Heusenstamm

Überraschung am Hühnerstall in Heusenstamm

Quirlig toben seit zwei Wochen zwei junge Kitze der Rasse Pinzgauer Ziegen zwischen den Hühnern von Landwirt Markus Wöhl. Foto: HOlecek
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Quirlig toben seit zwei Wochen zwei junge Kitze der Rasse Pinzgauer Ziegen zwischen den Hühnern von Landwirt Markus Wöhl. 

In Heusenstamm haben zwei Ziegen dem Landwirt Markus Wöhl eine quirlige Überraschung beschert.

Heusenstamm – Die Tiere hatte sich der Landwirt zum Schutz seiner Hühner angeschafft. Wenige Tage nach der Ankunft der beiden Vierbeiner waren sie zu viert. Seitdem entdecken zwei Zicklein die Welt rund um die Schlossstadt.

Etwa 950 Hühner hält Markus Wöhl auf zwei seiner Felder. Dazu hat er sich Mobilställe angeschafft, in denen die Hühner die Nächte verbringen. Tagsüber laufen sie frei herum. Damit kann er den für den Boden notwendigen Fruchtwechsel besser ausnutzen. „Auf dem Acker wird Gras eingesät, dann können die Hühner dort leben“, erläutert er. Im Herbst ziehen die Vögel dann weiter, der Acker wird umgepflügt und es wird Getreide gesät. Nach dem Getreide folgen Kartoffeln und dann wieder Gras.

Allerdings musste Markus Wöhl nach seinem Einstieg in die Hühnerhaltung in freier Natur schnell feststellen, dass das auch mit Gefahren verbunden ist. Greifvögel haben ihm „deutliche Verluste“ eingebracht. Habichte oder Mäusebussarde vermutet er als „Übeltäter“, wobei er eher auf den Bussard tippt. Zunächst hat er zum Beispiel mit Vogelscheuchen versucht, seine Hühner zu schützen, allerdings ohne großen Erfolg. Dann hat er sich für seinen ersten Stall zwei afrikanische Bergziegen angeschafft. Seitdem sind die Verluste deutlich gesunken. „Die Ziegen gehen dazwischen, wenn ein Raubvogel angreift“, berichtet er.

Als er sich nun den zweiten mobilen Stall gekauft hat, war klar, dass er auch dafür zwei Vierbeiner kaufen würde. Diesmal entschied er sich für zwei Pinzgauer Ziegen, eine sehr alte Rasse, die vom Aussterben bedroht ist. Als die beiden Geißen in Heusenstamm eintrafen, ist ihm schon aufgefallen, dass sie etwas größere Euter hatten. Knapp zwei Wochen später waren die Tiere zu viert.

Dass sich nun der Fuchs die Kitze, wie die Jungtiere offiziell genannt werden, holen könnte, befürchtet der Landwirt nicht: „Die Mütter verteidigen ihre Jungen. Außerdem sind die Felder mit Elektrozäunen gut gegen Füchse geschützt.“

Die Hühnereier verkauft Markus Wöhl in seinem Hofladen in der Patershäuser Straße 6 und im eigens dazu aufgestellten Automaten vor dem Geschäft. Der Absatz sei mit der Corona-Krise gestiegen, sagt er, so stark, dass die Legeleistung der Tiere nicht immer reicht. Vor allem über Ostern war die Nachfrage der Kunden höher als der Ertrag.

Der Verkauf seiner Produkte laufe weiter. „Die Kunden sind sehr vernünftig, halten sich gut an die Abstandsregeln“, lobt er. Freilich habe er ältere Mitarbeiter gebeten, zu Hause zu bleiben, um geschützt zu sein. Hilfe hat er von Studentinnen und Schülerinnen, die jetzt mehr Zeit haben, als ihnen lieb ist.

Schwieriger war es mit den Saisonkräften, die er derzeit dringend benötigt. Denn in diesen Wochen muss gesät und gepflanzt werden. Zwei seiner Hilfen waren zwar da, aber eine Dritte musste aus Rumänien anreisen. „Das war richtig stressig“, sagt Markus Wöhl. Ein teures Flugticket, ein zusätzlicher Gesundheits-Check und ein separates Zimmer zur Unterbringung sind nur einige Aspekte der Corona-Auswirkungen.

Tomaten, Gurken, Paprika, Auberginen und Melonen werden derzeit ausgebracht. Dazu kommen noch die Radieschen. Außerdem müssen die Maisäcker fertiggestellt werden. „Und nächste Woche sind dann die Kartoffeln an der Reihe“, zählt der Landwirt auf. Außerdem gelte es, das Wetter im Blick zu halten. Denn zum Schutz vor Frostnächten werden zum Beispiel die Erdbeerpflanzen beregnet.

Das Wetter bereitet dem Heusenstammer aber noch andere Sorgen. „Es ist zu trocken“, berichtet er. Die Nährstoffe, die er auf die Äcker aufgebracht hat, konnten noch nicht ins Erdreich eindringen, weil der Regen fehlt. Das könnte den Ertrag erheblich verringern, fürchtet er. 20 bis 30 Liter Wasser von oben müssten in den kommenden Tagen noch auf den sandigen Boden fallen, damit seine Feldfrüchte dann genügend Nahrung zum Wachsen haben. 

Von Claudia Bechthold

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