Brückenbauhof

Städtebaulicher Entwurf: 270 Wohnungen mit Schallschutz für Heusenstamm

Der ehemalige Brückenbauhof an der Industriestraße soll vor allem mit Wohnungen bebaut werden. Am oberen Ende zur Ringstraßenbrücke hin, könnte eine Kita entstehen, am unteren Ende ein Drogeriemarkt.
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Der ehemalige Brückenbauhof an der Industriestraße soll vor allem mit Wohnungen bebaut werden. Am oberen Ende zur Ringstraßenbrücke hin, könnte eine Kita entstehen, am unteren Ende ein Drogeriemarkt.

Das Grundstück ist nicht einfach, meinte Gerd Wilhelmus zur Einleitung. Es ist lang gestreckt, schwer zu erschließen und erhält Schall von beiden Seiten.

Heusenstamm – Es geht um den ehemaligen Brückenbauhof der Deutschen Bahn an der Industriestraße im Westen, an der östlichen Seite begrenzt von der S-Bahn-Strecke. Vor zwei Jahren hatte die Hamburger Firma Procom Invest das Areal gekauft. Jetzt stellten die künftigen Bauherren den Stadtverordneten zwei erste, rein städtebauliche Entwürfe vor, wie das Gelände künftig bebaut werden könnte.

Fest steht bereits, dass auf dem Areal vor allem Wohnungen entstehen sollen. Etwa 270 Wohneinheiten könnten geschaffen werden. Abrundend sei an ein wenig Gewerbe und Einzelhandel gedacht. Aus Sicht der Procom Invest sei das eine tolle Chance, Wohnraum in einem Innenbereich schaffen, nur etwa 1000 Meter vom S-Bahnhof entfernt, meinte Gerd Wilhelmus, der die Hamburger Investoren als Berater vertritt.

Vor allem dem Problem mit dem Lärm widmete Wilhelmus seine Ausführungen. Eine große Schallschutzmauer wolle man nicht bauen, betonte er. Man habe die Schallwellen untersuchen lassen und sich auf eine Lösung verständigt, bei der etwas höhere Wohngebäude entlang der S-Bahn so vernetzt nebeneinander entstehen, dass sie einen Schutzriegel, Lärmpuffer bilden und dennoch attraktiv sind. Wie Svenja Knuffke vom Architekturbüro Albert Speer und Partner später erläuterte, müssten die Wohnungen in diesen Häusern, die bis zu viergeschossig – plus ein Staffelgeschoss – sein sollen, so geschnitten sein, dass Ruheräume ausschließlich zum Inneren des Areals angeordnet werden, Nassräume wie Bad oder Küche aber zur S-Bahn-Strecke hin.

An der nördlichen Spitze des Grundstücks will die Procom Invest eine Kindertagesstätte errichten, die bis zu 150 Plätze bieten könnte. Sie soll für das zweite geplante Wohngebiet auf dem Gelände des ehemaligen Fernmeldezeugamts dienen. Und am südlichen Ende, direkt neben dem Discounter-Markt, könnte sich eine Drogerie-Kette ansiedeln.

Zwei Varianten stellte Svenja Knuffke vor: „zwei Höfe“ und „grüner Garten“. Bei Variante I befinden sich Grünflächen in der Mitte des Areals, die Gebäude sind nicht in geraden Linien, sondern vor- und zurückspringend angeordnet. Die Erschließungsstraße verläuft parallel zur Bahnstrecke, um möglichst große Teile des Geländes ruhig zu gestalten. Das Parken soll zu einem großen Teil unter die Erde verlegt werden, nur ein kleiner Teil der Autos könne ebenerdig abgestellt werden. Innenliegend sollen sogenannte Wohnhöfe entstehen. Ein Spielplatz, ein Café oder Restaurant und eine Bäckerei könnten diese beleben. Und trotz aller Bebauungskniffe werde man eine kleine Schallschutzmauer, etwa einen oder 1,50 Meter hoch, errichten, auch aus Sicherheitsgründen.

In der Art einer Gartenstadt ist Variante II gehalten. Von den Grundprinzipien her ähnelten sich beide Entwürfe, erläuterte Svenja Knuffke. Es gebe kürzere und längere Gebäude, einen innenliegenden Wohnweg, Stellplätze und viel Grün. Eine Durchgangsstraße in dem Sinn wolle man nicht, stattdessen werde das Gebiet durchgehend ans Straßennetz angebunden.

Aus diesen Entwürfen, die noch einmal ausführlicher in einer Sitzung des Bauausschusses der Stadtverordnetenversammlung diskutiert werden sollen, könne ein städtebaulicher Rahmenplan erstellt werden, erläuterte Svenja Knuffke, der schließlich die Vorlage für einen zu beschließenden Bebauungsplan sein könne. Wie die Bebauung dann im Einzelnen aussehe, werde erst in einem zweiten Schritt entschieden. Dies gelte auch für denkbare Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser, seniorengerechte oder geförderte Wohnungen.

Den Bau eines Hotels auf dem Gelände habe man geprüft, berichtete Gerd Wilhelmus auf Nachfrage, der Markt gebe dies aber derzeit nicht her. Und grundsätzlich gehe man davon aus, dass auf dem Areal Mietwohnungen geschaffen würden. VON CLAUDIA BECHTHOLD

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