welche Aufgaben Herz, Lunge und Niere übernehmen, wie das nächste Bild der Aufführung zeigt.

„Die Gedanken sind frei“ singen Adolf-Reichwein-Schülerinnen und -Schüler während des Projekttags. Das Lied galt als eine der Hymnen des Widerstands während der Nazi-Herrschaft. 

Dazu passt die Hymne aus dem Widerstand gegen die Nazi-Diktatur, in dem auch Reichwein aktiv war: „Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen. Es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei“. Der Reformer stammt aus Ober-Rosbach vor der Höhe, erlebte nach dem Abitur den Ersten Weltkrieg. Ende 1917 wurde er verwundet. Er begann ein Studium an der Universität Frankfurt. Danach war er in Berlin und Thüringen in der Erwachsenenbildung tätig. So gründete und leitete er die Volkshochschule und das Arbeiterbildungsheim in Jena. Als Volksschullehrer einer kleinen Schule im brandenburgischen Tiefensee unternahm Reichwein Unterrichtsversuche zur Arbeitspädagogik und Projektarbeit. Dabei bevorzugte er den jahrgangsübergreifenden, handlungsorientierten Unterricht mit praktischer Arbeit im Schulgarten.

Den Wandel in den Lehrplänen zeigt an diesem Vormittag auch eine Arbeitsgruppe in „Leibesertüchtigung“. Sie organisiert einen Orientierungslauf mit Schlagballweitwurf, Hochsprung und Läufen. Die Kunstgruppe gestaltet Piktogramme, zeichnet die Schule und bringt Reichwein per Bleistift und als Graffito auf Papier.

Der Initiative von Hausmeister Karsten Sigl folgend bauen Schüler Taschen-Bäume für die Rewe-Märkte: Kunden können an den Ästen Textiltaschen aufhängen für andere, die sonst eine Plastiktüte verwenden würden. Matthias Unbehauen ließ die Schüler Holzteile in stabilen Ausmaßen mit Leim, Dübeln und Schrauben verbinden. Jetzt werden die Kanten noch geschliffen, die Bäume mit Hartplattenöl geschützt.

Die Fünftklässler lassen sich die Ergebnisse aller Projektteams in Kleingruppen erläutern. Heute sind im Zusammenhang mit der Berufsvorbereitung für ältere Schüler Handwerker an der ARS.
VON MICHAEL PROCHNOW

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